wenn man keinen momentanen Nutzen davon sieht und wenn man höflich ohne Gefahr sein kann . « » Wann geht das Dampfschiff ? « fragte der Graf . » Morgen früh um sechs Uhr . « » Benissimo ! « lallte Basil . » Was sagen Sie zu einem Akt der Traviata ? « » Wie Sie wünschen ! Ach , Basil , Sie haben keine Ahnung davon , wie jung ich mich nach den Qualen , Anstrengungen und Aufregungen der letzten drei Monate fühle ! « » Und Sie haben keine Ahnung davon , wie sehr ich Sie beneide « , erwiderte der Graf , und diesmal im bittersten Ernst , und doch ahnte er nicht zur Hälfte , wie ernst ihm dieser Neid sein mußte . - Dreiunddreißigstes Kapitel Sie reisten ab von Venedig und kamen gesund und wohlbehalten in Wien an ; aber es mußten sich doch sowohl auf dem Dampfer wie auf dem von ihnen benutzten Bahnzug einige ausnehmend Gerechte befinden , um die erfreuliche Tatsache zu ermöglichen . In gelassener Heiterkeit kamen beide , der Graf wie der Edle , in Wien an , und da Leute ihres Schlags auf Erden so ziemlich allein das Recht haben , ihr Leben nach ihrem Willen einzurichten und mit den Nachteilen die überwiegendsten Vorteile hieraus zu ziehen , so wäre es sehr undankbar und ein großes Unrecht gegen ihre Götter gewesen , wenn sie nicht in vergnügter Stimmung sich befunden hätten . Der Edle fuhr natürlich sofort vom Südbahnhof seinen Laren und Penaten zu und überließ den jüngern Freund bis zum nächsten Morgen seiner eigenen Schicksalsgöttin , und da diese stadtkundig genug war , so führte sie ihn recht behaglich sowohl durch den Rest des Tages als auch durch einen bedeutenden Teil der Nacht . Doch das Behagen des Grafen Basilides kümmert uns augenblicklich weniger als das des Edlen von Haußenbleib , und diesen auf der Heimfahrt durch die muntere Stadt an diesem sonnigen Spätnachmittag zu sehen war ein Vergnügen für jeden , der dem Manne nichts Böses gönnte . Sein Lächeln auf der Reise durch die Lombardische Ebene war gar nichts im Vergleich zu dem fröhlichen Glanz seiner Physiognomie auf seiner jetzigen Fahrt durch die heimatlichen Gassen . Nie erschien er so jung , so wohlkonserviert wie heute . Er hatte den Hut abgenommen und fuhr immer von neuem mit der Rechten über den silbergrauen Scheitel , wie um seine innerliche Freudigkeit niederzureiben . Er hatte mehrere Westenknöpfe springen lassen müssen und sah alle Augenblicke so zärtlich träumerisch nach der Uhr , daß er , wie er zu seinem Schrecken sogleich bemerkte , verschiedene wertvolle Bekanntschaften übersah und vorüberfuhr , ohne tief und lächelnd gegrüßt zu haben . Diese Versäumnisse kühlten ihn ein wenig ab , er ließ fortan die Uhr stecken , rieb nur mit beiden Händen die Knie und hauchte vorkostend , aber die Leute zur Rechten und zur Linien scharf im Auge behaltend : » Ausgezeichnet ! ... vortrefflich ! ... angenehm ... höchst angenehm ! « Er übersah nun keine Bekanntschaft mehr , und er hatte viele Menschen zu grüßen ; aber er nickte auch aus allgemeinem Wohlgefallen an der Menschheit und vorzüglich an der Wiener Menschheit ununterbrochen vor sich hin . Endlich hielt der Wagen vor dem Hause in der Mariahilfer Hauptstraße . Es entstand eine große Bewegung sowohl unter den dunkelfarbig gekleideten Fräulein unter dem Zeichen der trauernden Hekuba wie in dem Lokale links von der Haustür , allwo die » naschenden Vernichterinnen aufgekeimten Wohlstands « , die rosigen Jungfrauen und Dienerinnen der schönen Helena , die Chignons an den Spiegelscheiben zeigten und den heimkehrenden fröhlichen Greis holdanlächelnd mit Kichern und Kußhändchen begrüßten . Der Edle von Haußenbleib hatte einen wohlwollend-verständnisreichen Blick nicht nur für die schöne Helena , sondern auch für die trauernde Hekuba ; aber er hielt sich diesmal nicht bei ihnen auf , sondern stieg eilig die Treppen empor , warf im Vorübertrippeln eine Visitenkarte in den Briefschalter der Nilassidantia und war nach fünf Minuten bei sich selber derartig zu Hause , als ob das Festungsviereck nur ein Traum im Traum für ihn und die Verproviantierung Veronas ein Besuch im Kontor des benachbarten Wechselagenten gewesen sei . Er hatte von Toinette vernommen , daß Antonie sich ein wenig zum Schlummer niedergelegt habe , hatte lächelnd , mit dem Finger auf den Lippen , tiefes Schweigen geboten und war in seine eigenen Gemächer geschlüpft , wo er behaglich ein halbes Stündchen seiner Toilette widmete , um sodann mit der hübschen Kammerjungfer eine längere und ziemlich ernste Konferenz zu halten . Da er es verstand , unter allen Umständen seine Fragen zu stellen und das Wichtige von dem Unwichtigern zu scheiden , so erhielt er einen ziemlich genauen Bericht über alles , was sich während seiner Abwesenheit zugetragen hatte . Daß er jedoch vollständig dadurch befriedigt worden wäre , können wir leider nicht sagen ; denn er entließ die Jungfer mit einem recht mißmutigen Kopfschütteln und schritt noch eine geraume Zeit in seinem Zimmer auf und nieder , ehe er sich so weit gesammelt hatte , um sich mit der gewohnten Zärtlichkeit persönlich nach dem Befinden seiner Enkelin erkundigen zu können . » Das wäre in der Tat wieder ein Strich durch die Rechnung , und zwar einer ganz nach ihrem Geschmack ! « murmelte er verdrießlich . » Sie wäre dazu imstande ! Sie wäre imstande , mir aus reinem Eigensinn ein Konto drunten in dem Trauermagazin zu eröffnen . Ach was , die Toinette wird sich ebenfalls zur Närrin haben machen lassen - wahrhaftig , sie war mir viel zu gerührt . Aber das ist Weiberart - da ist nicht einer zu trauen , die hellsten verlieren die Balance , wo irgendeine sentimentale Dummheit ins Spiel kommt . Nun , wir werden ja sehen ! Aber eines steht fest , man soll in diesen Dingen nichts zu leicht nehmen : eine solide Notiz an meinen jungen Freund aus Krodebeck zur rechten Zeit würde mir manche Unannehmlichkeiten erspart haben