und Gebärden lag der Ausdruck eines heftigen , energischen Widerspruches . » Um Gott , liebes Kind ! « – rief die Gräfin Schliersen erschrocken und ergriff besorgt ihre Hand . » Da siehst du ja diese , › ungesunde Kraft ‹ , Leontine ! « rief die Baronin Fleury triumphierend – sie vergaß über dieser Genugtuung selbst ihr eigenes Herzeleid . » Gisela hat eine Abneigung gegen die Steine , und du wirst dich eben überzeugt haben , daß schon allein eine solche Berührung genügt , ihre Nervosität bis zu einem beängstigenden Grade zu steigern . « Die Gräfin Schliersen reichte dem Portugiesen schweigend mit fest zusammengekniffenen Lippen das Etui hin . Der Fürst aber , der augenscheinlich wünschte , die Diamantenstreitfrage beigelegt zu sehen , zeigte ein lebhaftes Interesse für die antiken Schmuckgegenstände ; sie gingen von Hand zu Hand , wobei Oliveira kurz erklärte , wie er sie aufgefunden hatte und woher sie stammten , dann wanderten sie zurück in den Koffer . » Schöne Elfenkönigin , Sie haben nun erreicht , was Sie so lebhaft wünschten « , sagte der Fürst zu der sich tief verbeugenden Baronin Fleury , während Oliveira den Koffer schloß . Er sprach halb scherzend , zum Teil aber auch mit ziemlich ernstem Nachdruck : » Ich will hoffen , daß das Ergebnis nicht nachteilig auf die Laune gewirkt hat , meine Gnädigste ... Und nun wollen wir sehen , was die Büfette enthalten « , wandte er sich an seine Gäste . » Dann mag Herr von Oliveira seine interessante brasilianische Geschichte erzählen , vorausgesetzt , daß uns die heimtückischen Wolken da oben nicht vorher die Fackeln auslöschen . « Das Gewitter war allerdings im Anzuge . Auf dem Wasserspiegel des Sees , der bis dahin glatt und unbewegt jedes Lichtlein widergestrahlt hatte , hüpften jetzt Feuerfunken – ein schwaches , . kaum hörbares Säuseln zog durch die Waldwipfel , und das Fackellicht , das kerzengerade in die Höhe gestiegen war , flackerte beunruhigt . Alle diese drohenden Anzeichen wurden vergessen über dem verlockenden Knall der Champagnerpfropfen , dem Gläserklirren und den begeisterten Hochs , die dem Durchlauchtigsten Festgeber gebracht wurden . Gisela hatte es abgelehnt , dem Fürsten an das Büfett zu folgen . Sie hoffte , jetzt den günstigen Moment zu finden , wo sie entfliehen konnte , aber wie täuschte sie sich ! Frau von Herbeck wich und wankte nicht von ihrer Seite ... Die kleine , fette Frau war von überströmender Liebenswürdigkeit – sie fühlte sich ja so glücklich ! Seine Exzellenz hatte ihr eben zugeflüstert , daß er ihr unbedingt vertraue und morgen früh vor seiner Abreise noch eine » vertrauliche Unterredung « mit ihr wünsche ; er hatte es ihr aber auch zur strengen Pflicht gemacht , für den Rest des Festabends wie ein Argus über ihre Schutzbefohlene zu wachen . Nun hatte sie das junge Mädchen auf eine Bank genötigt , die hart an den Saum des Waldes stieß , und von der aus man den ganzen Festplatz bequem übersehen konnte . Die Gouvernante saß am anderen Ende der Bank neben einer alten Freundin , die sie jahrelang nicht wiedergesehen hatte . Beide Damen ließen sich von einem Lakai Speisen herantragen , und während sie den köstlichen Leckerbissen wacker zusetzten , fanden sie nicht genug Worte für die beispiellose Unverschämtheit des fremden Eindringlings , des Portugiesen . Er war ein Abenteurer , ein Prahler erster Sorte – wer konnte denn wissen , wo er alle diese Kostbarkeiten aufgerafft hatte ? ... Übrigens ließ es sich Frau von Herbeck nicht nehmen , daß der » ganze Kram « unecht sei , er habe einen zu » unnatürlichen Glanz « gehabt – ein Kind hätte das neben den unvergleichlichen gräflich Völdernschen Familiendiamanten herausfinden müssen . Seine Exzellenz hatte aber auch den Schwindler vortrefflich ablaufen lassen – er hatte ihn und seine Brillantenausstellung nicht eines Blickes gewürdigt . Gisela legte müde wie ein krankes Kind den Kopf an die Banklehne . Eine rauschende Musik scholl herüber und verschlang die Fortsetzung der geistreichen Unterhaltung ... Wie elend und verlassen fühlte sich diese junge , mit sich selbst ringende Seele ! ... Sie hatte vorhin schweigend die hämische Bemerkung der Stiefmutter hingenommen , sie war des Kampfes müde , und schließlich war es sehr gleichgültig , was die Welt von ihr dachte ... Binnen weniger Stunden verschwand sie für immer wieder von diesem heißen Boden und wurde vergessen , vergessen von allen ... Sie redete sich in eine dumpfe Resignation und Gleichgültigkeit hinein – bis jetzt waren es noch verunglückte Versuche ... Wie ein Magnet zog das rote Käppchen , das dort drüben aus der Menge wie ein neckischer Kobold auf und nieder tauchte , ihren verfinsterten Blick immer wieder auf sich ; jedesmal schoß ihr das Blut siedend nach dem Herzen und raubte ihr den Atem , wenn eine hohe Männergestalt sich neben den reizenden braunen Lockenkopf drängte . Sie täuschte sich stets , er war es nicht – und doch , welche Qualen litt sie immer wieder von neuem ! Sie wollte nichts mehr sehen und lehnte den Kopf zurück . Aus dem Dickicht kam ein Zweig herüber und legte seine breiten , kühlen Blätter schmeichelnd auf ihre fiebernde Stirn . Sie schloß die brennenden Augen , aber im jähen Aufschrecken hob sie sofort die Wimpern wieder ... Der Portugiese stand hinter ihr und rief ihren Namen . Sie blieb regungslos , wie versteinert sitzen – es war seine Stimme , allein wie erschütternd verändert klang sie ! ... » Gräfin , hören Sie mich ? « wiederholte er lauter , während gewaltige Akkorde von drüben her erbrausten . Sie neigte langsam den Kopf , ohne ihm das Gesicht zuzuwenden . Der Portugiese trat dicht an die Bank heran und bog sich zu dem jungen Mädchen nieder . » Sie machen es nicht besser als die Leute da drüben , Gräfin « , sagte er mit gedämpfter Stimme . » Sie lassen sich durch die rauschende Musik