können . Buckingham kam stolzer zurück , als er gegangen war . Der Prinz schien ihn nie zu sehn , doch vermied er mit fast ängstlicher Sorge jede Störung des Friedens ; auch dies konnte man kaum vom Herzoge sagen , und die größte Mäßigung des Prinzen mußte oft sich den Anmaßungen Buckinghams entgegenstellen , um den äußeren Anstand zu behaupten , den der Prinz von sich und seinen Anhängern forderte . Erst nach Verlauf mehrerer Jahre , als dem nunmehrigen Herzog von Nottingham , der ein Jahr früher seinen Vater verloren hatte , das dritte Kind , nach zweien Söhnen die erste Tochter , geboren ward , sah Carl seinen Freund in Godwie-Castle wieder . Die Trennung hatte beide nicht entfremdet , sie blieben in stetem Briefwechsel , und es war um so auffallender , daß der Prinz erst so spät den Wunsch seines Freundes , ihn in Godwie-Castle zu besuchen , erfüllt hatte . Die Herzogin hatte stets unter einer Art von Ehrerbietung die Kälte verborgen , mit der sie das Verhältniß des Prinzen zu ihrem Gemahl erfüllte . Sie hatte sich beleidigt gefühlt durch die Art , wie der Prinz sich bei ihrer Vermählung betragen hatte , und die sie für Mißbilligung der Wahl ihres Gemahls nahm , was ihr stolzes Herz nicht glaubte vergessen zu dürfen . Aber der Augenblick , den der Prinz erwählt , sie wiederzusehen , war ein sehr glücklicher . Eine Tochter ruhte an ihrem Herzen , und rief alle Milde und Güte desselben ins Leben . Sie trat dem Prinzen mit ihren beiden schönen Knaben entgegen , eine Dienerin trug das holde Mägdlein ihr nach ; ihre Augen strahlten von Glück und Freude , sie wollte sich dem Prinzen so glänzend zeigen , als sie konnte ; nie war über ihre fast unveränderte Schönheit ein höherer Reiz verbreitet gewesen . Der Prinz betrachtete sie fast mit Erstaunen , und was er ihr dann sagte , trug den Ausdruck einer Huldigung und Freude , wogegen die stolze Frau nicht gleichgültig blieb . Doch von ihr weg eilte er , noch ein Mal den Herzog zu umarmen , und mit Thränen in den Augen rief er : Dem Himmel sei Dank , Du bist glücklich ! Dies war der Herzog wirklich geworden , und hatte es eben so sehr seinen eigenen Tugenden , als denen seiner Gemahlin zu danken . Die leidenschaftliche Liebe , welche sie hinzufügte , ward auch von ihm herzlich erwiedert . Von dieser Zeit sahen sich der Prinz und der Herzog öfter , doch selten in Godwie-Castle . Der Prinz bestimmte dem Herzog irgend eines von den vertheilt liegenden königlichen Schlössern , wo sie stets mehrere Tage ohne alles Gefolge mit einander blieben . Wir übergehen hier eine Reihe von Jahren , die nur eine stille Vorbereitung der Epoche sind , über welche wir unsere Mittheilungen zu machen haben , und indem wir uns zu dem Frühlingsabende zurück wenden , der mit seiner schönen Beleuchtung die anmuthige Gegend von Godwie-Castle so wunderbar verklärte , betrachten wir das bis hieher Gesagte als den Hintergrund der folgenden Erzählung , als die nothwendige Erwähnung von Familienverhältnissen , in die wir uns leichter auf diese Weise zu finden wissen werden . Wie schön auch Natur und Kunst den Raum geschmückt hatten , wie sehr er zum Glück und zu allen Genüssen des Lebens einzuladen schien , die Menschengestalten in dieser fröhlichen Außenwelt entsprachen solcher Hoffnung für den Augenblick nicht . Eine Dame in der tiefsten Wittwen-Trauer der höheren Stände , von zweien Pagen in ehrerbietigster Ferne begleitet , die durch ihre schwarzen Kleider und wehenden Schulterblätter , welche die Farben des Hauses Nottingham , die Trauer über einen diese Familie betroffenen Verlust anzeigten , schritt langsam einher an dem Rande der großen Schloßterrasse . Wer hätte in der gebeugten Gestalt der Trauernden die einst so glänzende Gräfin von Bristol erkannt ? Ihr Auge ruhete am Boden , und die Welt schien ihr versunken ; ihr Gesicht blickte aus den tiefen schwarzen Verhüllungen mit der Bleiche des Marmors , und obgleich noch immer ihre Gestalt sich in einer besonderen Würde zeigte , ruhte doch ihr Kopf gebeugt auf dem tief athmenden Busen , und sie erhob ihn nur , um die schwermüthigen Blicke nach den großen Hallen des Schlosses zu wenden , die durch ihre goldenen Gitter die schwarz verkleideten Wände sehen ließen , und das trübe Licht der hohen Kerzen , die den Katafalk umgaben , der zunächst der Kapelle in der letzten Fürstenhalle errichtet war . Ein Katafalk , ohne die geliebte Leiche in sich zu fassen ! Welch ' ein Schmerz für das Herz der zärtlichen Gattin , der es nicht vergönnt ward , die freundlichen Augen zuzudrücken , die ihrem Leben geleuchtet . Der Herzog war in Spanien gestorben , wohin er sich mit seinem ältesten Sohne begeben hatte , und wo damals sein Schwiegervater , der Graf von Bristol , um eine spanische Infantin für den Prinzen von Wales unterhandelte . Die Kunde seines Todes hatte die Herzogin schon vor einem Monat erreicht , und heute erwartete sie den geliebten Sohn und die theure Leiche , welche nur langsam den weiten Weg zurück zu legen vermochten . Mit welcher Empfindung , mit welcher Sehnsucht sah die unglückliche Gattin diesem Moment entgegen , welcher der letzte Trost ihres gebeugten Herzens schien . Jeder andre , den die starke und fromme Frau finden zu müssen schien , war zurückgedrängt von dem zehrenden Verlangen , seine letzten Ueberreste zu besitzen . Ja , sie schien gar nichts früher von sich zu fordern und blieb jedem Worte verschlossen . Darum richtete sie so oft die thränenlosen Augen nach dem Schlosse , weil sie jeden Augenblick hoffte , die mit Trauergestalten angefüllten Hallen würden sich öffnen und ihr den ersehnten Anblick zeigen . Noch ein Wesen folgte ungestört und so nah , daß es ihre Gewänder berührte , der trauernden Witwe ; es war Gaston , der Lieblingshund und treue Begleiter des Herzogs ,