Zeit gönnen , an was anders zu denken als im schwebenden Lauf auszuharren . Und was habe ich auch am Ende von allen andern ? - Du kannst Dir das selbst wohl beantworten und Deiner Seele darüber den höchsten Frieden gönnen . - Schreibe , wenn Du antwortest , auch einen Brief für den Clemens , er mahnt in seinem Schreiben an mich darum , es wird ihm sehr überraschend sein , wenn er Deinen Aufenthalt im Schlangenbad erfährt . Adieu ! schreib bald . Karoline Beilage zum Brief der Günderode Wandel und Treue Violetta Ja , du bist treulos ! Laß mich von dir eilen ; Gleich Fäden kannst du die Empfindung teilen . Wen liebst du denn ? Und wem gehörst du an ? Narziß Es hat Natur mich also lieben lehren : Dem Schönen werd ich immer angehören , Und nimmer weich ich von der Schönheit Bahn . Violetta So ist dein Lieben wie dein Leben , wandern ! Von einem Schönen eilest du zum andern , Berauschest dich in seinem Taumelkelch , Bis Neues schöner dir entgegenwinket - Narziß In höh ' rem Reiz Betrachtung dann versinket Wie Bienenlippen in der Blume Kelch . Violetta Und traurig wird die Blume dann vergehen , Muß sie sich so von dir verlassen sehen ! Narziß O nein ! Es hat die Sonne sie geküßt . Die Sonne sank , und Abendnebel tauen . Kann sie die Strahlende nicht mehr erschauen , Wird ihre Nacht durch Sternenschein versüßt . Sah sie den Tag nicht oft im Ost verglühen ? Sah sie die Nacht nicht tränend still entfliehen ? Und Tag und Nacht sind schöner doch als ich . Doch flieht ein Tag , ein andrer kehret wieder ; Stirbt eine Nacht , sinkt eine neue nieder , Denn Tröstung gab Natur in jedem Schönen sich . Violetta Was ist denn Liebe , hat sie kein Bestehen ? Narziß Die Liebe will nur wandlen , nicht vergehen ; Betrachten will sie alles Treffliche . Hat sie dies Licht in einem Bild erkennet , Eilt sie zu andern , wo es schöner brennet , Erjagen will sie das Vortreffliche ! Violetta So will ich deine Lieb als Gast empfangen ; Da sie entfliehet wie ein satt Verlangen , Vergönnt mein Herz ihr keine Heimat mehr . Narziß O sieh den Frühling ! Gleicht er nicht der Liebe ? Er lächelt wonnig , freundlich , und das trübe Gewölk des Winters , niemand schaut es mehr ! Er ist nicht Gast , er herrscht in allen Dingen , Er küßt sie alle , und ein neues Ringen Und Regen wird in allen Wesen wach . Und dennoch reißt er sich aus Tellas Armen , Auch andre Zonen soll sein Hauch erwärmen , Auch andern bringt er neuen , schönen Tag . Violetta Hast du die heil ' ge Treue nie gekennet ? Narziß Mir ist nicht Treue , was ihr also nennet , Mir ist nicht treulos , was euch treulos ist ! - Wer den Moment des höchsten Lebens teilet , Vergessend nicht , in Liebe selig weilet ; Beurteilt noch und noch berechnend mißt ; Den nenn ich treulos , - ihm ist nicht zu trauen , Sein kalt Bewußtsein wird dich klar durchschauen Und deines Selbstvergessens Richter sein . Doch ich bin treu ! Erfüllt vom Gegenstande , Dem ich mich gebe in der Liebe Bande , Wird alles , wird mein ganzes Wesen sein . Violetta Gibt ' s keine Liebe denn , die dich bezwinge ? Narziß Ich liebe Menschen nicht und nicht die Dinge , Ihr Schönes nur , - und bin mir so getreu . Ja , Untreu an mir selbst wär andre Treue , Bereitete mir Unmut , Zwist und Reue , Mir bleibt nur so die Neigung immer frei . Die Harmonie der inneren Gestalten Zerstören nie die ordnenden Gewalten , Die für Verderbnis nur die Not erfand . - Drum laß mich , wie mich der Moment geboren . In ew ' gen Kreisen drehen sich die Horen ; Die Sterne wandeln ohne festen Stand , Der Bach enteilt der Quelle , kehrt nicht wieder , Des Lebens Strom , er woget auf und nieder Und reißet mich in seinen Wirbeln fort . Sieh alles Leben ! Es hat kein Bestehen , Es ist ein ew ' ges Wandern , Kommen , Gehen , Lebend ' ger Wandel ! buntes , reges Streben ! O Strom ! in dich ergießt sich all mein Leben ! Dir stürz ich zu ! Vergesse Land und Port ! An die Günderode Den ersten Tag , als wir ankamen , war ' s so heiß , daß es mehr wie unerträglich war ; wir warfen unsere Nankingreisejacken aus und legten uns in den Unterkleidern , in Hemdsärmeln , auf den Gang vor unserer Zimmertür ins Fenster , von da kann man , versteckt hinter Bäumen , auf eine Terrasse sehen , wo sich die Gesellschaft zum Tee bei der Kurprinzessin von Hessen versammelt , die grade unter uns wohnt . Das machte mir Spaß , man konnte manches verstehen , und ein Wort aus der Ferne , wenn ' s auch an sich unbedeutend ist , ist immer anregend wie eine Komödie . Doch hat das Vergnügen dran nicht lang gedauert ; ein krebsroter Kammerherr , der mir im Anfang Vergnügen machte zu sehen , wie er hin und wieder lief und den Frauen allerlei in die Ohren zischelte , und dann ein Herzog von Gotha mit langen Beinen , rotem Haar und sehr melancholischen Gesichtszügen und ein großes weißes Windspiel zwischen den Knien , der trägt einen leberfarbnen Rock ; dann viele Damen mit überflüssigem Putz , die Hauben aufhatten , als wär ' s die Flotte von Nelson mit aufgeschwellten Segeln , und dann französische Schiffe , wenn so zwei miteinander parlierten , das war grad , als ob einzelne Schiffe handgemein würden , bald brüstete sich das Schiff , dann thronte es wieder