Waldaus verkehrten ; sie fiel Jedem von ihnen auf und gewann sich hier die belehrenden Freunde , die in späteren Jahren einen unschätzbaren Einfluß auf ihre Bildung äußerten . Der Winter verging . Waldau fühlte sich kräftiger , Josephine athmete sorgenfreier auf . Da trat eines Morgens Madame Sophie , in Thränen fast aufgelöst , in ihr Zimmer . Ah , Madame ! er will fort ! Allerdings wollte Marc fort . Der Kaiser hatte Madrid erobert , seinen Bruder Joseph von Neuem auf Spaniens Thron gesetzt und die Engländer geschlagen . Zu Astorga , wohin er am ersten Januar gezogen , traf ihn die Nachricht der ernstlichen Kriegesrüstungen Oestreichs . Am dreiundzwanzigsten war er bereits selbst in Paris , um dem kaum erst noch vierhundert Stunden von ihm entfernten Feindesdrohen sogleich zum vierten Mal die Stirn zu bieten . Von Tag zu Tag erwartete man den Ausbruch des Kriegs , jetzt ließ es dem jungen Soldaten nicht länger Ruhe ; das Corps , zu welchem er gehörte , marschirte . Freude und sorgliche Pflege hatten ihn gestärkt ; wie hätte der Kriegsgeborne länger noch zu säumen vermocht ! L ' empereur va à Vienne ! wiederholte er zehnmal in einem Tage ; wo sein Kaiser war , leuchteten ihm Glück und Leben . Sophie hätte ihn gern dem Soldatenstande ganz entzogen ; im Herzen noch Royalistin , konnte sie nicht umhin , den petit Caporal mitunter noch für eine Art Landesverräther anzusehen , obschon sie mit großer Theilnahme den Erzählungen ihres Sohnes zuhörte ; er kam ihr höchstens wie ein Kaiser der Armee vor ; wenn nur von dieser die Rede war , konnte sie mit den Andern an Enthusiasmus wetteifern ; doch auf den Thron Frankreichs , auf welchem sie den Märtyrer Ludwig gesehen , vermochte sie nicht , sich ihn zu denken . Wie aber den kaum wiedergefundenen tausend Gefahren entrissenen Sohn vor den von Neuem drohenden Uebeln bewahren ! Zu fest hing er seiner glänzenden Laufbahn an ; ihn dem Auge seiner Vorgesetzten zu bergen , schien allzu schwer . Am Ende blieb der Armen nur die Qual , ihn fern von sich , dem möglichen Elende preisgegeben zu wissen . Konnte er nicht von Neuem erkranken , verwundet , verkrüppelt , wieder von Lazareth zu Lazareth geschleppt werden ? Lange kämpfte das arme Weib - die Mutter siegte . Sie beschloß , ihm zu folgen , sein unsicheres Loos wenigstens so lange zu theilen , als sie ihn nicht für ganz genesen hielt . Daß Duguet seinen sterbenden Herrn verlassen könne , kam weder ihm noch ihr in den Sinn . Die Gatten mußten sich trennen ! Das blieb unausweichlich , aber zum Glück wollte ja der Kaiser in kurzer Zeit mit Oestreich fertig sein und in Wien einziehen ; dann konnte Sophie zurück - die Oestreicher mochte sie ohnehin nicht leiden und gönnte ihnen alles Böse . Nachdem Sophie ihrer Gebieterin ihr ganzes Herz eröffnet , bat sie um ihre einstweilige Entlassung : obschon es wahrscheinlich mein Tod sein wird , unsere Leontine zu entbehren , schloß sie ; aber ich bin ja nur drei Monate meines armen Kindes Mutter gewesen , und Marc ist achtzehn Jahr alt . Josephine fühlte , daß an keine Aenderung des so gewaltsam gefaßten Entschlusses zu denken ; sie versuchte nur , dem Plan eine praktischere Gestalt und die Möglichkeit des Gelingens zu geben , indem sie St. Luce schriftlich um seine Vermittelung bat . Der Kaiser gestattete nur Marketenderinnen den Regimentstrains sich anzuschließen ; es blieb der einzige Ausweg , Sophien in den Dienst einer der begünstigten Offizierdamen zu bringen , die einzelnen Chefs folgen durften . Der junge Oberst hatte längst Erfurt verlassen , dennoch erreichte ihn der Brief und nach Verlauf weniger Wochen war Sophie von ihm als Kammerfrau der Geliebten eines seiner Freunde empfohlen , der Marc ' s Regiment befehligte und in Magdeburg der Marschordre harrte . Gottlob ! nun ist ' s überwunden , sie schläft ! sagte Madame Sophie , indem sie leise Leontinens Kammerthüre an sich zog , schon im Reisekleid , sich zu Duguet an den Tisch setzte und mit dem Rücken der Hand ein Paarmal über die Augen fuhr ! Wie groß sie sein wird , wenn ich sie wiedersehe ! Hol ' s der Teufel ! ich glaube , armes Weib , daß du eine ungeheure Thorheit begehst , brummte Duguet , aus dumpfem Sinnen auffahrend ; er reichte ihr über den Tisch hin die Hand , als müßte er die Härte des Wortes vergüten . Sophie hatte nicht recht hingehört , ihre Gedanken waren schon unterwegs . Sie zog eine große silberne Taschenuhr aus dem Kleide hervor und sagte : jetzt wird er wol schon in Buttstädt sein - morgen früh vier Uhr , meinte er , würde das Bataillon von dort abmarschiren - er hätte doch lieber schon gestern gehen sollen , der arme Junge ! so könnte er nun ein Paar Stunden schlafen . Duguet ging im Zimmer auf und nieder und stäubte , mit einer Damastserviette um sich schlagend , die reinen Meubles ab . Du hast nichts als ihn im Kopf ! murmelte er halb ärgerlich . Wenn ' s Glück gut ist , glaubst du wol gar , mir wäre das Herz nicht schwer ? erwiderte sie , euch Alle zu verlassen , dich und Madame und unsern armen Herrn ! Die Thränen traten ihr in ' s Auge . Nun , nun , so war ' s nicht gemeint ! begütigte sie Duguet ; iß doch einen Bissen ! Er versuchte ihr vorzulegen . Die Nacht ist grimmig kalt ; in einer Stunde wird der Postwagen da sein . Ja , ja , mein armer Herr , fuhr er fort , die gekreuzten Hände sanken ihm auf ' s Knie , wird es nicht lange mehr machen . Ich hielte es nicht aus , ihn jetzt zu verlassen . Seitdem die Bäume treiben , ist er so mager , und