hervor . Im selben Augenblicke hatte Johannes den Wagen erreicht , sich den Pferden in die Zügel geworfen und sie mit einem gewaltigen Griff zum Stehen gebracht . Dann bückte er sich und zog ein kleines reizendes Mädchen leblos unter dem Wagen hervor . Mit einem furchtbaren Blick auf die Gräfin nahm er das Kind in die Arme und murmelte : „ Ich hab ’ s gedacht ! “ „ Ist es tot ? “ fragte die Gräfin schreckensbleich und mit Mühe die aufgeregten Pferde bändigend , während der Groom große Steine unter die Räder legte . „ Tot nicht , “ erwiderte Möller , „ aber jedenfalls schwer verletzt . “ „ Welch ein unglücklicher Zufall , “ klagte die Gräfin außer sich . „ Kein Zufall , “ erwiderte Johannes finster und vorwurfsvoll , „ sondern die unausbleibliche Folge eines Tuns , wie das Ihre , Frau Gräfin . “ Er setzte sich ohne Weiteres auf den Rain und begann , das Kind zu untersuchen . „ Das kommt davon , “ murmelte er mit mühsam verhaltenem Groll , „ wenn Frauen die Zügel führen ! “ „ Möllner , machen Sie mir keinen Vorwurf , “ bat die Gräfin . Er beachtete sie nicht mehr , er hatte nur noch Sinn für das arme Opfer , das er auf den Knieen hielt . „ Wem gehört das Mädchen ? “ fragte er die herbeieilenden Gespielen . „ ’ S ist Kellers Käthchen , “ jammerten die Kleinen . „ Ach — unser herziges Käthchen ! “ Einige umringten Johannes , Andere liefen zur Kirche , um die Eltern zu holen . Johannes band sein Taschentuch dem Kinde mit zarter Hand um die blutende Stirn und zog behutsam das schwere Bauernmieder aus , das Schultergelenk zu prüfen , welches ihm gebrochen schien . Die Worronska verschlang dies Bild mit neidischen Augen . Sie sah nur ihn , sah nur die Anmut seiner Bewegungen , die schöne Sorgfalt , mit der er das Kind pflegte , und wie glühende Lava strömten die Worte über ihre Lippen : „ O , wäre ich das Kind ! “ Johannes hörte diese Huldigung nicht . „ Der Arm wird nicht zu retten sein , “ sagte er dumpf . „ Das Beste ist , Frau Gräfin , Sie fahren in die Stadt und schicken sogleich mit Ihrem Wagen den Professor Kern oder sonst Jemanden von der chirurgischen Klinik heraus . “ „ Möllner , “ flehte die Gräfin , „ ich gehe nicht eher , als bis ich weiß , daß Sie mir mein Versehen verziehen haben . “ „ Ich bitte , eilen Sie , Gräfin , Ihre nächste Pflicht ist , für das Kind zu sorgen — auch befürchte ich Unannehmlichkeiten für Sie , denn da kommen schon die erzürnten Bauern auf uns zu . “ Wie aufgestörte Bienen quoll ein summender drohender Schwarm aus der Kirche und ergoß sich in wenigen Minuten den Hügel herab um die Fremden . „ Was ist geschehen ? “ „ Wer ist verunglückt ? “ „ Ein Kind überfahren ? “ So klang es entsetzensvoll von Mund zu Mund und Jeder wollte sich zuerst überzeugen , ob es nicht sein Kind sei . Aber der erste Schreck machte sogleich dem Zorne Platz , denn Käthchen , das schelmische , muntere Käthchen Keller war ja der Liebling des ganzen Dorfes und Jeder nahm Teil an ihr und Jeden durchzuckte es , als er die gesunde frische Blume so mutwillig geknickt daliegen sah . Wem hatte das Kind etwas zu Leide getan ? Wen hatte es nicht erfreut mit seinem heiteren Lächeln , — wer hatte nicht gern in das runde , unschuldsvolle Gesichtchen geschaut ? Und der tollen Laune einer übermütigen Fremden zu lieb sollte dies harmlose , liebe Geschöpfchen so elend zu Grunde gehen ! Was hatte dies rasende Weib in dem stillen Dorfe zu schaffen , um den Frieden des Feiertages zu brechen und armen Tagelöhnern ihr Bestes zu morden , was sie hatten ? ! Verwünschungen und Flüche waren die Antworten auf alle diese Fragen , die mit Blitzesschnelle durch die vom Wein schon ohnehin erhitzten Köpfe fuhren , und den Frevel zu rächen , das nächste Gefühl . „ So ein Himmelsakramentsweibsbild , “ begann Einer laut — „ so unsinnig zu fahren ! “ „ Wo hattet Ihr denn Eure Augen ? “ Ein Anderer , „ Solch ein Kind fährt man doch nicht zusammen wie einen Hund , da weicht man doch aus . “ „ Sie hat gedacht , auf ein Bauernkind kommt nichts an , “ höhnte ein Dritter . „ Wer wird aber auch vier Pferde nebeneinander spannen , “ riefen Mehrere . „ Das Stadtvolk weiß vor Übermut nicht mehr , was es machen soll . “ „ Kreuzdonnerwetter noch einmal ! “ schrie ein stämmiger Bauer , „ schwatzt nicht lange , greift zu — sie soll mit uns auf die Gerichtsstube . “ „ Ja , ja — zum Bürgermeister , “ brüllte der Haufe durcheinander . Johannes war in der peinlichsten Lage . Er hatte immer noch das Kind auf dem Arm , das ihm Keiner abnahm . Er konnte es nicht wegbringen , er durfte die wehrlose Frau nicht allein den Insulten des Pöbels preisgeben . Er suchte den Leuten zuzureden , — doch umsonst , man achtete nicht auf ihn . Alle hatten noch vor wenigen Minuten die Gräfin an der Kirche vorüberrrasseln gehört und gesehen — auf sie fiel alle Schuld und aller Groll . Johannes machte der Gräfin , die aufrecht im Wagen stand und verächtlich auf das Volk niedersah , ein Zeichen fortzufahren , doch sie rief ihm zu : „ Croyez vous , que je craigne la canaille ? Je ne quitterai pas cette place sans que vous veniez avec moi . “ 58 Da kreischte eine Stimme durch den Lärm : „ Jesus Maria , mein Kind , mein armes Kind , “ und