die Rede eines Wilden , und er sah den Arzt mit Erstaunen an , der so unbefangen behauptet hatte , dies sei so gutes Französisch , als nur immer er , der Pariser , zu sprechen vermöge . Nun machen Sie , alter Mann , gehen Sie zu Bett , wiederholte der Arzt , Sie müssen durchaus einige Stunden schlafen , sonst werden Sie krank , und dann fallen Sie in meine Hände . Diese letzte Aeußerung schien in der That Eindruck auf den Haushofmeister zu machen , denn er wollte sich stillschweigend mit einer Verbeugung aus dem Zimmer entfernen , der Pfarrer aber trat ihm in den Weg und ersuchte ihn , doch sogleich einen Boten zu schicken und den Kreisarzt aus dem nächsten Städtchen holen zu lassen ; das hätten wir gleich gestern thun sollen , bemerkte er , es wurde aber in der Unruhe vergessen ; es ist nöthig , daß er den Kranken sieht , der Herr Graf könnte sonst Ungelegenheiten haben . Dübois entfernte sich , um diesen Auftrag zu besorgen und sich dann zur Ruhe zu begeben . Der Arzt wartete auf das Erwachen des Kranken , und der Pfarrer fing an , den Bericht an die Regierung über ihn aufzusetzen . Diese Gesellschaft wurde nach einigen Stunden durch den Kreisarzt vermehrt . Der Kranke erwachte , seine Wunden wurden von allen Dreien gemeinschaftlich untersucht und verbunden , und auf einige Fragen , die er thun wollte , wurde er von Allen gemeinschaftlich bedeutet , daß er in guten Händen sei , aber sich fürs Erste alles Sprechens enthalten müsse , wenn er sein Leben erhalten wolle . Die größte Ermattung des Verwundeten machte , daß er sich geduldig in Alles fügte , was über ihn beschlossen wurde , und die fremden Menschen , die ihn umgaben , mit ruhigem Erstaunen betrachtete . Nach acht Uhr vermehrte der Graf die Gesellschaft ; man hatte ihm die Gegenwart des fremden Arztes gemeldet ; er begrüßte ihn höflich und erkundigte sich mit vieler Theilnahme nach dem Verwundeten . Nachdem ihm die Aerzte und der Pfarrer berichtet hatten , was sich nach der ruhigen Nacht , die der Kranke gehabt hatte , Gutes hoffen ließe , näherte sich der Graf dem Bette desselben . Der junge Mann richtete seine großen dunkeln Augen auf den Grafen und schien ihn als den Herren des Hauses zu erkennen , denn er versuchte es sich empor zu richten . Der Pfarrer aber und der Doktor Lindbrecht , so war der Name des Hausarztes , riefen ihm zugleich zu : er solle alle Anstrengungen unterlassen . Der Graf , der sich neben seinem Lager nieder ließ , bat ihn , indem er seine Hand faßte , ruhig zu bleiben und nicht selbst durch unnöthige Anstrengungen seine Herstellung zu verzögern . Ein schwacher , kaum merklicher Druck der Hand , womit der seinige erwiedert wurde , zeigte dem Grafen , daß ihn der Kranke verstand . Er gab ihm nun selbst Nachricht , wo er sich jetzt befände , und bat ihn , sein Haus so zu betrachten , als ob er im Hause seines Vaters wäre , und alle Hülfe und Dienste , die man ihm gerne leisten wolle , so ruhig anzunehmen , als ob er sie von seinen nächsten Angehörigen empfinge . Trotz seiner großen Schwäche richtete der Kranke einen so rührend dankbaren Blick auf den Grafen , daß dieser sich wunderbar erweicht fühlte . Es war ihm , als ob aus den dunkeln Augen des Kranken ein theurer , geliebter Freund zu ihm aufblickte , auf dessen Namen er sich nur nicht gleich besinnen könne . Er betrachtete nachdenkend das schöne , edle , obwohl durch Krankheit entstellte Gesicht des jungen Mannes , die dunkeln Haare , die sich in weichen Locken um die hohe , kühne Stirn legten , den wohlgeformten Mund ; Alles dünkte ihm so bekannt , und doch konnte seine Seele das Bild nicht finden , dem dieser Jüngling glich . Nach einigen Augenblicken bemerkte der Graf , daß unwillkührlich alle im Zimmer Anwesenden ihm nachahmten und den Verwundeten eben so ernsthaft betrachteten , wie er selbst , welches den jungen Mann zu quälen schien . Er wandte sich also an den Pfarrer mit der Bitte , ob er ihm nun behülflich sein wolle , den nöthigen Bericht an die Regierung abzufassen . Ich glaube , sagte der Pfarrer , es wird weiter nichts nöthig sein , als , was ich hier aufgesezt habe , zu unterschreiben . Mit diesen Worten reichte er dem Grafen den fertigen Aufsatz hin , der ihn durchlas und sich nicht enthalten konnte , innerlich zu bemerken , daß der Pfarrer wohl nicht in der bürgerlichen Welt auf seiner rechten Stelle stehe , und dadurch ein vortrefflicher Jurist verloren gegangen sei . Es herrschte eine Genauigkeit in diesem Aufsatze , die jedem möglichen Verdruß in der Zukunft vorbeugte , und diese Genauigkeit war mit einer bewundernswürdigen Kürze und Deutlichkeit verbunden . Die Uniform des Verwundeten war beschrieben , wodurch die Gerichte , wenn ihnen daran gelegen war , ausmitteln konnten , zu welchem feindlichen Regiment er gehöre . Die Zeugnisse der Aerzte waren diesem Bericht beigelegt , und der Graf hatte in der That nichts weiter nöthig , als seine Unterschrift hinzuzufügen . Mit großem Vergnügen bemerkte der Graf die Brauchbarkeit des Pfarrers , und der Gedanke ging schnell durch seine Seele , ob er sich nicht an ihn in manchen Angelegenheiten wenden sollte , die er ungern gerichtlich betreiben wollte , und wo sich ihm vielleicht in der Person des Pfarrers unvermuthet ein guter Unterhändler darbot . Nur die vorschnelle Art desselben , sich in alle Gespräche zu mischen , die unbescheidene Zudringlichkeit , womit er sich über Dinge zu fragen erlaubte , die man nicht beantworten wollte , machte den Grafen irre , und er fürchtete , ein unbescheidener Frager möchte nicht mit Bescheidenheit schweigen können . Indem der Graf dieß dachte , ruhten seine Augen forschend auf