, fuhr der Magister fort , » können sich nicht zusammen vertragen , jedes davon ist schon geeignet , den Menschen zu berauschen ; und so billig , ja liebevoll wir gegen den Rausch der erhobenen Seele und des Mitleids oder Enthusiasmi sind , so hart urteilen wir vom Zorn- oder Weinrausch , und meinen , daß der Mensch darinne zum Tiere hinabsteige ; doch sind je zuweilen die Zustände so konfundiert , daß , wenn das kalte Bewußtsein einmal in die Hinterhand geraten , man beim Blindekuh nicht wissen könnte , ob man beim Zutappen Vieh oder Engel aus unsereinem herausgreifen würde . « Krummschuh sagte hierauf : » Ein Vieh , Herr Magister , wird der Mensch nur , wenn er sich täglich um seinen Verstand säuft , sonst aber tut man unrecht , viel aus einem Rausch zu machen , was auch unsre Vorfahren wohl einsahen ; wer gar nichts von Wein versteht und noch niemals berauscht gewesen ist , ist kein deutscher Mann ; wer in seinem Leben noch nie ein Narr gewesen ist , ist gewiß auch noch nicht gescheit . « » Desipere in loco « , sagte der Magister , » doch nein , fort mit dieser Torheit , da sie nicht an ihrer Stelle ist , ich wollte sagen : zu passenden Zeiten der Torheit nachgeben , ist eines Weisen nicht unwürdig . « Der Baron trat unvermutet in die Gesellschaft , alle erhoben sich , der Magister verbeugte sich tief ; doch Elsheim sagte : » Ich muß recht sehr bitten , sich nicht stören zu lassen . « Er setzte sich ohne Umstände mit an den runden Tisch zwischen Krummschuh und Friederiken , an die er sich sehr freundlich wandte : » Sie werden mir böse sein , schöne liebenswürdige Frau , daß ich Ihnen Ihren Mann auf einige Wochen entführe . « - » Gewiß nicht « , erwiderte sie ebenso zuvorkommend , » denn wenn ich es weiß , daß es meinem Leonhard Vergnügen macht , wie könnt ich anders als Zufriedenheit darüber empfinden . « » Ihr Wohlsein ! « indem er anstieß und trank ; » gewiß ich preise meinen Freund glücklich , eine so heitere , sanfte und liebenswürdige Gefährtin gefunden zu haben ! « » Herr Baron « , sagte sie , » machen Sie in unserm kleinen Zirkel Ihr Talent zu schmeicheln nicht geltend , und glauben Sie meinem offenen Geständnis , daß ich mich täglich bestrebe , meines Leonhard werter zu werden , denn er ist besser , verständiger und liebenswürdiger als ich « . » Nicht also « , fiel der Magister ein , » man soll sich selbst nicht rühmen , aber ebensowenig erniedrigen , und Sie müssen keine Unwahrheit sagen , schönste Madam ; der Halbblinde fühlt , daß Sie schön sind , der Gefühllose begreift , daß Sie liebenswürdig sind , und die beiden Eheleute sind gut , redlich und dem Herrn wohlgefällig . « Beide Eheleute waren rot geworden . » Sie haben recht , Herr Magister « , sagte der Baron , » und dieser jugendliche Eifer macht Ihnen Ehre ; es ist , als wenn Sie für die Dame Ihres Herzens den Handschuh hinwerfen wollten . « Bei diesen Worten wurde der Magister bis in die Schläfen rot , er hustete , er wollte antworten und verwirrte sich ; » ich habe niemals « , sagte er endlich , » niemals eine Herzensdame gehabt . Mit jener Geschichte in Jessen hatte es eine andere Bewandtnis . « » Ei ! ei ! « sagte Krummschuh , » so muß man nicht sprechen , das ist dieselbe Sache , wie mit dem Rausch , einmal muß jeder Mann einen Schatz gehabt haben , einmal wenigstens muß jeder redliche Mensch verliebt gewesen sein , sonst kömmt er bei grauen Haaren in die Schlingen des bösen Geistes . Ja , Frau Leonhard , Ihr lieber guter Mann könnte , glaub ich , darüber mitsprechen , der ist damals wohl in allerhand Versuchungen gewesen , denn Weiber und Mädchen waren ihm immer gewogen . « » Stille von solchen Geschichten « , sagte der Baron : » das heißt ja nur unsere liebe Wirtin ohne Not eifersüchtig machen . Sie scheinen das menschliche Herz wenig zu kennen , Meister . « » Darüber kann ich nicht eifersüchtig sein « , sagte Friederike , » Leonhard hat mich früh gekannt , ebenso ich ihn , er hat mich frei gewählt und andern vorgezogen , auch möchte ich keinen Mann haben , den mir nicht hie und da eine beneidete , und der nicht sonst schon einmal andern hübschen Mädchen gefallen hätte . « » Nun dann sind Sie ja gerade an den Rechten gekommen « , rief der kleine Dicke , » denn ich sage Ihnen , er hat Nachstellungen gehabt , daß man eine Geschichte davon machen könnte , und wenn er nicht so halsstarrig gewesen wäre , wer weiß , wer weiß - « Leonhard schien verlegen , und Elsheim unterbrach den Schwatzenden , indem er sich an den Magister wandte . » Sie sagten vorher , werter Herr Magister , die Geschichte mit Jessen habe eine ganz andere Beschaffenheit . Was ist das für eine Geschichte ? Sie haben also wirklich niemals geliebt ? « » Nein , mein hochverehrter Herr Baron « , antwortete der Magister , » das kann ich wohl vor jedem Gericht mit einem teuern Eide erhärten , denn immer war mir aes triplex circa pectus , und ein sonderbares Geschick hat mich stets vor diesen Leiden und Verwirrungen bewahrt ; obgleich man aus einem Verhältnisse , das sich in meinen Studierjahren in Jessen angesponnen hatte , mir ein Liebesaventure hat andichten wollen . « » Und wollten Sie uns nicht vielleicht gefälligst diese Erzählung mitteilen ? « fragte der junge Edelmann , indem er die Hand des alten Mannes nahm . » Wenn es nur Ihnen und meinen werten Freunden nicht beschwerlich