nirgends hoch im Preis ; auch hatte sie keine Empfehlungen , keine Zeugnisse , nichts , worauf sie hinweisen konnte . Schließlich hatte sie den Einfall , ob sie nicht ihre Blumenkünste verwerten könne . Sie ging zu einem Blumenhändler am Lorenzerplatz und nahm einen aus Nelken und Reseden gewundenen Kranz mit , den sie tags zuvor verfertigt . Sie sagte , sie verstehe sich auf die Hantierung und habe auch hübsche Sträuße gemacht . Der Mann lachte und antwortete , für dergleichen habe er wenig Verwendung , und wenn sich auch Käufer fänden , sei die Bezahlung allzu gering , als daß dem Fräulein die Arbeit lohnen könne . Tief entmutigt trug Lenore ihren Kranz wieder heim . Sie sah ja selbst , was für ein vergängliches Ding es mit den Blumen war ; am Abend welkten sie schon dahin . Sie hatte nicht wahrgenommen , daß ein Herr , als sie den Laden des Blumenhändlers verlassen , auf der andern Seite der Straße stehen geblieben war , um ihr nachzuschauen . Es war ein hagerer , junger Herr von verdrossenem , bläßlichem Aussehen , ein Herr mit einem Drosselbart-Kinn . Er schaute lange in die Richtung , nach der sich Lenore entfernt hatte . Sicherlich hatte etwas im Wesen und im Gesichtsausdruck des Mädchens seine besondere Aufmerksamkeit erweckt , ein Gefühl , das edler war als Neugierde und ernster als das Wohlgefallen eines Müßiggängers . Der junge Herr setzte sich endlich in Bewegung , stelzte gravitätisch über den Platz und betrat den Laden des Händlers . Eine Weile später riß der Blumenhändler , ein bejahrter Mann mit einer Säufernase , die Türe auf und zugleich sein Käppchen vom Kopf , und dies wie auch sein tiefer Bückling verkündeten den benachbarten Ladeninhabern , daß er ein nicht alltägliches Geschäft mit dem jungen Herrn abgeschlossen habe , der mit lässigen Schritten von dannen ging . Am nächsten Morgen kam ein Bursch zu Lenore , der Abgesandte des Blumenhändlers , und richtete ihr aus , sie möge sogleich zu seinem Prinzipal kommen , er habe ihr was Wichtiges mitzuteilen . Lenore folgte dem Ruf und als sie im Laden des Händlers war , begrüßte sie der mit einer seltsamen Artigkeit und sagte ihr , es habe sich gestern noch ein Liebhaber für derlei Sträuße und Kränze gefunden , wie sie ihm gezeigt , und er könne ihr in jeder Woche zwei , nötigenfalls auch drei Stück zu je zwanzig Mark abnehmen ; sie solle sich nur fleißig dranhalten , bei solchem Glücksregen müsse man das Schaff vor die Türe stellen . Das einzige , worum er sie ersuche , sei Verschwiegenheit , die betreffende Kundschaft wolle weder gesehen werden , noch sich mit Namen nennen ; offenbar stecke dahinter eine Schrulle , wie man sie bei vornehmen Leuten häufig finde . Wer war seliger als Lenore ! Sie machte sich gar keine Gedanken über das Ungereimte und Märchenhafte in dem Angebot eines Mannes , der ihr vorher so schlau und vorsichtig erschienen war . Sie glaubte ohne weiteres an die wortreiche Erzählung des Händlers , glaubte , daß es in dieser Stadt und unter ihren Menschen einen Sonderling gäbe , der für ihre Blumengebinde solch fürstliche Preise aus reiner Liebhaberei zahlen wolle . Sie war nicht verwöhnt vom Glück , dennoch erweckte die Wandlung der Umstände durchaus keinen Argwohn , ja nicht einmal Befremdung in ihr ; sie war zu froh , um zu mißtrauen , zu dankbar , um zu zweifeln , und sie dachte nur an Daniel und daß er nun gerettet war . Den ganzen Weg nach Hause lächelte sie traumverloren . Dann saß sie Abend für Abend bei den Blumen , die sie am Vormittag aus dem Wald , von den Wiesen und aus den Gärten hinter der Feste geholt hatte . Dort war ein alter Gärtner , der sie begleitete und ihr immer die prächtigsten Zierblumen aussuchte . Auch hatte er einen lahmen Sohn , der verliebte sich in Lenore und stand meist mit strahlender Miene an der Pforte , wenn sie kam . Er versprach ihr auch für den Winter Blumen aus den Treibhäusern . Der Metzger wurde bezahlt , der Bäcker wurde bezahlt , der Drogist wurde bezahlt , die Miete wurde bezahlt , und Philippine riß die Augen auf , schüttelte den Kopf und sagte , da sei etwas nicht geheuer ; was es sei , werde gewiß ans Tageslicht kommen , und wenn ' s der Hinkel vom Mist kratzen sollte . Sie berichtete den Leuten von einem Gespenst , welches allnächtlich auf dem Dachboden des Hauses sein Unwesen treibe und einmal , bei Mondschein , rannte sie schreiend aus ihrer Kammer und beteuerte , ein knöcherner Finger habe ans Fenster geklopft . Lenore aber band Rosen und Levkoien und Tulpen und Stiefmütterchen und Moosblumen und allerlei anderes Gewächs zu reizenden , teppichartigen Gebilden oder zu Girlanden ; mit vieler Liebe gab sie sich dieser Beschäftigung hin und atmete dabei in solchen Wohlgerüchen , daß ihr manchmal schwindlig wurde . Dann lehnte sie sich aus dem offenen Fenster und sang leise in die Nacht hinein . Daniel wußte nichts von ihrer Tätigkeit . Wie er sich um die Not nicht gekümmert hatte , so fragte er auch jetzt nicht , woher die Fülle kam . 8 Kurze Zeit nach dem Tod Gertrud Nothaffts war Eberhard von Auffenberg in die Stadt zurückgekommen . Die letzte große Summe , die er ein Jahr zuvor von Herrn Carovius erhalten hatte , war nahezu aufgebraucht . Er fand Herrn Carovius in seinem Betragen ihm gegenüber bedeutend verändert . Herr Carovius erklärte , daß er ruiniert sei und kein Geld mehr aufbringen könne . Statt zu wehklagen oder zu prahlen oder seinen freiherrlichen Freund zu umschmeicheln und anzustacheln , wie er sonst getan , hüllte er sich in ein Schweigen , das nichts Gutes hoffen ließ . Eberhard hatte nicht Lust , zu bitten . Die Person des Herrn Carovius war ihm zu verächtlich , als daß