Mühsal und Einsamkeit , schmerzlich in sie ein . Aber trotz aller Bedenken und Beschwerden sollte die Reise angetreten werden , - denn sie schien » erlaubt « - in dem Sinne , wie Eva das Wort verstand ; ja sie erschien geboten . Sollte sie über Genua , Mailand oder Verona fahren , die Strecke über den Simplon , den Gotthardt oder den Brenner wählen ? Fuhr sie über den Gotthardt , so war sie den italienischen Seen nicht fern . Sollte sie Werner aufsuchen ? Auch diese Frage tauchte auf , aber sie verneinte sie schnell . Der mußte noch lange sich selbst allein überlassen bleiben , und ihr Erscheinen wäre ein heftiger Eingriff in den geschlossenen Zustand seines jetzigen Daseins gewesen . Wäre Edda noch in Genua gewesen oder selbst an der azurischen Küste , so würde sie den Weg über Genua gewählt haben , um sie hier zu treffen . Aber Edda lebte in Paris , wo Mr. Macpherson sie im Frühling abzuholen pflegte , um dann bis zum Herbst mit ihr im Car durch Europa zu reisen . In seine Heimat war sie ihm nicht gefolgt , denn es hätte weder seinen noch ihren Wünschen entsprochen , in Heimlichkeit neben der gesellschaftlichen Sphäre , in der er zuhause war , sich zu verbergen ... So traf sie ihn nur , wenn er in Europa war und lebte in der übrigen Zeit in Paris , im Rahmen der Gesellschaft , die der Witwe des berühmten Gelehrten Tür und Tor geöffnet hatte . Ihre sehr diskret gepflegten Beziehungen zu dem amerikanischen Millionär , von denen man munkelte , begegneten hier gefälliger Nachsicht und vollem Begreifen . Man fand sie » belle à miracle « , und das vornehme , kleine Hotel , das sie mit ihrer Dienerschaft bewohnte , wurde von den Angehörigen der besten Kreise , in die sie die Familien hervorragender Ärzte eingeführt hatten , gern besucht . So war auch dieses Leben - nach zwei Seiten hin , - befriedigend geordnet ... Eva wohnte nun nicht mehr in der Nähe des Grunewalds , sondern war mit ihrem Töchterchen ganz ins Haus von Frau Wallentin übersiedelt , deren letztes Sehnen an der Heimkehr ihres Sohnes Florian und dem werdenden Leben hing , das Eva unter dem Herzen trug . Als Olga abreiste , war ihr Zustand schon weit vorgeschritten und das Bildnis der hoffenden Frau , die auf dem Bahnsteig stand und so lange mit dem Tuche winkte , als der Zug zu sehen war , war das letzte , das Olga aus jener Stadt , die ihr fast eine Heimat geworden , mitnahm . Noch in München , wo scharfe Herbststürme wehten und der Regen täglich ein paarmal den Menschen auf die Köpfe fiel , wollte die Schwermut nicht von ihr weichen . Aber als sie sich am ersten Morgen in Florenz die Augen rieb , - das Licht in klarer Stärke durch die Fenster hereinbrach , und über dem lauten , bunten Straßenleben die Sonne so festlich glänzte , als hätte sie sich zu ihrem besonderen Willkomm gerüstet , da fiel mit einem Schlage alles , was ihr Wesen bedrückt und niedergeschwert hatte , von ihr ab . Die Reaktion ihrer Natur auf die Atmosphäre des Südens , auf dieses Klima , diese Luft , dieses Licht , diese starken Farben und scharf umrissenen Formen , war eine vehemente . Stufenweise begann sie sich in den großen Kunstepochen , deren Monumente Florenz umschloß , zurechtzufinden . Sie begann mit Giotto , stieg weiter hinauf zu den Entzückungen des Fra Angelico , schwang sich in die reineren Höhen des Ghirlandajo ; von Bruneleschi kam sie zu Michelozzo , und von da erst näherte sie sich zagend den Höhen Michelangelos . Hier , in Florenz , sah sie zum erstenmal die Entwürfe zur Sixtinischen Kapelle , und ihr Herz klopfte höher , wenn sie an Rom dachte . Aber mehr noch als die Schätze der Museen und die Wucht der Paläste gab ihr die Umgebung . Dieser Kranz von Bergen , dicht mit kleinen Dörfern und Villen besäet , überragt vom alten Fiesole , von Obst , Oliven und Reben beladen , die jetzt in herbstlicher Glut standen , von Zypressen und Pinien gekrönt , - dieser Kranz , der sich da um die Stadt herumschloß , übertraf all ihr Erwarten . Als sie hoch oben in Fiesole , auf dem uralten Platze stand , auf dem das Etruskische Museum steht , vor sich die große Treppe sah , über welche gerade ein Kapuzinermönch hinunterging , als sie diese weite Hügellandschaft in deren Mulden Florenz liegt , überblickte , da schien sie sich selbst wie von einem Alpdruck erlöst . Sie war den ganzen Nachmittag in den etruskischen und römischen Ruinen und in dem kleinen antiken Museum da oben herumgestiegen , und der Sinn , der sie befähigte , diese alten Schätze zu betrachten , war ihr ein durchaus neuer . Niemals hatte sie gedacht , daß man einen versteckten Sinn für Archäologie urplötzlich in sich entdecken könnte . Vielleicht war es nur ein hohes körperliches Wohlbefinden , das sie befähigte , ihre Augen auf den Dingen ruhen zu lassen und liebevoll ihren Formen nachzugehen . Manchmal war ihr , als sähe sie das helle Antlitz Manfreds , welches sie mahnte : betrachte - betrachte liebevoll die Erscheinung ... Wenn sie nun an ihn dachte - wie er gelebt und wie er gestorben , - dann war es ihr , als ob auch über diesem jähen Verschwinden eine geheimnisvolle Logik des Schicksals läge ... Denn von dem bestehenden Heute zum kommenden Morgen , zu seiner Zeit , war - so schien es ihr - ein zu weiter Weg , um ohne Stufen genommen zu werden . Zwischen der Gegenwart und zwischen dem neuen Tag , den er sah , mußten Übergänge liegen , damit sein Werk zu reiner Wirkung gelange . Und seine Erscheinung war aufgeleuchtet und verschwunden , wie die Fata Morgana eines möglichen