versperrt . » Lieserl ? « » Ja , Mutter ? « klang es in der Kammer . » Geh , mach auf ! « » Ich lieg schon . Gut Nacht ! « » Gut Nacht , Schatzerl ! Laß dir was Guts träumen ! « Mit diesem Segenswunsch wollte die Zaunerin ihre Schlafstube aufsuchen ; aber da gewahrte sie den Lichtschein , der durch die Ritzen der Tür quoll , und wurde neugierig . Sie guckte durch das Schlüsselloch und sah , daß ihr feines Lieserl vor dem Spiegel saß und sich frisierte , als ging es zur Kirche oder zum Tanz . Schmunzelnd richtete sich die Meisterin auf , schlich auf den Zehen in ihre Stube , und während sie ihren grauen Schopf der Schlafhaube anvertraute , monologisierte sie im stillen : » Schau , jetzt hat er am End doch recht ? Sie muß was im Köpfl haben ! No also , in Gotts Namen ! Warum soll man ihr an unschuldigs Spassetterl net vergönnen ? ' s Madl is gscheit , ' s Madl wird schon wissen , was verlaubt is und was net ! Man is ja nur einmal jung ! « Sie ließ sich in die Federn fallen , streckte sich , legte die Hände auf die Bettdecke und gähnte . Es währte nicht lange , und die Zaunerin schnarchte . Drunten ging der Meister noch überall im Haus umher , versperrte die Küchentür , die Zimmertür und zuletzt das Haustor ; alle Schlüssel zog er ab und schob sie in die Tasche . » So , « brummte er , als er an Lieserls Kammer vorüberkam , » jetzt flieg aus , du Stieglitz , du leichtsinniger ! Heut hab ich den Käfig versichert ! « Er trat in die Schlafstube , öffnete das in den Garten führende Fenster und suchte sein Bett , ohne daß die Meisterin erwachte . Mit offenen Augen lag er neben dem schnarchenden Weib , wälzte seine Vatersorgen , überlegte , wie er sein » narrisches « Lieserl auf » verstandsame « Wege bringen könnte , und sann auf ein Mittel , durch das sich der Eigensinn seiner Tochter brechen ließ und ihr Herz für den braven Pointner-Andres zu gewinnen wäre . Die Turmglocke hatte schon Mitternacht geschlagen , als auch bei Meister Zauner das Bedürfnis nach Schlaf sich fühlbar machte . Da hörte er drunten vor dem Haus ein sachtes Geräusch . Lauschend richtete er sich auf und vernahm ein leises Klirren , als wäre ein Steinchen gegen eine Fensterscheibe geflogen . » Richtig ! Da kommt er schon ! Aber wart , dem will ich heimleuchten ! « Er konnte sich mit dem Ankleiden Zeit lassen , weil er wohlweislich dafür gesorgt hatte , daß Lieserls Absicht , für einen heimlichen Plausch zur Hausbank hinunterzuschleichen , auf Hindernisse stoßen würde . Eben wollte er in die Joppe schlüpfen , als es merklich an der Mauer raschelte . » Da hört sich doch alles auf ! Jetzt kraxelt er gar am Spalier in d ' Höh ! « Der Zauner sprang zum Fenster . Draußen an der Mauer ließ sich ein Brechen von Ästen und Staketen hören , ein erstickter Schrei , der dumpfe Aufschlag eines schweren Körpers . Der Zauner überhörte diesen Lärm , denn in kochendem Ärger hatte er zu schelten begonnen : » Was is denn dös da draußen in der Nacht ? Himmel Kreuz Teufel ! So was möcht ich mir verbitten ! « Er fuhr mit dem Kopf zum Fenster hinaus . Der Garten lag still und dunkel unter ihm . Kein Geräusch in den Büschen , auf der Straße kein enteilender Schritt , kein Laut an Lieserls finsterem Fenster . » Teufel ! Is er am End gar schon herin im Haus ? « Der Meister machte Licht . Die Zaunerin riß die verschlafenen Augen auf . » Was is denn ? Um Gotts willen ! Was is denn schon wieder ? « » Du red nur gar nix , du mit deiner saubern Tochter ! Aber wart , jetzt komm ich ihr mit der Richtung ! « Die flackernde Kerze in der Hand , eilte der Zauner auf die Treppe hinaus und rüttelte an Lieserls verschlossener Kammertür . » Wird aufgmacht oder net ? « Drinnen kein Laut . » Aufgmacht , sag ich , oder ich mach mir selber auf ! « Er wartete den Erfolg dieser Drohung nicht ab , sondern warf sich mit dem ganzen Gewicht seines Körpers gegen die Tür . Die Bretter krachten , und der Riegel sprang . Auf der gewaltsam eröffneten Schwelle stand der Zauner mit erhobener Kerze und leuchtete in die Kammer . Lieserl war allein . In ihrem besten Gewand und kokett frisiert , lehnte sie neben dem offenen Fenster an der Mauer , mit leichenblassem Gesicht , wie gelähmt an allen Gliedern . » Du gottvergessens Madl du ! « So wollte der Zauner seine Moralpredigt beginnen . Da wankte ihm das Mädel verstört entgegen . » An Unglück , Vater ! An Unglück ! « » Ja freilich ! Du ! An Unglück bist für Vater und Mutter ! « Der scheltende Fluß seiner Worte stockte plötzlich ; er schien zu erkennen , daß aus dem entsetzten Gesicht seiner Tochter noch etwas Schlimmeres redete als nur die Angst eines auf Heimlichkeiten ertappten Mädels . » Vater ! Vater ! Unser guter , lieber Herr Graf - « » Graf ? Was Graf ? « stotterte Meister Zauner . » Der junge Herr Graf ! Ans Fenster is er kommen - ich kann nix dafür , ich hab ihm halt gfallen ! Und wie er am Fenster war - « Die Stimme des Mädels versagte fast . » Ich weiß net , was er ghabt hat - gahlings hat er husten müssen , und ' s Köpfl is ihm auf d ' Seiten gfallen , als tät ihm schwindlig sein . Mit alle zwei Arm hab ich griffen nach