zum folgenden Tage bleiben wollte , da würden sie Dünnbier von Zahne holen , sagten sie . Es roch abscheulich in der Stube , aber auf Reinlichkeit hielten sie doch , denn eine Magd im Negligé mit fliegendem Haar wischte gehörig den langen Tisch ab , und nachher mit demselben Tuche die irdenen Teller . Eine Anzahl von Fliegen summte in der Stube , und die schlug ein höhnischer , blasser , verdrossen-schläfriger Mensch tot , derselbe eben , an den ich mich nachmals immer bei den Tillen erinnerte . Er trug eine Nachtmütze schief überm Ohr , den tönernen Stummel hatte er im Munde , in herabgetretenen Pantoffeln schlorrte er auf und nieder . So oft er eine Fliege mit der Klatsche erlegt hatte , verzog er die schlaffen Lippen zu einem unangenehmen Lächeln und machte einen Spaß über die tote Fliege . Man konnte sich darauf verlassen , auf jede tote Fliege kam ein Spaß ; ich habe sie aber sämtlich vergessen . Die Magd lachte nicht darüber , ich konnte auch nicht darüber lachen . Sie sagte mir , als ich mich nach ihm erkundigte , er sei der jüngere Bruder des Krugwirtes und habe nicht gut tun wollen , deshalb müsse er jetzt das Gnadenbrot essen . Seine einzige Beschäftigung sei , sich über die Fliegen aufzuhalten , die er totgeschlagen habe . Der Till also ging dem Hirsewenzel , wie gesagt , auf , als er die sechs Zöpfe der Gebrüder Piepmeyer einflechten wollte . Halt , dachte er , hier kannst du sofort für diesen komischen Heros die Studien nach dem Leben machen . Laß uns eine Verwickelung bilden , die an grenzenloser Lustigkeit und kühner Laune alles hinter sich läßt , was Shakespeare , Holberg und Molière ersonnen haben . Ich werde die Zöpfe der Piepmeyers unentwirrbar zusammenflechten , und wenn sie dann aufstehn , und nicht voneinander können , und bei dem Ziehen und Zerren unter Schmerzen Gesichter schneiden , o welche Fülle von komischen Anschauungen werde ich dann haben , ich sehe schon ganze Dutzende von Tilliaden fertig . Gesagt , getan ; er flocht Peter mit Romeo , Romeo mit Christian , Christian mit Guido , Guido mit Ferdinand , Ferdinand mit Heinrich , Heinrich mit Karl zusammen , so daß vier Piepmeyers , ein jeder doppelseitig , linker und rechter Flügel aber einseitig gefesselt waren . Als Isidor sein Werk vollbracht hatte , steckte er sich hinter den Wachtofen , um die Wirkung dieser Intrige zu beobachten . Ruhig schliefen die Opfer Hirsewenzelscher Komik , träumten von Brot und Fleisch und doppeltem Traktament und hatten kein Arg . Als nun der Tag höher zu steigen begann , und die Strahlen der Sonne den Ordensstern an der Bildsäule Landgraf Friedrichs des Zweiten auf dem Platze vor dem Schlosse vergoldeten , mit einem Worte , als es sechs geschlagen hatte , trat der Feldwebel zu der Piepmeyerschen Pritschabteilung , um die Farbenstriche über den Nasen der Brüder aus seinem Vorrate zu erneuen , denn die ganze Strenge des Dienstes sollte nun bald wieder beginnen . Als er indessen einen Blick über die Pritsche hinaus in ihr Jenseits tat , und die seltsame Verflechtung der brüderlichen Hinterhaupthaare wahrnahm , da entsank ihm vor Erstaunen der aufgehobene Malerpinsel und er starrte die Erscheinung einige Sekunden lang lautlos an . In der Tat war diese auch verwunderlich genug anzuschaun ; Piepmeyers sahen von hinten aus wie ein kurhessischer Garderattenkönig . Indessen kommt ein Feldwebel immer bald wieder zu sich selber . Auch der unsrige gewann nach kurzer Ratlosigkeit seine ganze Fassung sich zurück , und fuhr die Verbündeten mit den wackern Worten an : Kerls ! Euch soll ja ein Kreuzsternschockmilliondonnerwetter sechstausend Klafter tief unter den Winterkasten in die Erde schlagen ! Von diesem biedern Zurufe des tüchtigen Manns fuhren Piepmeyers gleichzeitig aus dem Schlummer auf , und wollten sich gleichzeitig erheben . Da ihnen aber dies Schmerzen verursachte , so sanken sie zurück , tasteten gleichzeitig nach ihren Zöpfen , entdeckten die Ursache der Schmerzen und sagten gleichzeitig wie aus einem Munde , kalten Blutes : Herr Feldwebel , es muß sich , derweil wir schliefen , ein dummer Junge in die Wacht geschlichen und einen Jux mit uns verübt haben . - Auf Ehre , so ist es , sprach der Fähnrich von Zinzerling , der herzugetreten war . Feldwebel , machen Sie den einen Mann los , und der kann wieder seinen Brüdern helfen . Wo bleibt der Schelm , der Hirsewenzel ? - Der Feldwebel löste Karl Piepmeyer von Heinrich Piepmeyer ab , Karl trennte demnächst Heinrich von Ferdinand , Heinrich schied Ferdinand von Guido , Ferdinand dismembrierte Guido und Christian , Guido setzte Christian mit Romeo auseinander , Christian endlich stellte den Dualismus zwischen Romeo und Peter her . Nachdem die sechs Brüder solchergestalt wieder in das Fürsichsein getreten waren , vollendeten sie ihre reale Existenz durch wechselseitige Herstellung von sechs schlechthin gesonderten Zopfindividualitäten . Hiemit hatte das Ereignis seinen Kreis absolut mit Inhalt erfüllt , war der Begriff des Vorfalls zum Von-Sich-Wissen gekommen , oder deutlicher zu reden , das Ding hatte nun ein Ende . Denn dem Feldwebel , welcher sich an den Fähnrich mit der Frage , ob der Vorfall gemeldet werden solle ? wendete , erwiderte von Zinzerling gedankenvoll : Nein ! Wir leben in bewegten Zeiten , und wollen die Gärung nicht fortleiten . Der dient den Königen nicht , der ihrem Argwohn dient . Die Sache bleibt ungemeldet , und ich nehme die Verantwortung auf mich . Wie Hirsewenzel unbemerkt hinter dem Ofen entkommen , ist Wachtgeheimnis geblieben . « Fünfzehntes Kapitel Zwei Zuhörer sind in ihren Erwartungen so getäuscht , wie die Leser , der dritte Zuhörer fühlt sich dagegen höchst befriedigt . Der Freiherr teilt einige dürftige Familiennachrichten mit Der Schulmeister Agesilaus hatte schon während des letzten Teils dieser Erzählung deutliche Zeichen hergestellter Zufriedenheit von sich gegeben . Vergnügt hatte er seine Hände gerieben , sich auf dem Stuhle hin und