hier zurück , um Klelien dahin zu bewegen sich anzuziehen , so gut es gehe , und in den Garten zu kommen , wohin jetzt die Gräfin am Arme des Grafen eilte . Diese beiden gingen nun vor dem grünen Platze vorbei , wo der Graf mit einem Seufzer das Leinenzeug vermißte , das ihn morgens in der Sonne geblendet hatte ; all der Glanz war zu seiner schönen Führerin übergegangen . Mit manchem Umschweife , ungewiß , ob er auch nicht beleidige , erzählte er , wie er sie schon am Morgen beobachtet ; sie wurde beschämt , daß sie bei so niedrer Arbeit überrascht worden , sie wollte ihm einen Wink geben , daß er schweigen möchte , aber er drückte die Hände an seinen Mund . So waren sie bis zur Höhe angestiegen , wo eine Laube von Geißblatt , die sich über einem Steine wölbte , der einer Bank ganz ähnlich sah , die schönste Stelle schien , die scheidende Pracht der Sonne und die tausend Liebesblicke zu begrüßen , die sie dem schönen Tale noch schenkte . Der Graf setzte sich auf den Stein . » Nicht doch « , rief die Gräfin , » wissen Sie denn , worauf Sie sitzen ? « Der Graf sprang auf und sah in den Stein Noten und ein Lied eingehauen ; vor der Sonne , die er angeschauet , erschien ihm die Schrift grün wie die Schrift des Frühlings , die über der ganzen erstorbnen Erde läuft . Mit einiger Beschämung las er laut ab : Mädchen , führet dich dein Knabe In dem letzten Abendscheine Hier zu meinem stillen Grabe Und er wagt es nicht alleine , Küß ihn einmal mir zu Ehren , Das sind meine Seelenmessen ; Kann ich euch das Küssen lehren , Werd ich nimmermehr vergessen . Neue Melodien kommen Und verdrängen meine Lieder , Doch so viel ich hab vernommen , Kommt das Küssen immer wieder , Und von diesen Liebesnoten , Die ich liebend hab erfunden , Schallen mir noch bei den Toten Alle Wiederholungsstunden . Dolores erzählte nun dem Grafen , daß ihr Vater hier einen lustigen tiefsinnigen Musiker begraben , der lange Zeit sein Freund und Vertrauter gewesen , und den Weg zu diesem schönen Platze zuerst gefunden und geebnet habe . Der Graf sang mit seiner angenehmen Stimme die einfache wohlige Melodie dieses Liedes , der letzte Abendschein schwankte vor seinen trunknen Augen über der Ebene und sah in die Tiefen der Berge ; er sah ihr so sicher in die Augen und sie konnte sie nicht von ihm wenden : es war der gefälligste Mann , der ihr seit langer Zeit erschienen ; sie sah in ihm den Glanz ihrer Geburt wieder hervorgehen , sie hörte wieder die rollenden Kutschen vor ihrer Türe , sah in den Fenstern des Schlosses , die vom Abendhimmel widerschienen , alles wie ehemals von Wachskerzen erleuchtet , in den Büschen schienen ihr Musikchöre versteckt und sie verweigerte ihm nicht den keuschen Kuß , den er auf ihre Lippen drückte . Wir eilen , denn unter einfachen Verhältnissen gleicht sich alles in der Welt und jeglicher hat hinlänglich Gefühl in seiner Brust , und wär er noch so arm , um sich lebendiger in solche Stunde hinein zu denken , als es die Worte ihm vorsagen können . Nach diesem Kusse schien dem Grafen alles , was er noch sagen könnte , so leer und nüchtern , daß er mit einem zweiten Kusse von der Errötenden Abschied nahm , und auf und davon über Hecken und Mauer ins Gebürge eilte , seines frohen Herzens selbst bewußt zu werden , das ihn so mächtig anregte . Aber statt ganz fröhlich zu werden , wurde er immer wehmütiger und es rief in ihm , bis er es auswendig wußte : Sie gab , was mich verarmet , Mir scheidend ihren Mund , Sie hat sich mein erbarmet , Ach Gott , wem tu ich ' s kund ! Ich kann ' s nicht in mir lassen , Es sprenget meine Brust , Es kann ' s die Welt nicht fassen , Was mir allein bewußt . Wie mir der Abend rötet , Noch niemand wissen muß ; Ach hätt ' sie mich getötet Im ersten , ersten Kuß ! Von Schmerzen könnt ich ruhen , Im Jubel vieles tun , In schweren Reiseschuhen Tanz ich so töricht nun ! Wirklich hatte er in sich jubelnd eine glatte Buche umfaßt , und tanzte um sie her , weil er niemand fand , mit dem er tanzen konnte , und lachte dann . Allmählich sammelte sich der Taumel aller einzelnen Gefühle , die in ihm aufgeregt ; endlich wurde er so gewiß in sich , daß Liebe und Gegenliebe , zwei Gottheiten , die so lange getrennt über den Erdboden einander suchend umherirrten , sich in ihnen beiden so vollkommen begegnet und begrüßt hätten , daß sie wohl nie wieder von einander lassen würden in Zeit und Ewigkeit . Als er nach Hause kam , wollte er noch spät sein Tagebuch schreiben , aber er wußte nicht auszudrücken , was ihm begegnet , schlafen konnte er auch nicht , ob er sich gleich endlich niederlegte , und so sang er der Nachtigall zu und dem rauschenden Strome , die mit einander wetteiferten : Mir ist zu licht zum Schlafen , Der Tag bricht in die Nacht , Die Seele ruht im Hafen , Ich bin so froh verwacht . Ich hauchte meine Seele Im ersten Kusse aus , Was ist ' s , daß ich mich quäle , Ob sie auch fand ein Haus . Sie hat es wohl gefunden , Auf ihren Lippen schön , O welche sel ' ge Stunden , Wie ist mir so geschehn . Was soll ich nun noch sehen , Ach alles ist in ihr , Was fühlen , was erflehen , Es ward ja alles mir . Ich habe was zu sinnen , Ich hab , was mich