nimmer aber aus der Tiefe des Herzens komme - wußte er sich doch so frei von jeder kleinsten Regung , die einen Vorwurf verdient hätte . Es beruhte in Wahrheit : eine Polnische Gräfin , in deren Hause er zufällig wohnte , hatte ihn zu sich einladen lassen , und er hatte keinen Grund gehabt , die Einladung auszuschlagen . Aber bald fand er , daß es in ihrem Hause ein Wenig frivol zugehe , daß die Gräfin all ' ihre Koketterie-Künste anwende , um in ihm einen galanten Ritter zu finden - da zog er in ein entlegenes Stadtviertel , und schickte der Gräfin eine Abschiedskarte . Ein Bekannter der Gräfin , der ihn in diesem Cirkel kennen gelernt hatte , traf ihn einige Zeit darauf zufällig , und als er ihm seine Verwunderung aussprach , daß er noch in Berlin sei , da er der Gräfin doch eine Abschiedskarte geschickt habe , sagte Jaromir : » Für die Personen , denen man Abschiedskarten schickt , ist man nicht mehr da - gleichviel , ob man die Stadt gewechselt hat , oder nur die Straßen . « - So selbstbewußt nun durch diese und ähnliche Handlungen Jaromir sich fühlte , von Amalien auch nicht den kleinsten Zweifel an seiner Liebe zu verdienen , so glaubte er auch nicht daran , daß sie im Ernst an seiner Treue zweifeln , und daß sie selbst je anders handeln und fühlen könne , als er - so fiel es ihm doch , wie er nun den Brief von Amaliens Mutter und seinen Ring mit der Anzeige ihrer Verlobung mit Thalheim erhielt , plötzlich wie Schuppen von seinen Augen . - Sie hatte ihn nie geliebt , nie geliebt , wie er allein geliebt sein wollte ! - Sie hatte nie das große , heilige Gefühl verstanden , das ihn bewegte ; er hatte seine edelsten Empfindungen , sein ganzes großes Herz weggeworfen an ein Wesen , das nur damit gespielt hatte ! - Es war über ein Jahr vergangen , und er hatte keinen andern Gedanken gehabt , als den : Amalie ! - Für sie hatte er gearbeitet , für sie gedarbt - für sie seine Nächte am Schreibtisch , oft seine Neigungen in der Literatur dem sicheren Erwerb geopfert - und jetzt sah er sich von ihr bei Seite geworfen , einem Andern geopfert ! - Wäre sie ihm entrissen worden durch den Tod , durch irgend eine Allgewalt der Verhältnisse , er hätte es mit edler , männlicher Entsagung ertragen - aber durch ihre Untreue wurden die bittersten Gefühle in ihm rege , durch ihren Verrath sah er sich um das schönste Jahr seines Lebens schrecklich betrogen . Er mußte die Erinnerung an dieses Liebesglück fliehen denn dieses selbst erschien ihm jetzt als nichts Anderes , als eine ungeheure Lüge . Er schickte Amalien ihren Ring wieder , ohne ein Wort des Vorwurfs , ohne irgend eine Erklärung - sie war seinem stolzen , edlen Herzen plötzlich so verächtlich , als sie ihm erst theuer gewesen . Er suchte jeden Gedanken an sie zu verbannen - - aber wie nun die tödtende Leere ausfüllen , die dadurch in seinem Innern , in seinem ganzen Leben entstand ? Er stürzte sich in einen Strudel von Zerstreuungen , er trank und spielte , und wenn der Schlaf nach durchschwärmten Nächten auf ihn herabsank , so fand er ihn selten nüchtern . Wenn er schreiben wollte wie sonst , und er allein in seiner stillen Stube saß - da stand Amaliens Bild plötzlich vor ihm , und er schaute es liebesselig an wie sonst - aber dann besann er sich , daß das Alles ja vorüber und Nichts gewesen sei , als ein langer Betrug , und sprang auf , floh das Nachdenken , floh die Einsamkeit , um nur auch ihrem Bild zu entrinnen , und suchte wieder den goldnen Stern der Vergessenheit im goldnen Wein , Dies wilde Leben stürzte ihn in Schulden , er hatte bald mit der entsetzlichsten Noth , den peinlichsten Sorgen zu kämpfen . Da erhielt er einen Brief seines Oheims . Ein Verwandter Jaromirs in Rußland hatte diesem geschrieben . Jaromirs Standesherrschaft war der Russischen Krone verfallen , und er selbst durfte nicht wieder dahin zurückkehren , aber der Verwandte , der auf Rassischer Seite stand , und daselbst viel Einfluß hatte , hatte es dahin gebracht , daß Jaromir sein übriges beträchtliches Vermögen erhielt . Das schrieb ihm Golzenau , und übersandte ihm die betreffenden Documente . Der arme Jaromir erwachte eines Morgens und fand sich reich . Er frohlockte , der Reichthum gab ihm ja die Mittel , sich zu zerstreuen , zu betäuben . Er verließ Berlin und ging auf Reisen . Nach einem Jahre kehrte er wieder zurück . Er war nunmehr auch ein gern empfangner Gast auf Schloß Golzenau - kam zuweilen dahin , weil der Graf ihn wie einen Sohn liebte , und weil er den alten Mann schätzte , der früher , trotz den Widersprüchen der eignen Familie , so väterlich an ihm gehandelt hatte . Jaromir hatte ihm Alles wieder erstattet , was er früher von ihm empfangen , und um so unbefangener konnte er ihm jetzt seine Dankbarkeit bezeugen . Uebrigens lebte Jaromir die folgenden Jahre in Berlin unter der großen Welt , der er so lange fremd geblieben war . Er galt für einen der ersten Salonherrn in diesen Kreisen und da er unter ihnen nicht nur seinem Aeußern nach der schönste , sondern zugleich auch der geistreichste war , da man es sich zuflüsterte , daß er ein Dichter , ein Journalist sei so gab dies seiner ohnehin bedeutenden Persönlichkeit noch einen besondern Glanz , der ihn für die Frauen besonder anziehend machte , und nicht wenig dazu beitrug , daß manch Männer ihn halb mit Neid , halb mit Furcht betracheter So beherrschte er die Gesellschaft durch hundert Eigenschaften , vor welchen eben diese Gesellschaft sich bewundernd neigt . Es war ein neues