es nicht ertragen konnte , daß er nach seinem Austritte von der Armee nicht mehr für vollgültig im Salon angesehen wurde , daß ihn alles mißtrauisch , kaum mit notwendiger Höflichkeit behandelte , trug sich ernstlich mit dem Entschlusse herum , das wieder ins Gleichgewicht zu bringen . So selbständig er auch zu sein glaubte , so sehr hing er hoch von seiner Umgebung ab und von der Meinung derselben . Achtung , ja fast mehr als Achtung war ihm Bedürfnis , und das konnte ihn sogar vermögen , gegen seinen eigenen Glauben zu handeln , bessere Einsicht zu nehmen , und sich einer Gewöhnlichkeit unterzuordnen , welcher er sich weit überlegen fühlte . Hippolyt hatte ihn zwar einmal mit der Behauptung eingeschüchtert , der Einfluß von dem , was uns umgibt , ist stärker als alle Philosophie , er macht uns zum völligen Sklaven , sobald , wir allen Trotz aufgeben . Valerius bebte vor dieser Sklaverei , namentlich bei seinen jetzigen Umgebungen , aber er hielt es ebenso auf der andern Seite für das Wesentlichste einer geselligen Kultur , dem verletzenden Widerspruche , der beleidigenden Absonderung , dem Rechtbehalten soviel als möglich aus dem Wege zu gehen . » Nur der hat recht , « pflegte er oft zu sagen , » der nicht recht haben will . « Diese Nachgiebigkeit ward nun auch sehr gefördert durch die überschwellende Stimmung einer neuen Liebe . » Was ist wahr , was ist notwendig , « rief er lachend , » in den verworrenen geschichtlichen Zuständen dieser Welt ? Ich weiß es nicht , denn es wechselt wie die Witterung . Nur die Liebe ist ewig , und die Versöhnlichkeit ist darum immer die sicherste Tugend . « So ward es Stanislaus nicht schwer , den desertierenden Deutschen wieder zu gewinnen . Er versprach , wieder einzutreten , sobald es ans Fechten ginge . Und so war alles im trefflichsten Gleise , und ein wunderlicher Humor ergoß sich über Gedanken und Worte Valerius ' . Keine einzige seiner wichtigen Gesellschaftsfragen war gelöst , aber die Harmonie nach außen war hergestellt , sein Herz auf das Süßeste beschäftigt . Und bei solcher Gelegenheit , wo wir eigentlich im tiefsten Innern hören : es ist keineswegs alles in Ordnung , wo wir aber halb und halb die Hoffnung aufgegeben haben , die widerstrebenden Massen zu bewältigen , und wo uns dieser oder jener Reiz für den Mangel einer völligen Harmonie entschädigt , da kommt uns der Humor , ein beschwichtigender Tröster . Tief in den Winkeln seines Lächelns ruht zwar ein ewiger Schmerz , aber dieser hebt nur das Lächeln um so mehr , wir fühlen die Notwendigkeit , uns selbst zu erhalten , und jenen Schmerz unberührt zu lassen . In dem Lächeln liegt auch ein so heimatlicher Zug , ein Erinnern an die Kindheit , an die Tage , wo wir noch völlig unschuldig waren , eine Stimme sagt uns : Dies Lächeln ist echt , stammt aus dem Ursprünglichen deiner Natur , aber der Schmerz ist erst gekommen mit der erworbenen Bildung , folge deiner Natur und lächle . Daher kann es auch nur Humor geben , wenn die Bildungszustände in Gärung und Wechsel geraten sind und sich neu gestalten wollen . In sogenannten klassischen Perioden , wo die eben kursierende Aufgabe der Zeit gelöst , wo alles fertig und bestimmt ist , was man Tugend , Gesetz , Schönheit nennt , da gibt es keinen Humor . Die Juden , Griechen und Römer mit ihrer fertigen Welt kannten ihn nicht . Der alte Graf versäumte in seiner guten Stimmung nicht , die humoristische Laune des Deutschen durch artige , geistreiche Bemerkungen zu unterstützen , Stanislaus lächelte dazu , obwohl man leicht bemerken konnte , daß ihm das eigentliche Verständnis dieser Stimmung abging . Alle einseitigen Völker wie die Polen , besitzen keinen Humor , dessen Existenz die größte innere Mannigfaltigkeit bedingt . Dieser Mangel erschwert dem Deutschen das behagliche Zusammenleben mit solchen Nationen , zu denen auch die Franzosen gehören . Schnelle , kurze Handlungen , welche diese Völker bezeichnen , haben nichts zu schaffen mit der breiten Basis des Humors und seiner alles umfassenden Natur . Auch Konstantie gehörte eigentlich nicht in diesen Bereich , ihr entschlossener Geist war nicht daran gewöhnt , nach allen möglichen Richtungen zu blicken , aber die Liebe lehrt alles . Wenn sie Valerius in dieser heitern , beweglichen Laune sah , da fühlte sie sich überaus glücklich und gehoben , sie erkannte darin die frische Einwirkung ihres Liebesverhältnisses , das deutsche Naturell und die feinen Auffassungsorgane der Neigung erleichterten ihr das Verständnis dieser ungewöhnlichen Sprünge des Geistes und Herzens , und so bildete sich bald ein Zirkel der ergötzlichsten Unterhaltung . Hedwig schwamm in ihrer jugendlichen Heiterkeit mit darin herum und schickte sich auf das Beste zu dieser in Polen so fremdartigen Konversation , denn die Frauen verstehen alles schnell , wo das Herz seine Töne beisteuert , und so hatte sich bald ein bestimmter Kreis gebildet im Salon , welcher scherzhaft » der deutsche Klub « genannt wurde . Valerius war auch am Tage öfters im Hause des alten Grafen , und unter dem steten Wünschen , den weißen Schal bald zu erblicken , unter Scherzen und Lachen verstrich ihm die Zeit . Sehnsüchtig blickte er wohl täglich nach der Tür , durch welche die Fürstin erscheinen sollte , sie kam , aber das weiße Freudenzeichen fehlte immer . Einige Male flüsterte sie ihm zu , der alte Herr sei nicht ohne Argwohn , so freundlich er aussehe , sie glaubte sich streng beobachtet . So standen die Sachen , als Valerius am Abende des 30. März in den Salon trat . Es waren viele Militärs zugegen , und es schien eine ungewöhnliche Bewegung zu herrschen . Sie äußerte sich indessen nicht laut und stürmisch wie zumeist , sondern dadurch , daß sich die Gesellschaft in mehrere Gruppen gespalten hatte , in welchen einzelne Redner mit halber Stimme lebhaft ,