die grauen , etwas nass gewordenen Augenwimper - dran werd ' ich schon müssen . Ich will mit ihm reden . Gewiss ? gewiss ? Ja doch ! - So freundlich , wie noch jemal in meinem Leben . Und bald ? So bald sich ' s thun lässt . In diesen Tagen . Ein Mann , ein Wort ? Schlagen wir ein ? Da ! - so freundlich , wie noch jemal in meinem Leben . Sie lächeln aber so in Sich . Worüber ? Ach - über mich selbst . - Lass das gut seyn ! - Er hatte schon ungefähr die Art , wie er sich nehmen müsste , im Kopfe , und lächelte fort bis zur Thüre . Armer Mann ! sagte er noch , im Vorbeigehen , zum Doctor : Sie sind gewaltig betrogen . Sie forderten von mir eine Frau , und ich habe Ihnen eine Schlange gegeben . X. Nun ? triumphirte die Doctorinn , als der Vater hinaus war : hatt ' ich nicht Recht , liebe Mutter ? War ' s des Schreckens und des Aufhebens werth ? - So ein kleiner Zwist in einer Familie gemahnt mich , wie ein Feuer in einer Brandmauer . Das brennt schon aus , ohne Lärmschlagen . Und du glaubst dich am Ende ? sagte der Doctor . Völlig . Völlig . Der Vater hält Wort . Er müsste erst mehr versprochen haben . - Aber gesetzt auch , dass du zu deinem Zweck kömmst , und dass der Bruder für diesmal bleibt - - Für diesmal ? Warum denn nicht immer ? Wird er von seinen Schwachheiten lassen ? Wird der Vater von seinem Eigensinn lassen ? Niemal ! niemal ! seufzte die Mutter . Schwerlich ! stimmte die Tochter mit ein . Und also ! Was sind wir weiter gekommen ? - Wir wollten die inneren Ursachen der Uneinigkeit heben , wollten die Quellen des Übels verstopfen ; und da uns nun das nicht gelang - da stellen wir uns hin , und pinseln und pflastern an einem Geschwürchen , das , wenn wir es heute heilen , morgen wieder aufbrechen wird . - Das ist falsche Heilart , fuhr er mit Kopfschütteln fort , wovon ich bei Zeiten zurücktrete , und sie dir allein überlasse . Klug ! klug und gelehrt ! sagte die Frau . - Aber auch Pfuscherarbeit wird manchmal gute Arbeit . Lass mich nur machen ! Wie aber , wenn du ein Meisterstück machen könntest ? Ein Meisterstück ? - Nun ? Er ging mit einem Blick voll Missmuths umher , und rieb sich die Stirne . - Ach , es ist nicht zu machen . Es ist ein frommer Wunsch , weiter nichts . - Heiraten , heiraten müsste der Bruder . Ein kluges , sittsames , zärtliches Weib müsst ' er nehmen . So eins , wie du hast . Nicht wahr ? - Sie sah ihm freundlichlächelnd unter die Augen . Nun ja ! Und wenn auch nur so eins - - Boshafter ! - Er bot ihr liebreich die Hand , und zog sie in seine Arme . - So ein Weib würd ' ihn zu Hause bei seinen Geschäften halten : denn zu Hause wäre ja sie ; es würd ' ihm alle die Vergnügungen , denen er jetzt nachläuft , verleiden : denn bei ihr fänd ' er ja bessre ; es würd ' ihn von den kleinen Thorheiten des Putzes und der Modesucht abziehn : denn man putzt sich ja nicht für die Seinigen , nur für die Welt . - Er fand den grössten Beifall mit dieser Rede . Die Frau liebkoste ihm , und die Schwiegermutter ertheilte ihm Lobsprüche . Alle Quellen des Missvergnügens wären dann auf einmal verstopft . Der Vater und wir alle wären zufrieden . - Ja , wenn es möglich wäre , fuhr er mit einer Art von Begeisterung fort , indem er lebhafter umherging - wenn es möglich wäre , dass er die Witwe - die gute Witwe - - Hier flogen beide Frauenzimmer zu ihm hinan , und brachten ihm ihre Gesichter so nahe , dass er erschrack und zurücktrat . - Was ist denn ? Was hab ' ich gesagt ? fing er an . Die Witwe ! riefen sie beide aus Einem Munde . - Sprachen Sie nicht von einer Witwe , Herr Sohn ? - Erwähntest du nicht einer Witwe , mein Bester ? - - Der Doctor war unzufrieden , dass er sich mit seinem Geheimniss so bloss gegeben , und versuchte sein Möglichstes , um es noch festzuhalten . Er war durchaus nicht zu bewegen , dass er es im Ganzen hätte herausgeben sollen . Indessen riss , durch das ewige Fragen , bald die Frau , und bald die Schwiegermutter , ein Stück davon ab ; und so bekamen sie endlich so viel davon in die Hände , dass er nicht absah , warum er den unbedeutenden Rest nicht noch freiwillig dazu geben sollte . Überdies hatte man ihm das heiligste Stillschweigen gelobt , und Mutter und Tochter hatten einander selbst recht inständig darum gebeten . - Jetzt , da die Frauenzimmer ihr Geheimniss zu besichtigen anfingen , fand sich , dass sie sehr wenig daran erbeutet hatten . - Die Witwe hatte Kinder - war ohne Vermögen - war nicht mehr jung : - ihr vier oder fünf und zwanzigstes Jahr mogte sie immer schon zurückgelegt haben ; - der Liebhaber schien noch gar nicht entschieden ; - der Vater hatte Vorurtheile gegen die Frau ; - ihn von Vorurtheilen zurückzubringen , war immer sehr schwer , fast unmöglich : - alle diese Umstände liessen von der Liebe des Sohns , wie aufrichtig und zärtlich sie übrigens seyn mogte , keine Heirat , und noch weniger von so einer Heirat eine feste Grundlage für die Ruhe und Zufriedenheit der Familie hoffen . Man war also wieder in gleicher Verlegenheit , als zuvor . Indessen tröstete