alle Tage mit Gott hadert über der Eltern langes Leben . Hier herrschte noch Liebe und herrschte die alte Sitte , daß die Kinder die Eltern ehrten , auf daß sie lange leben möchten in dem Lande , welches ihnen Gott gegeben . Wie es dem ergeht , dessen Haus verbrannt ist mit an dem , was es barg , so ging es auch Christen und Änneli . Zuerst füllt der Verlust die Seele , eine Art Betäubung herrscht , dann dämmern Gedanken durch die Betäubung , wie Lichtstrahlen durch den Nebel , es leuchtet die Notwendigkeit ein , etwas vorzukehren , den Schaden zu ersetzen , es flackert das Sinnen auf , wer den Verlust verschuldet . Christen hatte kein Haus aufzubauen , aber er begann nachzudenken , wie die fünftausend Pfund zu ersetzen wären . Und allemal , wenn eine Frau zum Hause schlich , loderte ihm der Gedanke auf : Die trägt wieder etwas fort , welches Geld gelten würde , und was will ich hausen und sparen , während auf der andern Seite fortgegeben wird alles , was nicht angenagelt ist ? Der gute Christen hatte es auch wie viele andere Leute ; was er nötig glaubte , das wollte er bei Andern anfangen , und hätte doch wissen sollen , daß wenn der Bauer mir seinen Leuten mähen will er vorausmäht und nicht hintendrein . Änneli kam es wieder in den Sinn , daß sie gewarnet habe , das Geld herauszugeben , daß sie Christen angeraten , noch jemand anderes zu Rate zu ziehen , daß sie den trügerischen Freund nie hätte leiden mögen , sondern vielfach ihren Verdacht geäußert . Sie begann daran zu sinnen , ob wohl die Zeit gekommen wäre , daß mit wenigern Leuten mehr gearbeitet würde . Und wenn sie durch den Stall ging und zwei oder drei Kühe sah wie Flühe , aber fast ohne Milch , so konnte sie sich nicht enthalten , zu rechnen , wie manche Dublone da zu machen wäre , wenn man sich zu rangieren wüßte . Das alles ging im Inwendigen vor , fast wie des Blitzes Schein fuhr es vorüber ; böse Worte gab man sich nicht , treulich beteten sie mit einander , und friedlich , wenn auch oft mit schweren Seufzern , schliefen sie ein . Aber ein alt Sprüchwort sagt : Der Teufel ist ein Schelm , und wenn er auch umhergeht wie ein brüllender Löwe , so schleicht er noch viel mehr herum in Gestalt von flüchtigen Gedanken , luftigen Nebeln gleich , und diese Gedanken streifen zuerst nur über eine Seele , dann schlagen sie sich allmählig nieder darin , haften , setzen sich fest . Dann steigen sie herauf in unsere Blicke , in unsere Gebärden , brechen endlich als Worte zum Munde heraus , und während wir glauben , wir reden aus dem göttlichsten Recht , ists der Teufel , der grimmig und lustig uns zum Munde aus flattert und dem Nächsten mit Klauen und Hörnern zu Leibe geht , bis auch aus dessen Munde ein Teufel fährt und eine Schlacht zwischen Beiden sich erhebt auf Kosten der Armen , in deren Seelen der Teufel sich hinabgelassen und aus deren Mund er wieder herausgefahren ist . Eines Tages wars , als ob einer wäre , der ersinnete , was sie böse machen könnte , und alles dieses herbeiführte und ihnen antäte . Es gibt solche Tage , wo eins hinter dem Andern kömmt wie eine Schneegans hinter der andern , wo das Ärgerliche nicht aufhören kann , bis die Galle überläuft und es Wetter gibt zwischen den Menschen . Als man in den Stall kam , war ein Pferd über die Halfter getreten und hatte sich übel verletzt , so daß man dasselbe des Morgens nicht brauchen konnte ; im Kuhstall fehlte auch etwas , und als man Flachssamen brauchen wollte , hatte die Mutter den letzten einer armen Frau gegeben , welcher Umschläge verordnet waren . In den Ställen vertrappeten die Leute ihre Zeit , so daß auf dem Felde nichts geschah , und während Andere schönes Emd einmachten , blieb das Ihre schön dem Regen zweg . Abends kam ein Berner Metzger , der Kühe suchte und von ihrem Stalle gar nicht fort wollte . Er meinte , es müßte erzwungen sein , zwei oder wenigstens eine feil zu machen , und bot Geld , daß man es fast nicht hätte nehmen dürfen . Es war eine Zeit , wo fette Kühe fast nicht zu erhalten waren , und die Metzger die größte Not hatten , denn obs Kühe gebe oder keine , darnach fragen die Stadtleute gar nicht , aber Fleisch wollen sie haben , und zwar je besser , desto lieber , ihretwegen kanns der Metzger von Zaunstecken schneiden oder aus Kabisstorzen . Aber Christen tubakete ganz gelassen an seiner Pfeife und sagte dem Metzger : » Du hasts schon manchmal gehört , ich gebe sie nicht . Um was so ein Berner Metzgerli sie vermag zu kaufen , um das vermag ich sie auch zu behalten . « Alle Einreden des Metzgers , daß andere Kühe für ihn weit nützlicher wären , daß er an drei Kühen wenigstens sechzig Kronen zwischenaus machen würde , gingen in den Wind . Änneli hörte dem Märten mit ungeduldigem Herzen zu , ging oft aus und ein und konnte sich nicht enthalten , zu dem Metzger zu sagen : Es dünke sie , er wäre nicht der Uwatligist , und wenn sie mit einem handeln wollte , so wäre er nicht der Letzte . Das war ein Stich , der bei Christen Fleisch faßte , aber er sagte nichts darauf , sondern nur zum Metzger : » Du hast gehört , was ich will , und jetzt wollte ich mich nicht länger säumen , wenn ich dich wäre . Wenn du heute noch etwas anderes finden willst , so hast du deine Zeit zu brauchen . « Bald darauf kam eine arme alte Frau