seines ersten , großen Verlusts zu überzeugen . Sein Gram verwandelte sich in Zorn , er forderte den Mörder auf , sich ihm zu stellen , allen Schimpf häufte er laut auf ihn , aber gleichgültig hallte die Mauer von seiner Rede und Martins Richter und Feind schien entweder gleich verschwunden , oder gegen die Reden des Knaben gleichgültig . Die Besinnung erwachte weiter in ihm , wie er Martin , wenn ihm noch zu helfen wäre , über die Mauern , die er allein mühsam überstiegen , nach der bewohnten Stadt schaffen könnte . Er beschloß eben Menschen herbei zu holen , als der alte Berthold über die Mauern suchend gestiegen kam , beim Anblicke Bertholds frohlockte , aber beim Anblicke Martins sich kaum fassen konnte . Er hatte beide vor dem Tore gesucht , wo ein Vetter Martins seinen Weinberg liegen hatte . Ein fremder geharnischter Mann , den er ansprach , hatte ihm den Garten unter der Brandstätte bezeichnet , wo er sie gewiß finden würde , da habe er vom Berge einen Mann im roten Wams mit einem Knaben im grünen Wams stehen sehen . So war er auf den rechten Weg geführt worden , seinem lieben Martin die letzte Pflicht zu erweisen . Seiner Verzweifelung ließ er keine Zeit , sondern mit rascher Eile suchte er einen bequemen Eingang und fand auch schnell das Tor , wo nur wenige Steine weggewälzt zu werden brauchten , um den Leichnam Martins hindurch zu schleppen . Er und der Knabe trugen ihn nach der Badestube . Da ward ein Aufsehen , denn es war ein Sonnabend , und alle Handwerker wollten zum Sonntag reinlich erscheinen , die rot angelaufenen Gestalten drangen neugierig aus der dampfenden Badestube heraus , mancher mit Schröpfköpfen besetzt , ein andrer mit halb beschnittenen Haaren und allen tat der alte Martin leid , weil er ein stattliches Ansehen im Tode bewahrte . Aber der Bader untersuchte die Wunde und sagte traurig , da vermöge seine Kunst nicht mehr , der Schütze , der ihn getroffen , müsse das menschliche Herz wohl gekannt haben . Nun jammerte erst Berthold und sein Sohn , kaum konnten sie dem eintretenden Bürgermeister Antwort geben , der sie über den Vorfall befragte , denn schon hatte das Gerücht sich verbreitet , Berthold habe Martin aus Liebe zu dessen Frau umgebracht . Es drohte der Bürgermeister mit der Folter , als ein Bote von den Freigerichten einging , welche durch ein Schreiben an den Bürgermeister erklärten , Martin sei schon lange wegen einer Mordtat verurteilt gewesen , aber erst jetzt von ihnen erreicht worden . So kam nun Berthold mit seinem Sohne und seinem Jammer frei und eilte zur Frau Hildegard , die sie gefaßt und von allem durch die beredte Hökerfrau am Tore unterrichtet fanden ; sie suchte Berthold damit zu trösten , daß sie versicherte , Martin hätte bei seinem Husten doch wohl nicht lange mehr leben können . Martin wurde mit Ehren begraben und der am innigsten und längsten ihn betrauerte , war der junge Berthold . Der junge Berthold hatte sich so treu fleißig in dem Jahre seinem Geschäfte ergeben , daß der Bürgermeister ihn jetzt schon brauchbarer , als den Alten fand , der sich nur mit Mühe in eine neue Einrichtung versetzen konnte . Er gestattete daher gern , daß der Alte vorläufig die Geschäfte des Martin als Türmer besorgte und daß die Schreibegeschäfte sämtlich dem jungen Berthold übertragen wurden . So hatte nun der junge Berthold viel mehr Freiheit in der Anwendung seines Tages , denn der Alte saß ihm nicht mehr zur Seite und diese Freiheit benutzte er reichlich , den entdeckten Garten sich einzurichten . Der Eingang war beim Heraustragen Martins eröffnet , so daß er jetzt vom Rathause zu der wüsten Marktseite in seine Trümmerburg schnell hinüber gehen konnte , wenn er mit angestrengter Eile seine Schreibereien beendet hatte . Er zimmerte sich eine Gittertüre , die den Eingang schloß , damit nicht mutwillige Knaben ihm seine Arbeit verderben könnten , doch besser als diese Tür schützte ihn die Furcht vor geheimen Mächten , die jeder nach seiner Art sich dachte , die aber seit dem gewaltsamen Tode Martins sich mit den alten Gerüchten und Sagen gepfropft hatte . Es tat ihm leid , daß der Alte ihn nicht wieder besuchte und daß er die Kapelle der heiligen drei Könige nicht wieder finden konnte , allmählich schien es ihm sogar , als sei er etwas eingeschlafen gewesen und ein Traum habe ihn getäuscht , denn die schmerzliche Wirklichkeit von Martins Tode hatte jene Anschauungen in Schatten gestellt . Als er den alten Berthold darüber befragte , antwortete ihm dieser » Wir glauben , was etwas ist , und wissen , was etwas nicht ist ; wir wissen nichts , wir müssen alles glauben , aber der Glaube ist ohne Wissen nichts . « Er verstand das nicht , aber er merkte sich es doch auf spätere Tage , weil er wohl ahndete , daß etwas darin liegen müsse . Übrigens waren des jungen Bertholds Gartenanlagen verständig . Wie er gern auch das Halbverstandene sich lernend bewahrte , so verfuhr er mit dem verwilderten Gartenplane ; ehe er gewaltsam Bäume umhieb , suchte er sich deutlich zu machen , was gepflanzt sei und was wild aus Samen und Wurzel aufgewachsen . Zwar schien manches von dem Gepflanzten untergegangen und abgestorben , aber auch mit diesen Stämmen bezeichnete sich die Anlage des Gartens . - Allmählich trat alles an seine rechte Stelle , indem das Überflüssige hinweg genommen war . Brunnen und Gänge waren gereinigt , die ausgeschnittenen , alten Obstbäume trugen wieder und edler Wein bezog die sonnigen Mauern . Ein wohl erhaltenes gewölbtes Zimmer bewahrte während des Winters Blumenpflanzen und Sämereien und so war dem jungen Berthold das erste Jahr mit sichtbaren Zeichen seines Daseins und Wirkens vergangen . Da kam er eines Tages zum Abendessen und fand Frau Hildegard in stiller Betrübnis , aber sie wischte ihm dennoch nach