. Rodrich blickte verlangend nach Seraphinens Zimmern . Er wäre lieber dem Knaben als dem Ritter gefolgt , der ihn ernstlich antrieb , zu dem wartenden Grafen zu eilen . Sie fanden ihn vor einer langen mit aufgerollten Karten bedeckten Tafel . Er durchflog die weiten Räume der Erde und entwarf manchen Plan , seinen Namen mit gewichtigem Arme auf die Nachwelt zu bringen , als Rodrich bescheiden vor ihn hintrat . Aller Stolz , alle Anmaßung verschwand beim Anblick des heitern benarbten Angesichts . Sobald ihn der Graf bemerkte , eilte er schnell auf ihn zu . Einen Augenblick betrachtete er ihn mit festem durchdringenden Blick , dann reichte er ihm vertraulich die Hand , indem er sagte : Seyn Sie willkommen , wenn der rechte Ernst und die rechte Lust Sie zu mir führen , und Sie das Soldatenleben von ganzer Seele lieben . Ich kenne wenig vom Leben , sagte Rodrich , allein mein Herz bewegt sich freudig beim Gedanken eines muthigen Streites , und ich kenne nichts herrlicheres , als dem Tode mit lebendigem , frischem Sinne zu trotzen . Ich gäbe allen ruhigen Genuß kommender Tage für einen herzhaften Kampf , der den ganzen Menschen durchglüht , so daß auch der Nüchterne seine göttliche Natur nicht verleugnet . Auf Rodrichs Stirn flammte die heilige Wahrheit dieser Worte . Der Ritter drückte ihn freudig an die Brust , und der Graf reichte ihm statt aller Antwort einen Degen , den Rodrich mit Stolz und Wehmuth empfing , und , die hervorbrechenden Thränen nicht verbergend , im Uebermaaß des Gefühls ausrief : heller Stahl , laß die Welt in deinem Glanze leuchten , oder trinke nie ruflos verspritztes Blut . Das ist der rechte Kriegersinn , sagte der Graf . Ich liebe Gemüther wie das , darum verehre ich Ihnen das erste Zeichen meiner Achtung . Solch ein Führer läßt Niemand sinken , und müßte er sich auch zuletzt gegen die eigne Brust wenden ; und glauben Sie mir , wer nur recht kräftig durch die Welt hingeht , mit Gefahr und Tod spielt , dem kann das Schicksal nicht viel anhaben , es ermüdet endlich vor der unerschütterlichen Heiterkeit , und läßt den Menschen sein stilles Glück genießen ! Rodrich war über den unschuldigen Sinn gerührt , der sicher nur das Rechte gewollt , und so von aller Bitterkeit und feindlichen Gesinnungen rein geblieben war . Sie sprachen bald weitläuftiger über das Nähere seiner künftigen Bestimmung , und der Graf sagte ihm : daß der Herzog , wenig Theil an der innern Oekonomie der Armee nehmend , ihm ziemlich freie Hand lasse , und er daher im Stande sey das Möglichste für ihn zu thun . Indessen müsse er ihn schon noch vorstellen , weil seine Vertraulichkeit mit Stephano und dem Ritter Aufsehen erregt und die leeren Köpfe hin und her bewegt habe , die in seiner Erscheinung etwas Geheimnißvolles und Wichtiges aufzufinden meinten . Vorläufig , fuhr er fort , werde ich Sie als Volontair bei meinem Regimente vorschlagen , wogegen der Herzog wohl nichts einwenden wird , wenn ich mich für Sie verbürge . Bis dies geschehen , und alles eingerichtet ist , müssen Sie sich möglichst zurückziehen . Sie dürfen nicht eher in die Welt treten , bis es mit allem Anstande und dem ihrer neuen Lage gebührenden Glanze geschehen kann . Noch Eins , fuhr er fort , als er in Rodrichs Miene eine ängstigende Verlegenheit wahrnahm : Sie sind wohl fremd mit den Bedürfnissen des Lebens ? wollen Sie sich mir anvertrauen , mich vor der Hand als Ihren Sachwalter annehmen , so tritt wohl einmal ein bequemer Zeitpunkt ein , wo wir mit einander Rechnung halten und Sie sehen werden , daß ich auch meinen Vortheil nicht dabei vergaß . Rodrich war unbeschreiblich gerührt . So väterlich hatte Niemand seit Eusebio ' s Tode mit ihm geredet . Er glaubte die geliebte Stimme wieder zu hören , und beugte sich voll heiliger Ehrfurcht über des Grafen Hand , der ihn umarmte und mit innerem Wohlbehagen in sein nasses Auge blickte . Wenn ich Sie nur erst in der Uniform auf einem raschen gewandten Pferde sehe ! hub er nach einer Weile an ; ja zu Pferde , da geht dem Krieger erst das rechte Leben auf , wenn er so über der Erde hinfliegt und Berge , Häuser und Bäume , alles ihm zu weichen scheint , und das wilde Thier sich unter ihm bäumt , und er es dennoch mit einem Fingerdruck regiert ; dann sieht er in Noth und Tod mit Stolz auf die Menschen nieder , die dem kühnen Reiter scheu ausweichen . Ich hatte einen Sohn , fuhr er mit bebender Stimme fort , nicht wahr Alexis , der verstand zu reiten ? Der Ritter bejahete es , wehmüthig lächelnd . Ja , ja , sagte der Graf , es löst sich manches schöne Band , darum muß man recht fest zusammen halten und die wenigen Tage heiter mit allem , was man liebt , verleben . Indem öffnete sich die Thüre schnell ; Seraphine trat mit einem aufgeschlagenen Brief herein . Nach einem flüchtigen Gruß , rief sie ihrem Manne freudig entgegen : Rosalie kömmt , Morgen ist sie hier und verspricht einige Zeit bei uns zu bleiben . Ich bin so voll von dieser Nachricht , daß ich schon das ganze Haus in Bewegung gesetzt habe ; die Zimmer nach der Wasserseite werden für sie eingerichtet , alles soll ein recht festliches , heiteres Ansehen bekommen ; ich denke , sie wird sich bald mit dem Leben versöhnen . Rodrich betrachtete , während sie sprach , die zierliche Gestalt , das feine blonde Haar , das sich um einen blendend weißen Nacken ringelte und zu der lieblichen Unordnung ihres ganzen Wesens im Einklange stand . Auch sie hatte mehrere male auf ihn hingeblickt , und die schönen Augen wendeten sich immer wieder , den Fremdling zu betrachten , der ihr wie alles Neue eine