doch Jul sagte : » Wir verstehen ' s halt nit . Ich weiß : Was er tut , ist ein Nutzen für uns . « Und während da nun dreihundert Kehlen so kräftig sangen , daß von dem Marschlärm hinter dem Fuchsenstein nichts mehr zu hören war , kam ein Trabant des Herrn Seipelstorfer über den Wall heruntergesprungen und winkte dem Runotter : » Kommen sollst du ! Ein Gnadnischer Herr steht vor dem Wall , mit Botschaft für dich . Der Jungherr Someiner . « Der Name wirkte auf die drei wie ein Lanzenstoß . Malimmes warf einen brennenden Blick nach dem Buben , der sich auf eine wunderlich sinnlose Weise plötzlich gegen die Mähne seines Gaules beugte . Runotter , in dessen Augen nach dem schweren Trank dieses Mittags eine dumpfe Ruhe gewesen war , verfärbte sich . Er sagte rauh : » Der soll seine Botschaft dem Hauptmann kundtun ! Nach Zwiesprache mit Gadnischen Herren dürstet mich nit . « Da hob der Bub den schimmernden Helm mit dem Reiherbusch . Ein irres Flehen war in seinen großen Augen . » Red mit ihm ! Der tät nit bringen , was ein Ungutes wär für dich ! « Der Bauer sah den Buben an - und sah dem Trabanten nach , der gegen die Sperrschanze hinauf sprang - und sagte müd : » Ist schon vorbei . « Herr Seipelstorfer winkte vom Wall herunter . Er rief auch etwas . Doch unter diesem brüllenden Gesang verstand man ' s nicht . Ein heißes Drängen : » Vater ! So geh doch , Vater ! « Runotter schien nicht zu hören und war auf seinem Gaul wie eine steinerne Säule . In Zorn schimpfte Malimmes : » Gotts Teufel , so rumpelt doch fürwärts ! « Er versetzte dem Schimmel einen heimtückischen Fußtritt gegen den Hinterbacken . An so grobe Behandlung war das brave Rößlein nicht gewöhnt . Schnaubend surrte es gegen die Sperrschanze hin . Und Malimmes - in einer Aufregung , als ginge es jetzt um Hals und Leben - faßte den Zügel des Falben und hetzte gegen den Fuchsenstein hinauf . » Komm , Bub ! Ich laß meinen Herren nit aus dem Aug . « Nun waren Jul und der Söldner zwischen den Schanzen der verschwundenen Geschütze , sahen den Runotter beim Hauptmann steher und konnten über die Sperrschanze hinausgucken auf das Aschenfeld . Da draußen hielt ein eisgrauer Reiter . » Siehst du ihn ? « tuschelte Malimmes . » Daß er so grau ist , kommt von der fliegenden Äsch da draußen ! « Man sah die grauwehenden Schleier , die der Sonnenwind von dem Aschenfeld emporwirbelte ; sie waren so dicht , daß man die zwei ferner stehenden Gadnischen Hofleute mit den weißen Flatterzipfeln manchmal nur als verschwommene Schemen gewahrte . » Siehst du ihn ? Er ist nit allweil so grau , ist wie ein jungs Bäuml im besten Saft . Und heut in der Früh , da ist er gewesen wie der heilige Jörg , der dem Teufel ins Maul speit und lacht dazu ! « Auch Malimmes wollte lachen . Doch mit gut gespieltem Schreck verstummte er , als das brennende Gesicht des Buben so jäh herumfuhr . » So , jetzt hab ich mich schiech verschnappt . Jetzt muß ich schon alles redlich bekennen . Heut hab ich dich grauslich angelogen . Eine Dummheit gesteht man nit freiwillig ein . Weißt , ich hab wieder eine von meinen Narreteien gemacht , und da haben mich die Salzburger beim Zwickel erwischt . In elenden Todsnöten bin ich gewesen , und es hat mir der Hänfene schon das Zäpfl gedruckt - « » Jesus ! « stammelte der Bub erblassend . » Aber da ist der Jungherr bei mir gewesen wie ein paradiesischer Engel , hat mich herausgehoben aus aller Not , hat mir den hilflosen Buckel gedeckt und hat mich aus dem Tod wieder reiten lassen ins lustige Leben - auf seinem eigenen Gaul ! Guck , Bub ! Das feine Rössel , auf dem ich da hock , das ist des Jungherren Kriegsroß . « Eine zitternde Knabenhand tastete nach Hals und Mähne des schönen Pferdes . » Gelt ! Ein fürnehmes Rössel ! « beteuerte Malimmes . » Hat den Loys mit der Herzogskrone auf der Schattenseit ! « Für dieses Wichtige schien der Bub kein Ohr mehr zu haben . Die mit Stahl geplattete Hand in die Mähne des Ingolstädter Gaules klammernd , beugte er sich im Sattel vor , und seine großen Augen glänzten gegen das Aschenfeld hinaus . Malimmes tat einen schwülen Atemzug . Das war in dem Augenblick , als man auf der Sperrschanze den Runotter an einem Seil hinunterließ über den Steilhang des hohen Walles . Unter dem Gewicht der eisernen Wehr und seines schweren Körpers versank der Bauer bis zu den Waden in die angewehte Asche . Ein paar Schritte machte er noch . Dann blieb er stehen , mit den Fäusten auf dem Schwertknauf . Lampert Someiner trieb seinen grau gewordenen Rappen gegen den Bauern hin . Er beugte sich nieder und bot dem Runotter die Hand . Der nahm sie nicht . » Richtmann - « » Jetzt bin ich Kriegsknecht . « » Sei , was du magst ! Mir bist du immer der gleiche . Ich bin gekommen - « Lampert räusperte sich . Er mußte die kranke Stimme plagen , um bei diesem sonderbaren Liedergebrüll verständlich zu werden . » Ich bringe Frieden , Runotter ! Für dich ! « » Da wird wohl Krieg bleiben ! « sagte der Bauer hart . » Runotter ! Du bist ehrlich - sag mir , wie alles war in der Ramsau . Ich selber weiß , wie es war auf dem Hängmoos - « » Da heißt man ' s jetzt : in der Mordau . « » Gott seis geklagt : Dieser Name hat Wahrheit ! Aber höre mich , Runotter ! Ich habe Vollmacht