Immer die Beine in die Hand . Er ist gelaufen daß es eine Freude war . « » Aber er soll ja doch gesammelt haben « , nahm Rabe wieder das Wort . » Ich entsinne mich der Sache ganz genau . Wie heißt Er ? frug ihn der König , als er ihn die zerstreuten Grenadiere wieder in Reih und Glied bringen sah . Klemm , Euer Majestät . - Na , das ist brav , mein lieber Klemm ; ich werd es Ihm nicht vergessen . Und dann ritt der König weiter . Ich hab es ihn selber erzählen hören . « » Wen ? Den König ? « » Nein , Klemm . « Stappenbeck lachte . » Rabe , du hast bloß einen Fehler . Du glaubst alles . Ich kenn diesen Patron besser . Er ist nicht einer von den Grenadiers , die bei Torgau gesammelt haben , sondern einer von denen , die gesammelt worden sind . Und das mit des Alten Fritzen eigenhändigem Krückstock . Rackers , wollt ihr denn ewig leben ? An diesem allergnädigsten Zuruf hat unser Klemm seinen ehrlichen Anteil . « » Du kannst ihn nicht leiden , Stappenbeck , und auf wen du mal eine Pike hast - « » Den pik ich , aber diesen Feldwebel Klemm noch lange nicht genug . Er ist ein schlechter Kerl durch un durch . Eine Memme , ein Großmaul und ein Schnurrer . « » Ein Schnurrer ? « fragte Rabe . » Ja , ein Schnurrer ist er « , fiel hier Niedlich ein , der rasch erkannt hatte , daß sich die Partie schließlich doch wieder zu Stappenbecks Gunsten entscheiden werde . » Ein Schnurrer ist er . Im Sommer sitzt er auf den Gütern fest , bei den Bredows und den Rohrs , die sind gutmütig ; das ist denn so seine Weidezeit ; un wenn so Anfang Dezember geschlachtet wird , da kommt er schon mit langen Neujahrswünschen , bloß damit er sich wieder in Erinnerung bringt . Er kriegt auch Almosen . Un was für welche ! Ich hab ihn selber die Dukaten putzen sehen . « » Na , na « , sagte Rabe , » wenn er ein hilfsbedürftiger Mann ist - « » Ein Geizhals ist er un ein Schuft dazu « , nahm Stappenbeck , immer mehr sich ereifernd , wieder das Wort und zog den dicken Shawl , der ihn am Sprechen hinderte , etwas tiefer unter das Kinn . » Ich weiß , was ich sage ; er wohnt bei meiner Frau Bruder im Hause ; die kennen ihn ; er ist ein Mantelträger , ein Spion . « » Na , na « , wiederholte Rabe . » Und wenn er kein Spion ist , was ich ihm nicht beweisen kann , wenn ich es auch fest und sicher glaube , so ist er doch eine undankbare Kreatur . Was Niedlich erzählt hat , wie er sich bei den havelländischen Adligen , die ich alle kenne von wegen der Borsten , immer wieder herausfuttert , das war vordem , un das war seine gute Zeit . Ich meine seine ehrliche Zeit . Denn ich bin auch nich so und gönne jedem seine Satte saure Milch un auch noch was dazu . Aber seit Anno sechs kennt unser Klemm die Havelländischen nich mehr . Un auch die andern nicht , wo er sonst sein feldwebliges Einlager hielt . Er hat die Herrschaft gewechselt . Das tut kein Hund nich . Kratzer ! Seht , da kommt er schon wieder . Kusch dich , Kratzer . Es ist ein treues Tier . Aber dieser Klemm , keine acht Tage , daß die Löffelgarde durchs Hallesche Tor gezogen war , so war er schon liebes Kind mit all und jedem , drängte sich an die Generals und machte den Complaisanten . Da gab es denn Louisdors statt der Dukaten . Ein Schweifwedler ist er und ein Gelegenheitsmacher . Und wie er vor Jena die Franzosen samt ihrem Kaiser aufgefressen hat , so frißt er jetzt die Russen auf und zeichnet uns mit Kreide die Mausefalle auf den Tisch , drin er sie fangen will . Aber ich hab es ihm angestrichen . « In diesem Augenblicke klangen zwei französische Signalhörner , bald auch der dumpfe Ton einer Trommel herüber und unterbrachen den Redestrom Stappenbecks , der sein letztes Wort noch nicht gesprochen zu haben schien . Alle vier blieben stehen und horchten auf , denn auch Schnökel war mittlerweile herangekommen . Der letzte , der sich einfand , war Kratzer ; er legte seinen Hals an das Knie seines Herrn , schnoberte in der Luft umher , winselte und gab sich das Ansehen , als ob er auch so seine Betrachtungen habe . » Sie blasen Retraite « , sagte Stappenbeck mit einem Tone , der den Doppelsinn seiner Rede ausdrücken sollte . » Gebe es Gott ! « antwortete Rabe . Dann , während die Hörner verklangen , setzten die Männer ihren Heimweg fort . Vor ihnen lag die Stadt mit ihren tausend Lichtern , bis endlich ein Hohlweg , der vom Plateau aus nach dem Tore hinunterführte , ihnen den Anblick der Lichter entzog . Aber die Sterne des Winterhimmels standen über ihnen und funkelten hell in das neue Jahr hinein . Drittes Kapitel Geheimrat von Ladalinski Das Haus , das der Geheimrat von Ladalinski bewohnte , lag in der Königsstraße , der alten Berliner Gerichtslaube schräg gegenüber . Es war ein aus dem Anfange des vorigen Jahrhunderts stammender , damals auf Geheiß König Friedrichs I. aufgeführter Spätrenaissancebau , der an seiner Fassade durch mannigfache geschmacklose Restaurationen gelitten , im Innern aber seine frühere Stattlichkeit vollkommen beibehalten hatte . Namentlich galt dies , neben Hof und Treppe , von dem ganzen ersten Stock , in dem die Empfangs- und Gesellschaftsräume lagen . Hier zeigten sich noch jene Stuckornamente , die den Barockbauten Schlüters soviel Reiz und Leben liehen ,