der das Gute jenseits lohne , weil ihr kein Erdenglück für Reinhard ausreichend schien ; sie wurde demüthiger , aber nicht im Hinblick auf Gott , sondern vor dem Geliebten ; und der Gedanke , ihre Liebe könne jemals ein Ende finden , oder durch den Tod aufhören , machte sie so unglücklich , daß ihr die Hoffnung auf Unsterblichkeit und ein ewiges Leben wie der einzige Trost dagegen erscheinen mußte . Den Eltern und Eduard blieb die vortheilhafte Veränderung in Jenny ' s Wesen nicht verborgen , und wenn Eduard , was häufig geschah , mit Reinhard über die Schwester sprach , so verfehlte er nicht , es dankend anzuerkennen , wie wohlthuend des Freundes Unterricht auf Jenny wirke . Nur Joseph schien die Meinung nicht zu theilen . Er wird eine schlechte Christin aus ihr machen , äußerte er gelegentlich , verweigerte es aber , sich näher darüber zu erklären , weil er ein Geheimniß nicht verrathen wollte , das ihn nur seine eifersüchtig wachende Liebe so früh hatte erkennen lassen . So war Jenny in das sechszehnte Jahr getreten . Ihr Aeußeres hatte sich schön entwickelt , ihre Liebe zu Reinhard war von Tag zu Tag gewachsen , und es konnte nicht fehlen , daß sie mit der Hingebung , die sie dem jungen Lehrer in den Stunden bewies , einen Eindruck auf ihn machen mußte , den er vergebens mit allen Waffen der Vernunft bekämpfte . Denn welche Hoffnungen konnte er für die Neigung hegen , die er für Jenny zu fühlen begann ? Selbst wenn die Eltern darin willigten , sie Christin werden zu lassen und sie ihm zur Frau zu geben , konnte er es wagen , das reiche , verwöhnte Mädchen in sein armes Haus zu führen ? - So eigensüchtig durfte er nicht sein ; und von den Unterstützungen ihres Vaters zu leben , zu wissen , daß seine Frau ihre behaglichen Verhältnisse nicht ihm allein verdanke , der Gedanke schien ihm , nach den Erfahrungen seiner Jugend , fast unerträglich . - Nach jeder Stunde nahm er sich vor , den Unterricht unter irgend einem Vorwande zu beendigen , um eine Liebe nicht tiefer in sich Wurzel fassen zu lassen , die kein Erfolg krönen konnte , die einmal aufgegangen , blitzesschnell und mächtig aufschoß , obwohl er sie mit festem Willen still in sich verschloß . Auch Jenny hielt sich scheu zurück . Aus Furcht , sich zu verrathen , ging sie , sobald der Unterricht vorüber , und ihre Familie oder Fremde zugegen waren , plötzlich aus ihrer Hingebung in eine fremdthuende Kälte über . Sie zeigte anscheinend für jeden Andern mehr Theilnahme als für Reinhard , und dieser blieb dann meistens an Theresens Seite , um im Gespräch mit ihr seine qualvolle Aufregung so gut als möglich zu verbergen . Besonders war es Erlau , welcher Reinhard ' s Eifersucht erregte . Mit ächtem Künstlerenthusiasmus bewunderte er Jenny ' s erblühende Schönheit , und seine frohe , kecke Laune half dem jungen Mädchen oft über ihre Befangenheit und über all ihre Verwirrung fort . Es that ihr wohl , wenn Erlau sie ganz begeistert lobte ; sie freute sich , wenn Reinhard es hörte , dessen scheinbare Gleichgültigkeit sie schmerzte , und während sie eifersüchtig auf Therese sich von dieser und von Reinhard fern hielt , suchte sie Erlau geflissentlich auf , der sich ohnehin gern in ihrer Nähe befand . In solchen Stimmungen ließ sie sich von Steinheim bisweilen zu lebhaften Unterhaltungen hinreißen , in denen der Witz die Hauptrolle spielte , und die oft in eine Art von Neckereien und Scherzen übergingen , an denen Reinhard , seiner ganzen Natur nach , keinen Antheil zu nehmen vermochte . Jenny wußte das wohl , aber sie vermochte nicht , dem Geliebten die unangenehme Empfindung zu ersparen . Je theilnahmsloser und ferner er sich davon hielt , jemehr überzeugte sich Jenny , daß sie ihm ganz gleichgültig sei , und um so weniger sollte er eine Ahnung von ihrer Liebe erhalten . Nur vor Reinhard ' s Mutter löste sich die Stimmung des jungen Mädchens zu seltener Weichheit auf . So oft die Pfarrerin das Meiersche Haus besuchte , verließ Jenny augenblicklich die ganze übrige Gesellschaft , um sich ausschließlich der Pfarrerin zu weihen . Jedes Wort , das diese sprach , war ihr werth ; stundenlang konnte sie ihr zuhören , wenn sie von der Kindheit ihres Sohnes erzählte , von den unzähligen Opfern , denen der Jüngling sich für sie unterzogen , von der immer gleichen Liebe , die der Mann ihr darbringe , und wie sie nichts sehnlicher wünsche , als den geliebten Sohn bald in Verhältnissen zu sehen , die es ihm möglich machten , an der Seite einer guten Frau das Glück zu finden , das Gott ihm gewiß gewähren müsse . Jede solche Erzählung diente nur dazu , Jenny ' s Liebe lebhafter anzufachen ; und je deutlicher das Bewußtsein derselben in ihr wurde , je bestimmter der Wunsch in ihr hervortrat , Reinhard anzugehören , um so unerträglicher mußten ihr die Bewerbungen Joseph ' s scheinen , die von den Wünschen ihrer Eltern unterstützt wurden . An einem der Abende , welche Jenny ' s Unterredung mit ihrer Mutter folgten , saßen Madame Meier , die Pfarrerin und Jenny in der Loge , welche ihr Vater für immer gemiethet hatte , um die berühmte Giovanolla zum ersten Male als Susanne im Figaro auftreten zu sehen . Der erste Act war vorüber , als Eduard mit Joseph und Hughes in der Loge erschien , den Letztern seiner Familie vorzustellen . Nach den ersten Worten flüchtiger Begrüßung fing man von der Oper , von der heutigen Aufführung , von der Sängerin , von dem Texte des Figaro , und endlich von Musik im Allgemeinen zu sprechen an . Eduard tadelte das abwechselnde Sprechen , und Singen in den Opern . Es muß Alles gesungen werden , sagte er , wenn es nicht einen