daß dieses nur ein Gaukelbild meiner durch das eifrige und starke Reden erhitzten Phantasie gewesen , desto tiefer fühlte ich bittre Reue und Scham über mein Betragen auf der Kanzel . Die Zuhörer dachten , wie ich nachher erfuhr , es habe mich ein plötzlicher Wahnsinn überfallen , wozu ihnen vorzüglich mein letzter Ausruf gerechten Anlaß gab . Ich war zerknirscht - zerrüttet im Geiste ; eingeschlossen in meine Zelle , unterwarf ich mich den strengsten Bußübungen und stärkte mich durch inbrünstige Gebete zum Kampfe mit dem Versucher , der mir selbst an heiliger Stätte erschienen , nur in frechem Hohn die Gestalt borgend von dem frommen Maler in der heiligen Linde . Niemand wollte übrigens den Mann im violetten Mantel erblickt haben , und der Prior Leonardus verbreitete nach seiner anerkannten Gutmütigkeit auf das eifrigste überall , wie es nur der Anfall einer hitzigen Krankheit gewesen , welcher mich in der Predigt auf solche entsetzliche Weise mitgenommen und meine verwirrten Reden veranlaßt habe : wirklich war ich auch noch siech und krank , als ich nach mehreren Wochen wieder in das gewöhnliche klösterliche Leben eintrat . Dennoch unternahm ich es , wieder die Kanzel zu besteigen , aber , von innerer Angst gefoltert , verfolgt von der entsetzlichen bleichen Gestalt , vermochte ich kaum zusammenhängend zu sprechen , viel weniger mich wie sonst dem Feuer der Beredsamkeit zu überlassen . Meine Predigten waren gewöhnlich - steif - zerstückelt . - Die Zuhörer bedauerten den Verlust meiner Rednergabe , verloren sich nach und nach , und der alte Bruder , der sonst gepredigt und nun noch offenbar besser redete als ich , ersetzte wieder meine Stelle . - Nach einiger Zeit begab es sich , daß ein junger Graf , von seinem Hofmeister , mit dem er auf Reisen begriffen , begleitet , unser Kloster besuchte und die vielfachen Merkwürdigkeiten desselben zu sehen begehrte . Ich mußte die Reliquienkammer aufschließen , und wir traten hinein , als der Prior , der mit uns durch Chor und Kirche gegangen , abgerufen wurde , so daß ich mit den Fremden allein blieb . Jedes Stück hatte ich gezeigt und erklärt , da fiel dem Grafen der mit zierlichem altteutschen Schnitzwerk geschmückte Schrank ins Auge , in dem sich das Kistchen mit dem Teufelselixier befand . Unerachtet ich nun nicht gleich mit der Sprache heraus wollte , was in dem Schrank verschlossen , so drangen beide , der Graf und der Hofmeister , doch so lange in mich , bis ich die Legende vom heiligen Antonius und dem arglistigen Teufel erzählte und mich über die als Reliquie aufbewahrte Flasche ganz getreu nach den Worten des Bruders Cyrillus ausließ , ja sogar die Warnung hinzufügte , die er mir rücksichts der Gefahr des Öffnens der Kiste und des Vorzeigens der Flasche gegeben . Unerachtet der Graf unserer Religion zugetan war , schien er doch ebensowenig als der Hofmeister auf die Wahrscheinlichkeit der heiligen Legenden viel zu bauen . Sie ergossen sich beide in allerlei witzigen Anmerkungen und Einfällen über den komischen Teufel , der die Verführungsflaschen im zerrissenen Mantel trage , endlich nahm aber der Hofmeister eine ernsthafte Miene an und sprach : » Haben Sie an uns leichtsinnigen Weltmenschen kein Ärgernis , ehrwürdiger Herr ! - Sein Sie überzeugt , daß wir beide , ich und mein Graf , die Heiligen als herrliche , von der Religion hoch begeisterte Menschen verehren , die dem Heil ihrer Seele sowie dem Heil der Menschen alle Freuden des Lebens , ja , das Leben selbst opferten , was aber solche Geschichten betrifft , wie die soeben von Ihnen erzählte , so glaube ich , daß nur eine geistreiche , von dem Heiligen ersonnene Allegorie durch Mißverstand als wirklich geschehen ins Leben gezogen wurde . « - Unter diesen Worten hatte der Hofmeister den Schieber des Kistchens schnell aufgeschoben und die schwarze , sonderbar geformte Flasche herausgenommen . Es verbreitete sich wirklich , wie der Bruder Cyrillus es mir gesagt , ein starker Duft , der indessen nichts weniger als betäubend , sondern vielmehr angenehm und wohltätig wirkte . » Ei , « rief der Graf , » ich wette , daß das Elixier des Teufels weiter nichts ist als herrlicher echter Syrakuser . « - » Ganz gewiß , « erwiderte der Hofmeister , » und stammt die Flasche wirklich aus dem Nachlaß des heiligen Antonius , so geht es Ihnen , ehrwürdiger Herr , beinahe besser wie dem Könige von Neapel , den die Unart der Römer , den Wein nicht zu pfropfen , sondern nur durch darauf getröpfeltes Öl zu bewahren , um das Vergnügen brachte , altrömischen Wein zu kosten . Ist dieser Wein auch lange nicht so alt , als jener gewesen wäre , so ist es doch fürwahr der älteste , den es wohl geben mag , und darum täten Sie wohl , die Reliquie in Ihren Nutzen zu verwenden und getrost auszunippen . « - » Gewiß , « fiel der Graf ein , » dieser uralte Syrakuser würde neue Kraft in Ihre Adern gießen und die Kränklichkeit verscheuchen , von der Sie , ehrwürdiger Herr , heimgesucht scheinen . « Der Hofmeister holte einen stählernen Korkzieher aus der Tasche und öffnete , meiner Protestationen unerachtet , die Flasche . - Es war mir , als zucke mit dem Herausfliegen des Korks ein blaues Flämmchen empor , das gleich wieder verschwand . - Stärker stieg der Duft aus der Flasche und wallte durch das Zimmer . Der Hofmeister kostete zuerst und rief begeistert : » Herrlicher - herrlicher Syrakuser ! In der Tat , der Weinkeller des heiligen Antonius war nicht übel , und machte der Teufel seinen Kellermeister , so meinte er es mit dem heiligen Mann nicht so böse , als man glaubt - kosten Sie , Graf ! « - Der Graf tat es und bestätigte das , was der Hofmeister gesprochen . Beide scherzten noch mehr über die Reliquie , die offenbar die schönste in der