niedergerissen , und was jetzt auch von außen herandrohen mag , sie ist nieder zwischen uns . An Leos frischem Grabe , in jener Zeit , wo das Todesschwert täglich über dem Haupte deines Vaters hing , habe ich es nicht gewagt , dir von Liebe , von Vereinigung zu sprechen , habe es über mich gewonnen , dich nur selten und flüchtig zu sehen . Du und die Mutter , ihr ließet mir ja bei jedem Besuche in Rakowicz fühlen , daß ich von euch immer noch als Feind betrachtet werde , aber ich hoffte auf die Zukunft , auf bessere Zeiten – und nun trittst du mir mit einem solchen Entschluß entgegen . Begreifst du denn nicht , daß ich dagegen kämpfen werde bis zum letzten Atemzuge ? › Wir wollen zusammen sterben . ‹ Das ist leicht gesagt und auch leicht gethan , wenn man wie Leo von einer Kugel mitten ins Herz getroffen wird . Hast du dir schon klar gemacht , was der Tod in der Verbannung ist ? Dieses langsame Dahinsterben , dieser monatelange Todeskampf unter Entbehrungen , die den Geist brechen , noch ehe sie den Körper vernichten , fern vom Vaterlande , abgeschnitten von der Welt und ihren Interessen , von jedem geistigen Lebenshauche , der dir so notwendig ist wie die Luft zum Atmen , erdrückt werden , ersticken unter der Last des Elends ! – Und du verlangst von mir , daß ich es ertrage , daß ich es geschehen lasse , wenn du dich freiwillig einem solchen Lose weihst ? « Es ging ein leiser Schauer durch die Gestalt der jungen Gräfin . Sie mochte wohl die Wahrheit seiner Schilderung empfinden , aber sie verharrte in ihrem Schweigen . » Und dein Vater nimmt dieses unglaubliche Opfer an , « fuhr Waldemar in immer wilderer Erregung fort , » und meine Mutter läßt es zu . Freilich , es gilt ja , dich meinen Armen zu entreißen ; um den Preis weihen sie dich selbst dem Lebendigbegrabenwerden . Wäre ich an Leos Stelle gefallen , und den Grafen hätte das jetzige Schicksal ereilt , so hätte er dir befohlen zu bleiben , so würde meine Mutter mit vollster Energie die Rechte ihres Sohnes vertreten und dich zurückgehalten haben ; jetzt haben sie dir selbst den Märtyrergedanken eingegeben , obgleich sie wissen , daß er dir den Tod bringt , aber er macht ja jede Verbindung zwischen uns auch für die fernste Zukunft unmöglich ; und das ist ihnen genug . « » Laß die Bitterkeit ! « unterbrach ihn Wanda . » Du thust den Meinigen unrecht damit ; ich gebe dir mein Wort , daß ich den Entschluß allein gefaßt habe . Mein Vater steht an der Schwelle des Greisenalters ; die Wunden , die lange Gefangenschaft , mehr als das alles unsre Niederlage haben ihn geistig und körperlich gebrochen . Ich bin das einzige , was ihm geblieben ist , das letzte Band , das ihn noch an das Leben knüpft – ich gehöre zu ihm . Was du vorhin so furchtbar schildertest , das ist sein Los . Glaubst du , ich könnte auch nur eine Stunde ruhig an deiner Seite leben , wenn ich wüßte , daß er allein und verlassen einem solchen Schicksal entgegengeht , daß ich selbst ihm den bittersten Schmerz seines Lebens bereite durch die Vermählung mit dir , den er doch nun einmal als Feind betrachtet ? Das einzige , was ich jenem erbarmungslosen Urteilsspruche abringen konnte , war die Erlaubnis , den Vater zu begleiten , und auch das habe ich nur mit Mühe erreicht . Ich wußte , daß es einen schweren Kampf mit dir geben würde ; wie schwer er ist , das zeigst du mir erst jetzt . Schone mich , Waldemar ! Ich habe nicht viel Kraft mehr übrig . « » O nein , für mich nicht ! « sagte Waldemar bitter . » Was du an Kraft und Liebe besitzest , das gehört allein deinem Vater ; was aus mir wird , wie ich die Trennung ertrage , danach fragst du nicht . Ich war ein Thor , als ich der Aufwallung glaubte , die dich damals im Momente der Todesgefahr in meine Arme warf . Nur einen Augenblick lang warst du mir Wanda ; als ich dich am nächsten Tage wiedersah , hörte ich schon wieder die Gräfin Morynska aus dir sprechen , und sie spricht auch heute zu mir . Meine Mutter hat recht : Eure nationalen Vorurteile sind das Lebensblut , mit dem ihr genährt seid von Jugend auf , von denen ihr nicht lassen könnt , ohne das Leben selbst zu lassen ; denen opferst du uns beide ; denen opfert dein Vater sein einziges Kind . Er hätte nun und nimmermehr deine Begleitung angenommen , wenn es ein Pole wäre , der dich liebte . Da ich es bin , willigt er in alles , was dich von mir reißt . Wenn er dich nur vor dem Schicksale bewahrt , einem Deutschen anzugehören , wenn er nur dem alten Nationalhasse seine Schuld abträgt ! Könnt ihr Polen denn nur hassen und nichts als hassen , selbst über Tod und Grab hinaus ? « » Wäre mein Vater frei , « sagte Wanda tonlos , » ich hätte vielleicht den Mut gefunden , ihm und allem zu trotzen , was du Vorurteil nennst , um deinetwillen . Jetzt kann ich es nicht , und « – hier flammte ihre ganze Energie wieder auf – » jetzt will ich es auch nicht , denn es wäre Verrat an meiner Kindespflicht . Ich gehe mit ihm , und müßte ich wirklich sterben daran . Ich lasse ihn nicht allein in seinem Unglück . « Die Art , wie sie die letzten Worte sprach , zeigte , daß ihr Entschluß nicht zu erschüttern war , und auch Waldemar schien das einzusehen . Er gab den Widerstand auf . » Wann willst du abreisen