Hansjörg herbeigekommenen Grenzjäger fehlte es wieder an Leuten , als er , um weiteres Unglück zu verhüten , das Haus niederzureißen befahl . Die Gegenwärtigen wollten nicht an ein so schönes Haus . » Und Andreas ? « riefen mehrere . » Und Angelika ? ! « schrie Hans , der in diesem Augenblick atemlos herbeistürzte . Während nun die Bauern , auf die Feuerspritze wartend , die Nachbarhäuser mit einer schützenden Schneemauer zu umgeben anfingen , sprang Hans , abwechselnd Andreas und Angelika rufend , um das Haus herum . Endlich polterte der erstere in seinen Holzschuhen heraus und eilte den brüllenden Kühen zu . » Wo sind Weib und Kind ? « fragte Hans in furchtbarer Aufregung . » Weiß nicht « , war des Andreas kurze Antwort , dann eilte er in den schon überall brennenden Stall , um die brüllenden Tiere zu erlösen . Eben waren die ersten Männer mit Feuerhaken angekommen und hatten die Antwort des Andreas gehört . Daß er noch nicht ganz ernüchtert war , wußten sie nicht , und seine Herzlosigkeit kam ihnen so unnatürlich vor , daß sie wie erstarrt stehen blieben und den aus einer Rauchwolke heraustaumelnden Tieren nachsahen . Nur Hans war immer unruhiger . » Angelika ! « schrie er , daß es den Leuten durch Mark und Bein ging , und mit einer Schnelligkeit , die kein Mensch ihm zugemutet hätte , sprang er durch den schon brennenden Schopf in das Haus . Zwei Flammensäulen schlugen hinter ihm zusammen und fuhren durch die nicht mehr ganz zugeworfene Türe dem Burschen nach . Die Zuschauer sprachen ein stilles Gebet , bis sie in der Andacht gestört wurden durch ihren Ärger über Andreas , der jetzt seiner letzten Kuh nach aus dem Stalle schwankte . Hunderte standen ums Haus herum , und jeder wollte befehlen , obwohl er selbst nicht wußte , was er sollte . Einzelne sagten vom Niederreißen des Hauses , aber ihnen wurde erwidert , es seien noch Leute drinnen , und so geschah denn eigentlich nichts , wieviel auch jeder tat und wie günstig die Zeit auch gewesen wäre . Der Wind hatte gänzlich aufgehört , und ruhig verglühten die letzten Reste des Stadels auf dem Boden . Andreas starrte eine Weile in die Glut , dann rief er : » Plündert das Haus , ihr Narren ! Werft alles heraus , das Geld , die Kleider , Herrgott , und das Kind und - - « Niemand wußte , ob die Hölle sich aufgetan oder der Blitz vom Himmel eingeschlagen habe . Auf einmal war ' s da , wo der Stadel stand , hell - furchtbar , gewaltig . Balken , Steine und Eisenzeug flogen aus der blitzartigen Flamme . Andreas lag schwer getroffen im Schnee , den das Blut des Bewußtlosen färbte . Des Krämers Pulverfaß war in die Luft geflogen . Fünfundzwanzigstes Kapitel Was an diesem Abend noch weiter geschah Auch Zusel und Angelika , die beisammen in der mit Heiligenbildern verzierten , ungewöhnlich stark eingeheizten Wohnstube saßen , hatten das nur in einzelnen Klängen vom Sturm da herüber geworfene Feierabendläuten gehört . Aber wie seltsam auch die Glocke klang , die beiden Schwestern dachten doch an gar nichts Besonderes . Stehend beteten sie laut den Englischen Gruß und setzten sich dann wieder zu dem kleinen Tischchen , auf welchem Zusel die verschiedensten Seidenstoffe zur Auswahl für ihre Hochzeitsärmel ausgelegt hatte . Das Mädchen prüfte , verglich , stellte sich bald näher , bald ferner , wand jedes Stück um die schöngeformten runden Arme und schien über die Vorbereitungen zur Hochzeit alles andere vergessen zu haben . Oder war es gar etwas noch Ärgeres als nur ihr Leichtsinn , was ihr bang machte , wenn Angelika von der Zukunft redete und sie sogar zum Weinen brachte , da die so unglücklich verheiratete Schwester sagte , daß nun sie den einsamen Väter zu pflegen und ihm nach Kräften frohe Tage zu machen gedenke ? Angelika kam zu der Überzeugung , daß die Leidenschaft für Hansen , wohl nur aus Trotz und Hochmut entstanden , fast schon wieder mit den anfänglich im Wege stehenden Hindernissen vergangen sei . Hansens ehemaliger Geliebten tat diese Bemerkung jetzt noch doppelt und dreifach weh . Sie konnte die Frage nicht mehr zurückhalten , ob wohl Dorothee und Hans einander unglücklich gemacht hätten . Zusels kleiner Mund konnte sich recht unschön verziehen bei dem Ausruf : » Du bist auch noch auf der Seite der Elenden , die mir Hansen hat wegnehmen wollen ! « » Sie hat ihn vielleicht so innig geliebt wie du . « » Das wär ' für so ein armes Ding schon anfangs eine Dummheit gewesen . « » Wenn aber so eine Neigung ohne jede Aussicht war , hättest du das arme Mädchen bedauern sollen , statt sie mit den allergemeinsten Mitteln zu bekriegen , ja fast zugrunde zu richten « , sagte das Weib , und ohne das unfreundliche Gesicht der Schwester bemerken zu wollen , fuhr sie , immer wärmer werdend , fort : » Vor dir steht eine schöne Zukunft , wenn du nur nichts Böses mit hineintragen mußt . Sonst aber wär ' s schade , wahrhaftig schade um alles . Denke dir nur , daß du jetzt nicht mehr bloß für dich allein da bist , sondern daß ein gewiß lieber , guter Mensch nun sein Schicksal an das deine knüpfen will . Es wär ' schon grad ' zum Weinen , wenn du nicht einmal empfinden solltest , wie wichtig das ist . Hans gehört dein , du kannst glücklich werden , wenn dein Weg zum Glücke rein ist . Wäre doch die Welt so weit und groß oder der Mensch so gut und vernünftig , daß niemand gestoßen und getreten würde , wenn man auf diesem Wege vorwärts ginge ! Euch beide will , muß ich glücklich sehen , das Gegenteil tät mir noch weher als alles andere . « » Zur Unterweisung « ,