war . Ein blauseidenes , miteingeheftetes Band , das Einzeichen bildend , lag bei dem dreizehnten Kapitel des ersten Korintherbriefes , welches bekanntlich beginnt : » Wenn ich mit den Zungen der Menschen und der Engel redete und hätte aber die Liebe nicht , so wäre ich wie ein tönendes Erz oder wie eine klingende Schelle « u.s.w. Ich hatte die auf Seite 219 dieses Buches bereits angeführten acht Zeilen in meinem Notizbuche stecken , nahm dieses Papier heraus , und ließ mir von dem Kellner Tinte und Feder geben . Das Einzeichen ließ mich vermuten , daß die angegebene Bibelstelle diejenige sei , welche man entweder zuletzt gelesen habe , oder überhaupt gern aufzuschlagen pflege . Zudem paßte sie wie fast keine andere zu dem Inhalte des Gedichtes . Darum probierte ich die Tinte auf ihre gleiche Schwärze und gab der Strophe die Ueberschrift » 1. Korinther 13. « Als es trocken geworden war , legte ich das Papier in dieses Kapitel und hüllte dann das Neue Testament genau wieder so ein , wie es gewesen war , hierauf gab ich es dem Malaien zurück , fügte ein Trinkgeld hinzu , um seine Verschwiegenheit zu belohnen und sagte : » Du kannst den Tuwan nicht sprechen , denn es darf Niemand zu ihm , weil er krank ist . Aber du wirst nach seiner Tochter fragen und ihr das Buch geben , nur ihr , keiner andern Person . Verstanden ? « » Ja , « nickte er . » Es darf Niemand erfahren , daß ich Etwas in das Buch gelegt habe . Du wirst also weder ihr noch einem andern Menschen sagen , daß du mich hier gesehen oder gar mit mir gesprochen hast ! « Er steckte das Trinkgeld ein und versicherte : » Ich schweige wie ein toter Baum , der keine Blätter mehr hat . Er kann nicht einmal mehr flüstern ! « » Du wirst mich überhaupt gar nicht erwähnen , auch gegen den Tuwan Governor nicht , wenn du ihm den Brief deines Priesters gibst . Und dann , wenn du deine Botschaft ausgerichtet hast , kommst du wieder hierher , um noch eine zweite Belohnung zu erhalten . Ich muß wissen , ob du Alles genau so hast tun können , wie ich es wünsche . « » Werde ich auch den großen Sahib aus China treffen , dem wir so gern gehorchen , weil wir seinen Vater lieben ? « » Wenn du es wünschest , ja . Aber auch er darf nicht erfahren , daß du hier bei mir gewesen bist und wieder zu mir kommen wirst ! « » Du brauchst keine Sorge zu haben . Ich weiß von unserem Priester , daß Ihr gute Menschen seid , die absichtlich Böses niemals tun . Es ist also nur Erlaubtes , was du von mir verlangst , und ich werde es genau so tun , wie du gefordert hast . « Er verbeugte sich tief und ging . Es dauerte fast ein Stündchen , ehe er zurückkehrte . Aber er kam nicht allein , sondern mit meinem Sejjid Omar . Sie führten sich Hand in Hand wie Brüder . Er mochte ahnen , was ich dachte , und sagte darum schnell : » Zürne nicht im voraus , sondern höre erst , was ich sage ! Dieser mein Freund hat nichts erfahren , gar nichts , kein Wort . Er sieht erst jetzt , daß du dich hier befindest . Er ist dein Diener , und er ist dir treu ; das weiß ich ganz gewiß . Dennoch werde ich auch weiter zu ihm schweigen . Aber ich bitte dich , für jetzt mit ihm zusammenbleiben zu dürfen . Mein Weg war weit ; ich habe mich auszuruhen , und er will mir dabei Gesellschaft leisten . Dein Wille ist geschehen , ganz genau so , wie du es mir sagtest . « » So soll auch der deinige geschehen . Ich sehe , daß ihr eines Herzens seid , und finde es also begreiflich , daß deine Reise meinen Sejjid Omar ebenso ermüdet hat wie dich selbst . Ihr mögt Euch also mit einander stärken . « Ich reichte ihm das versprochene zweite Backschisch in fürsorglicher Verdoppelung hin , und er steckte es zu sich . Omar aber erklärte : » Hier brauchst du es nicht , sondern du nimmst es mit heim . Du bist mein Gast , denn ich bin Sejjid Omar , und ich liebe dich ! « Dann schritten sie Hand in Hand mit einander von dannen . Als sie sich entfernt hatten , ging ich nach Hause , wo ich mich bis zum Abendessen mit den erwähnten schriftlichen Arbeiten beschäftigte . Es war Alles still . Keiner der Freunde ließ sich sehen , obgleich doch anzunehmen war , daß die Uebersendung des Buches und des Briefes irgend eine Wirkung hervorgebracht haben müsse . Der Grund lag darin , daß man sich die Mitteilung bis zum Essen vorbehalten wollte , weil wir da Alle beisammen waren . Tsi kam auch . Nur Mary fehlte . Sie zog es auch jetzt noch vor , sich selbst während des Mahles nicht von dem kranken Vater zu entfernen . Sobald wir uns an den Tisch gesetzt hatten , bemerkte ich , daß die Freunde innerlich beschäftigt waren . Doch schwiegen sie jetzt noch . Sie wollten das , was sie mitzuteilen hatten , nicht gleich bei Reis und Fleisch , sondern erst später bringen . Aber noch waren wir nicht bei dem letzten Gange , den Früchten , angelangt , so konnte der Governor es nicht länger aushalten . Er sagte : » Ich hatte Besuch , ganz unerwarteten Besuch . John weiß es schon . Dem habe ich es mitgeteilt . Ihr Andern würdet es nicht erraten . Darum will ich es lieber gleich sagen . Nämlich der malajische Bote war bei mir , welcher die Betelnuß nach dem Hotel Rosenberg brachte und dann auch mit