s doch der Oswald besser verstehen , als die alten Schulmeister , die wir in unserer Jugend gehabt ? Aber er kann allerlei Blendwerk machen , und hat es selbst dem Pfarrer und den Rathsherren angethan . Ganz richtig ist es mit ihm nicht ! « Im Sommer war zu Goldenthal nie Schule gehalten worden ; denn die größern Kinder mußten den Aeltern in Feld- und Hausgeschäften helfen . Aber Oswald nahm auch im Sommer die Kleinern zu sich , und unterrichtete sie einige Stunden , und gab ihnen bei sich zu spielen , oder kleine Geschäfte in seinem Garten und Feld , wohin sie ihn begleiteten und Steinchen aus dem Acker trugen , Unkraut jäteten und dergleichen . Als das die andern Kinder sahen , baten sie Oswald beweglich , sie nicht zu vergessen , und er nahm sie , wenn Feierabend war , auch noch zu sich und setzte den Unterricht mit ihnen fort . An Sonn- und Festtagen ging er mit ihnen sogar spazieren in Feld und Wald ; zeigte ihnen die giftigen Kräuter und erzählte gräuelhafte Geschichten davon ; oder er erzählte ihnen vom Leben und der Haushaltung der Thiere , der zahmen und wilden ; von den Quellen , Strömen und Meeren ; von den Bergen und Höhlen ; von den Ländern und Menschen auf Erden ; von den Sternen , und wie weit sie von uns entfernt wären und wie groß . Das hatte er Alles gesehen und in Büchern gelesen . Als das die großen erwachsenen Bursche im Dorfe sahen , bekamen einige Lust , Sonntags ebenfalls bei Oswald zu sein . Und er erlaubte es ihnen , denn ihre große Unwissenheit jammerte ihn . Und er lehrte sie noch allerlei , und gab ihnen auf , was sie in müßigen Stunden der Woche zu Hause lesen , rechnen und schreiben mußten . Das ging er dann Sonntags mit ihnen durch . So ward es eine wahre Sonntagsschule . Und es kamen immer mehr junge Leute dazu . Wer aber nicht sehr reinlich einherging , wer die Wirthshäuser besuchte , wer Karten spielte , wer jemals schwor und fluchte oder einen Raufhandel hatte , den stieß er von sich . Er war ihr Schiedsrichter , und that doch immer , als wäre er Ihresgleichen . Sie halfen ihm dankbar auch in der Woche gern bei der Feldarbeit , ohne daß er es forderte . Die jungen Leute aber , welche es mit Oswald hielten , wurden von ihren Kameraden im Dorfe ausgelacht und verspottet ; man hängte ihnen Uebelnamen an , hieß sie Schulmeister und Gelehrte , und spielte ihnen allerlei Possen . Und die Gemeindsvorsteher sahen es gern , wenn man den Oswald und seine Freunde verfolgte ; denn sie fürchteten , er wolle sich Anhang machen , um einst an ihre Stelle gewählt zu werden . Darum sagten sie ihm alles ersinnliche Böse nach , und wiegelten bei jeder Gelegenheit die Bauern und deren Weiber gegen ihn auf . - Oswald kam daher auch zu Niemanden ; nur regelmäßig besuchte er die Mühle , wo er allezeit willkommen war . Wie er aber eines Abends in die Mühle kam , fand er die lieben Leute darin alle mit verstörten Gesichtern . Der alte Siegfried war still und nachdenkend , die Müllerin kalt und verdrießlich , im Hause umherfahrend und die Thüren hinter sich zuwerfend ; Elsbeth hatte rothgeweinte Augen . Sobald Oswald mit Elsbeth allein war , sprach er : » Welches Unglück ist hier geschehen , und welcher böse Geist ist in dieses Haus des Friedens eingezogen ? Ihr Alle seid wie verwandelt . Sage mir , Elsbeth , was ist vorgegangen . « Elsbeth antwortete mit zitternder Stimme : » Gott sei ' s geklagt , Oswald , ich muß es dir sagen . Ja es muß heraus . Ich bin recht unglücklich . « So sprach sie , und konnte vor Weinen und Schluchzen nicht weiter sprechen . Nachdem er sie beruhigt hatte , sagte sie : » Nun ist ' s ein Jahr , Oswald , da fandest du mich mit verweinten Augen und fragtest mich , und ich sagte dir ' s nicht . Damals war der Löwenwirth Brenzel zu uns gekommen , und hatte bei meinem Vater und meiner Mutter um mich angehalten für seinen Sohn , der schon eine Mühle im Dorfe Altenstein hat . Und Vater und Mutter hatten nichts dagegen , denn der Löwenwirth ist der reichste Mann im Dorf , und erster Vorsteher der Gemeinde , der uns viel schaden und nützen kann ; und mein Vater will keinen Schwiegersohn , als einen Müller . Ich aber sagte , ich sei noch jung , und wolle noch ein Jahr warten , und blieb dabei , und sie richteten bei mir nichts aus . - Nun ist das Jahr vorbei , und auf den Tag kam der Löwenwirth mit seinem Sohne wieder . Sie haben bei uns gespeiset , und Vater und Mutter hatten mit dem Löwenwirth schon alles in Richtigkeit gebracht , und die Verlobung sollte heute geschehen . Aber ich habe gesagt , ich wollte mich nie verheirathen , und bin dabei geblieben . Denn der junge Brenzel ist ein wüster Gesell , gleichwie sein Vater ein harter und wüster Mann ist . Nun ist im Hause Unglück und Herzeleid . « Als Oswald dies hörte , ward er sehr unruhig . Er ging im Zimmer schweigend auf und ab . Er selber hatte sich im Stillen Hoffnung gemacht , daß Elsbeth einmal seine Frau werden müsse . Dann trat er mit hastigen Schritten zu ihr und sagte : » Elsbeth , liebe Elsbeth , du willst dich niemals verheirathen ? So will auch ich ohne Weib bleiben mein Lebenlang , denn ich hätte kein anderes gewählt , als dich . Und ich habe dich allezeit mehr geliebt als mich selber , und hoffte immer , du würdest mir noch recht gut werden . « Da sank Elsbeth weinend an