ihr Gesicht in den Händen . Willst du nicht - wohlan ! so machen wir uns selbst ein Schicksal . Das Schicksal macht sich nicht ! - rief sie laut schluchzend . - Wir wollen sehen ! - erwiederte ich - Wäre dein Herz nur geheilt ! Nimmer ! - fiel sie ein . Wie bald ! - fuhr ich fort - könnt ' ich dir nur einen Theil meiner tiefen Verachtung gegen den Elenden mittheilen ! Doch , traure aus du Unglückliche , und laß mich sorgen ! Mit diesen Worten bracht ' ich sie wieder auf ihr Lager , und eilte , den Arzt zu benachrichtigen . Aber er versicherte mir , seine Hülfe sey hier überflüssig , und Alles von der Zeit zu erwarten . So war ich denn für den Augenblick beruhigt , und konnte meine ganze Aufmerksamkeit unserer Lage widmen . Ich sah bald , daß die Wechsel samt dem Ringe uns kaum ein Paar Jahre vor Mangel schützen könnten , und daß meine Schwester , nach dem , was sie geäussert , sich nicht entschliessen werde , in das väterliche Haus zurückzukehren . Ich selbst mußte es mir nach ihrer Zurückkunft mit Jammer erfüllt denken ; doch nahm ich mir vor , sie noch einmal auf das Aeusserste zu prüfen , und nur dann , wenn ich ihren Widerwillen unüberwindlich gefunden , einen festen Entschluß zu fassen . Jemals zu heirathen schien mir , bei der Ueberzeugung , ich werde nie geliebt werden , unmöglich . Auch hatte ich sogenannte glücklichen Ehen genug beobachtet , um zu wissen , daß Ein Theil durchaus der Leidende seyn müsse , um dieses scheinbare Glück hervorzubringen und zu erhalten . Leiden erregte mir aber nicht Furcht , sondern Eckel . Es schien mir eine Krankheit , die , besonders wo sie anhaltend wäre , den Tod des Geistes nothwendig zur Folge haben müsse . So war ich dann fest entschlossen , es zu fliehen , wie und wo es mir drohen möge , und seine beiden furchtbarsten Feinde , Freiheit und Thätigkeit , zu erhalten . Aber worauf sollte sich diese Thätigkeit wenden ? Auf die Geschäfte des gemeinen Lebens ? - Das schien mir gleichfalls unmöglich . War es gedenkbar , daß sie mich vor Geistesleiden , vor Geistestod schützten ? Wurden sie nach einem gewissen Zeitmaasse , wurden sie harmonisch verrichtet ? Drückten sie die grosse Angelegenheit der Menschheit : den Kampf des Unordentlichen mit dem Ordentlichen , des Häßlichen mit dem Schönen , oder , was dasselbe ist : des Guten mit dem Bösen aus ? Tief lag es als Ahnung in meiner Seele , daß dieses der geheime Sinn aller Künste , und der Grund aller Gewalt sey , welche sie an den Menschen üben . Ich hatte beweisen gesehen , daß Töne Gestalten hervorbringen , und diese hohe Bedeutung würde mich zur Musik hingezogen haben , hätte sie mich nicht zu gewaltsam ergriffen ; so daß ich meine Empfindung durch Tanz ausdrücken , oder untergehen mußte . So war mir dann das Räthsel meiner Jugend gelöst , und der Entschluß , als tragische Tänzerin aufzutreten , befestigt . Ich theilte ihn meiner Schwester mit ; aber es währte lange , ehe sie sich von der Wahrhaftigkeit meines Berufes überzeugen , und über die gemeine Ansicht erheben konnte . Gleichwohl begriff sie , daß irgend etwas Ausserordentliches geschehen müsse , und ließ mich , ohne mir gerade beizupflichten , wenigstens gewähren . Ich benutzte diese Stimmung , und eilte , meinen Entschluß auszuführen . Nur kurze Zeit ließ man mich als Nebentänzerin auftreten , und schon an meinem sechszehnten Geburtstage wurde mir eine der Hauptrollen übergeben . Man schien viel von mir zu erwarten , und das Haus konnte die Zuschauer nicht fassen . Mein Auge überflog die Menge , die Geister meiner Kindheit umschwebten mich , und göttliche Kraft belebte meine Glieder . Ich tanzte , tanzte die Geschichte meiner Kindheit , tanzte meine gestorbene Liebe , meine Sehnsucht nach der unvergänglichen Schönheit . Der Beifall wurde rauschend , wie ein seliger Geist schwebte ich über der Menge , die Ungeliebte plötzlich von Tausenden geliebt . Ich fühlte es , fühlte mit unaussprechlicher Wonne , daß ich das Rechte gewählt habe , der kleinlichen Erdennoth entrückt , ein freier Geist durch die Kunst sey . Mein Heimgang wurde ein Triumphzug . Ich war mit Rosen geschmückt , von beiden Seiten flogen Rosen in meinen Wagen , und ich blieb seit diesem Abende , unter dem Namen Rosamunde , ein Liebling der Florentiner . Seitdem gehört der geheimnißvolle Duft der Rosen zu meinem Wohlbefinden , und ich suche ihr schönes Leben mit der äussersten Sorgfalt zu bewahren . Oft haben mich Künstler versichert , wie tief sie auch Anfangs durch den Beifall der Menge erschüttert seyen , habe derselbe doch bald allen Reiz für sie verloren , und sey ihnen am Ende beinahe eckelhaft geworden . Mir nicht also . Ich feierte mein eigentliches Leben nur mit dieser von ihnen verachteten Menge , und fühlte geisterhebend , daß alles andere Leben kaum den Namen Leben verdiene . Ihr Beifall schien mir der Chor zu meinem Tanze , durch den ich die Schwere beinahe überwunden , und mich dem Himmel genähert hatte . Wir alle feierten einen seligen Triumph . Meine unglückliche Schwester allein trauerte bei meinem Glücke . Ihre Liebe wurde Krankheit . Mir ganz unähnlich nährte und pflegte sie ihren Kummer und wieß jede Linderung zurück . Die Bedauernswürdige litt auch noch durch meine Forderungen . Ihren Zustand gänzlich verkennend wähnte ich noch immer , sie werde sich über ihr Schicksal erheben . Vergebens ! Ihre Kraft war dahin , und ich sah endlich mit tiefem Jammer , daß ich mich schrecklich geirrt hatte . Es zeigten sich Spuren eines langsamen Giftes , und ein anderer Arzt , den ich nun schnell berief , verhelte mir nicht , daß ich mich auf ihren Verlust vorbereiten müsse . Nach dringenden Bitten erhielt ich