selbständig zu machen . Dann sollte geheiratet werden . Von der ganzen Gesellschaft blieb nur einer im Westen zurück , das war Welke , der ehemalige Stallbursche . Der hatte eine Stelle als Kutscher bei einem Fabrikanten der Nachbarschaft angenommen . Die vier Männer arbeiteten noch ihre Aufgabe ab . Endlich war die letzte Schaufel Erde auf die große Rübenmiete geworfen . Nun konnten auch sie reisen . Gustav hatte zum Schluß noch eine häßliche Auseinandersetzung mit dem Inspektor . Die Gratifikation , welche ihm im Frühjahr in Aussicht gestellt worden war , sollte ihm jetzt vorenthalten werden . Und in seinem Kontrakte stand doch , er solle eine Extravergütung erhalten , falls man mit den Leistungen seiner Leute zufrieden sein würde ! - Nun war es außer allem Zweifel , daß diese Gruppe mehr und besser gearbeitet hatte als irgendeine andere . Aber jetzt , wo Gustav erklärt hatte , daß er im nächsten Jahre nicht wiederkommen würde , gab man ihm zu verstehen : man habe keinen Anlaß , ihm die Gratifikation auszuzahlen . Gustav war empört über diese Ungerechtigkeit . Er verlangte , mit Herrn Hallstädt persönlich zu sprechen . Aber auch jetzt noch wurde der Gutsherr wie ein Gott hinter Wolken gehalten ; Herr Hallstädt sei nach dem Süden verreist , hieß es . Das war Wasser auf Häschkes Mühle . Längst hatte er gewarnt , Gustav solle sich vorsehen . Aber der war natürlich wieder der Dumme gewesen in seinem Vertrauen auf die Großen . Nun hatten sie ihn doch übers Ohr gehauen . So waren die Reichen ja alle ! Wenn sie einem armen Luder das Fell über die Ohren ziehen konnten , das war ihnen ein wahrer Hochgenuß ! Gustav hatte früher auf Häschkes Brandreden nichts gegeben . Wenn er ihn dergleichen in Gegenwart der anderen äußern hörte , hatte er ihm wohl das Maul verboten . Jetzt sagte er nichts . Der Gedanke kam ihm , daß Häschkekarl vielleicht nicht so unrecht habe . * * * Häschke hatte schon immer auf Gustav eingeredet , er müsse ihn auf der Heimatreise begleiten . Vielleicht gefalle es ihm dort , und sie fänden ein gemeinsames Unterkommen für die Zukunft . Häschke hatte sich , seit Gustav um sein Verhältnis zu Ernestine wußte , unwillkürlich vertraulicher zu ihm gestellt ; er nannte Gustav neuerdings » Schwager « , und der hatte sich nicht dagegen gesträubt . Gustav ging schließlich auf Häschkes Plan ein . Warum sollte er den Umweg nicht machen ? Er bekam auf diese Weise ein Stück Welt zu sehen , vielleicht fand er sein Glück dabei . Die Zukunft war ja immer noch ungewiß für ihn . Er schickte sein Geld und die überflüssigen Kleidungsstücke an Pauline nach Halbenau , behielt sich nur so viel , daß er ungefähr vierzehn Tage lang damit auskommen konnte . Dann verschafften sich die beiden ihre Arbeitszeugnisse und ließen sich ihre sonstigen Papiere von der Behörde abstempeln . Denn die Hauptsache beim Reisen sei , daß man die » Flebben « in Ordnung habe , erklärte der in solchen Dingen erfahrene Häschke . So machten sie sich eines Tages im Anfang November auf die Reise , den » Berliner « auf dem Rücken und den » Stenz « in der Hand , als echte und rechte Wanderburschen . Ein paar Tage marschierten sie auf der großen Landstraße . Des Nachts schliefen sie in der » Katschemne « , die Häschke , der diese Fahrt schon einmal » abgetippelt « hatte , genau kannte . Da sie » Asche « hatten , gab der » Penne-Boos « auch gerne eine » Hulke « , daß sie nicht » Bankarbeit machen « mußten , wie die Kunden das Schlafen auf der Diele bezeichnen . Die Herbergen zur Heimat vermied Häschke , denn dort war es langweilig , da wurde des Morgens und Abends gebetet , und » Soruff « bekam man nicht einmal , wenn man ihn bezahlte . Da zog er sich die Katschemnen oder wilden Pennen vor , dort gab es immer was zu sehen und zu hören und Schnaps so viel man wollte . Dann trat schlechtes Wetter ein . Häschke schlug daher vor , » mit dem Feurigen zu walzen « , um seine Kleider zu schonen . Sie wandten sich der nächsten Eisenbahnstation zu und lösten sich Billetts dritter Klasse auf Häschkes Rat . In der vierten reiste jetzt wieder allerhand Gesindel , Polacken und Russen , nach der Heimat zurück , und da konnte man am Ende gar » Barach « auflesen . Häschkekarl war in prächtiger Laune . Die Erinnerung an die alte Stromerherrlichkeit war neu in ihm erwacht . » Fremd machen « , wie er das Feiern von der Arbeit nannte , und so dritter Güte durch die Welt kutschieren , das war etwas für seinen leichten Sinn . Und dazu noch das Bewußtsein , einen ganzen Sommer durch bei einer Arbeit und bei einem Mädel ausgehalten zu haben , das hob sein Selbstbewußtsein mächtig . Sie waren ein Paar rechte Kerle , er und Gustav . Es müßte mit dem Teufel zugehen , wenn sie zusammen sich nicht durch die Welt finden sollten ! Das nächste Ziel ihrer Reise war eine große Handels- und Industriestadt im Königreich Sachsen . Mit einer gewissen Wichtigtuerei deutete Häschke seinem Wandergenossen an , daß er dort Freunde habe . Gustav irrte nicht in der Annahme , daß er damit Parteigenossen meine . Häschkes politische Gesinnung war Gustav schon lange verdächtig gewesen . Einmal hatte er ihn direkt zur Rede gestellt : er sei doch nicht etwa ein » Roter « ? Häschkekarl hatte darauf vielsagend gelächelt und vor sich hingepfiffen . Die Roten seien gar nicht so schlecht , war seine endliche Erklärung , die wollten nur das Beste der Menschen . Und gelegentlich hatte er versucht , dem Freunde ein kleines gelbes Büchlein in die Hand zu drücken ; da werde er alles drinnen finden , was man wissen müsse