dieses Werk hätte ungeheures Aufsehen machen können . Dann , in allen Sätteln gerecht , schrieb ich ein politisches Werk unter dem Titel : » Über Mausefallen und deren Einfluß auf Gesinnung und Tatkraft der Katzheit « ; hierauf fühlt ' ich mich begeistert zu der Tragödie : » Rattenkönig Kawdallor « . Auch diese Tragödie hätte auf allen nur erdenklichen Theatern unzähligemal mit dem lärmendsten Beifall gegeben werden können . Den Reihen meiner sämtlichen Werke sollen diese Erzeugnisse meines hoch emporstrebenden Geistes eröffnen , über den Anlaß , sie zu schreiben , werde ich mich gehörigen Orts auslassen können . Als ich die Feder besser zu halten gelernt , als das Pfötchen rein blieb von Tinte , wurde auch freilich mein Stil anmutiger , lieblicher , heller , ich legte mich ganz vorzüglich auf Musenalmanache , schrieb verschiedene freundliche Schriften und wurde übrigens sehr bald der liebenswürdige gemütliche Mann , der ich noch heute bin . Beinahe hätte ich schon damals ein Heldengedicht gemacht in vierundzwanzig Gesängen , doch als ich fertig , war es etwas anderes worden , wofür Tasso und Ariost noch im Grabe dem Himmel danken können . Sprang wirklich ein Heldengedicht unter meinen Klauen hervor , beide hätte kein Mensch mehr gelesen . Ich komme jetzt auf die - ( Mak . Bl . ) - zum bessern Verständnis doch nötig sein , dir , geneigter Leser , das ganze Verhältnis der Dinge klar und deutlich auseinander zu setzen . Jeder , der nur ein einziges Mal im Gasthofe des anmutigen Landstädtchens Sieghartsweiler abgestiegen ist , hat sogleich von dem Fürsten Irenäus reden gehört . Bestellte er nämlich bei dem Wirt nur ein Gericht Forellen , die in der Gegend vorzüglich , so erwiderte derselbe gewiß : » Sie haben recht , mein Herr ! unser gnädigster Fürst essen auch dergleichen ungemein gern , und ich vermag die angenehmen Fische gerade so zu bereiten , wie es bei Hofe üblich . « Aus den neuesten Geographien , Landkarten , statistischen Nachrichten wußte der unterrichtete Reisende aber nichts anders , als daß das Städtchen Sieghartsweiler samt dem Geierstein und der ganzen Umgebung längst dem Großherzogtum , das er soeben durchreiset , einverleibet worden ; nicht wenig mußte es ihn daher verwundern , hier einen gnädigsten Herrn Fürsten und einen Hof zu finden . Die Sache hatte aber folgenden Zusammenhang . Fürst Irenäus regierte sonst wirklich ein artiges Ländchen nicht fern von Sieghartsweiler , und da er mittelst eines guten Dollonds von dem Belvedere seines Schlosses im Residenzmarktflecken seine sämtlichen Staaten zu übersehen vermochte , so konnt ' es nicht fehlen , daß er das Wohl und Weh seines Landes , das Glück der geliebten Untertanen stets im Auge behielt . Er konnte in jeder Minute wissen , wie Peters Weizen in dem entferntesten Bereich des Landes stand , und ebensogut beobachten , ob Hans und Kunz ihre Weinberge gut und fleißig besorgten . Man sagt , Fürst Irenäus habe sein Ländchen auf einem Spaziergange über die Grenze aus der Tasche verloren , so viel ist aber gewiß , daß in einer neuen , mit mehrern Zusätzen versehenen Ausgabe jenes Großherzogtums das Ländchen des Fürsten Irenäus einfoliiert und einregistriert war . Man überhob ihn der Mühe des Regierens , indem man ihm aus den Revenüen des Landes , das er besessen , eine ziemlich reichliche Apanage aussetzte , die er eben in dem anmutigen Sieghartsweiler verzehren sollte . Außer jenem Ländchen besaß Fürst Irenäus noch ein ansehnliches bares Vermögen , das ihm unverkürzt blieb , und so sah er sich aus dem Stande eines kleinen Regenten plötzlich versetzt in den Stand eines ansehnlichen Privatmannes , der zwanglos nach freier Willkür sich das Leben gestalten konnte , wie er wollte . Fürst Irenäus hatte den Ruf eines feingebildeten Herrn , der empfänglich für Wissenschaft und Kunst . Kam nun noch hinzu , daß er oft die lästige Bürde der Regentschaft schmerzlich gefühlt , ja , ging auch schon einmal von ihm die Rede , daß er den romanhaften Wunsch , in einem kleinen Hause , an einem murmelnden Bach , mit einigem Hausvieh ein einsames idyllisches Leben procul negotiis zu führen , in anmutige Verse gebracht , so hätte man denken sollen , daß er nun , den regierenden Herrn vergessend , sich einrichten werde mit dem gemütlichen Hausbedarf , wie es in der Macht steht des reichen unabhängigen Privatmannes . Dem war aber ganz und gar nicht so ! Es mag wohl sein , daß die Liebe der großen Herren zur Kunst und Wissenschaft nur als ein integrierender Teil des eigentlichen Hoflebens anzusehen ist . Der Anstand erfordert es , Gemälde zu besitzen und Musik zu hören , und übel würde es sein , wenn der Hofbuchbinder feiern und nicht die neueste Literatur fortwährend in Gold und Leder kleiden sollte . Ist aber jene Liebe ein integrierender Teil des Hoflebens selbst , so muß sie mit diesem zugleich untergehen und kann nicht als etwas für sich Fortbestehendes Trost gewähren für den verlornen Thron oder das kleine Regentenstühlchen , auf dem man zu sitzen gewohnt . Fürst Irenäus erhielt sich beides , das Hofleben und die Liebe für die Künste und Wissenschaften , indem er einen süßen Traum ins Leben treten ließ , in dem er selbst mit seiner Umgebung sowie ganz Sieghartsweiler figurierte . Er tat nämlich so , als sei er regierender Herr , behielt die ganze Hofhaltung , seinen Kanzler des Reichs , sein Finanzkollegium etc. etc. bei , erteilte seinen Hausorden , gab Cour , Hofbälle , die meistenteils aus zwölf bis funfzehn Personen bestanden , da auf die eigentliche Courfähigkeit strenger geachtet wurde als an den größten Höfen , und die Stadt war gutmütig genug , den falschen Glanz dieses träumerischen Hofes für etwas zu halten , das ihr Ehre und Ansehen bringe . So nannten die guten Sieghartsweiler den Fürsten Irenäus ihren gnädigsten Herrn , illuminierten die Stadt an seinem Namensfeste und an den Namenstagen seines Hauses und opferten sich überhaupt gern