, Ihnen alle von mir gemachten Pläne und Detailzeichnungen zur Verfügung zu stellen , falls es Ihnen aus irgend einem Grunde wünschenswerth sein sollte , den Bau durch einen anderen Baumeister fortführen und vollenden zu lassen . Ich wage wohl keine vergebene Bitte , wenn ich Eure Gnaden ersuche , mich Ihre Entscheidung nicht lange erwarten zu lassen . « Er siegelte den Brief und bat Eva , ihm einen Boten zu schaffen , der denselben nach dem Schlosse trage . Als er das Schreiben unterwegs wußte , wurde ihm leichter um das Herz . Weil er den ersten Schritt zu seiner Befreiung gethan hatte , glaubte er schon frei zu sein , und nun erst loderte sein Zorn gegen Angelika und den Freiherrn rein und hell empor . Jetzt , da er sich nicht mehr um das Weßhalb der erlittenen Beleidigung kümmerte , sondern sich nur der Thatsache gegenüberstellte , erwachte in ihm das Selbstgefühl , welches überall verloren geht , wo man sich mit den Andern mehr , als sie verdienen , zu schaffen macht . Er verließ sein Zimmer und ging , ohne bestimmte Absicht , hinunter in das Haus . Der Amtmann war zurückgekehrt ; Eva rüstete in dem kühlen Hausflur den Mittagstisch . Sie hatte den Bruder von Herbert ' s Ankunft schon in Kenntniß gesetzt , und dieser trat ihm mit der Frage entgegen , was es gegeben habe . Herbert fühlte keinen Beruf , ihm die ganze Wahrheit mitzutheilen . Es widerstrebte ihm , dem Amtmann die Schwere des ihm geschehenen Unrechtes einzugestehen , da er es ohne Vergeltung hinzunehmen hatte , und eben so wenig konnte und durfte er seine Gastfreunde ahnen lassen , wie es um ihn und um sein neuliches Erlebniß mit der Baronin stand . Er berichtigte also nur , daß man ihn , gegen die frühere Weise , kalt , ja daß man ihn ungebührlich behandelt habe , und daß und was er dem Baron geschrieben . Der Amtmann hörte ihm ruhig zu und sagte dann mit einem Lächeln , das seinem gescheiten Gesichte einen noch größeren Ausdruck von Klugheit gab : Ich hätte es Ihnen voraussagen können , wie es mit Ihnen kommen würde , Herr Baumeister . Es ist ein ordinäres Sprüchwort , aber wahr ist ' s darum nicht minder : » Es ist nicht gut mit den großen Herren Kirschen essen ! « Und , fügte er hinzu , um wieder einmal vor dem Studirten seine eigene Bildung leuchten zu lassen , ich hab ' s oft zur Eva gesagt , es ist wie mit den Granatäpfeln in der Mythologie ; man muß nichts von den Herrschaften geschenkt nehmen , wenn man mit ihnen durchkommen und frei bleiben will . Das sagen Sie , dessen Familie dem freiherrlichen Hause seit Menschenaltern dient ? wendete Herbert ein . Das sage ich Ihnen eben deßhalb ; denn wir haben unsere Manier probat gefunden von Vater auf Sohn . Seine Schuldigkeit thun , seinen Lohn empfangen , nichts darunter , nichts darüber , und Herr und Diener sein , rein weg ! Herbert fragte , ob denn der Freiherr oder die Baronin dem Amtmann ebenfalls Gelegenheit zur Unzufriedenheit gegeben hätten . Nicht daß ich ' s sagen könnte , meinte dieser . Aber das hat sich bei uns so fortgeerbt von Einem auf den Andern , es ist unsere Bauernweisheit ! Wir kennen hierlandes den Grund und Boden und die Leute , und wir kennen auch unsere Herrschaft und den Adel rund herum ! Sie sind Einer wie der Andere ! Eva meinte , die Herrschaften könnten aber doch sehr freundlich sein und hätten sich ja auch gegen den Bruder und gegen sie stets so gezeigt . O ja , rief der Amtmann , aber es würde bald damit aus gewesen sein , hätte ich mich darauf eingelassen , wie sie ' s mit Dir und mir versuchten ! Heute hieß es , weil ich denn doch dies oder jenes mehr gelernt hätte , als es sonst hier im Amte zu geschehen pflegte , so könnte ich dem Herrn Baron wohl bei der oder jener Arbeit helfen , nicht als Diener , Gott bewahre ! nur weil er mich leiden und mich um sich haben möchte ! Und morgen meinten sie , die Eva sähe gut aus und hätte recht anständige Manieren ; sie könnte also , wenn sie wollte , bisweilen auf das Schloß kommen und der Frau Baronin etwas vorlesen und mancherlei im Schlosse annehmen und lernen . Aber wir kennen das ! Für einen Finger , den sie uns reichen , wenn sie Lust und Langeweile haben , verlangen sie gelegentlich die ganze Hand von uns , und will man sich dann dafür auch einmal an ihrer Hand halten , so wird ' s ihnen gleich zu viel , und sie ziehen die Hand zurück und nehmen ' s uns noch übel , daß wir ihnen die Mühe machen , uns abzustoßen ! - Er lachte dabei und sagte zuversichtlich : Nichts da ! Die vornehmen Nücken kennen wir ! Sie dort und wir hier ! Guter Dienst und gutes Recht ! Wir sind uns hier selber genug ! Herbert hörte ihm mit einer heimlichen Beschämung zu . Es war , als sprächen sein eingeschläfertes Gewissen , seine heimliche Einsicht selbst zu ihm , und zu seiner eigenen Beruhigung sagte er : Ich sehne mich eigentlich auch danach , dieses Contractes und des ganzen Verhältnisses , an das ich mit so gutem Glauben gegangen bin , erst wieder ledig zu werden . Der Amtmann schüttelte mit verneinendem Lächeln den Kopf . Herbert fragte , ob er an der Wahrheit dieser Worte zweifle . Nein , versetzte Jener , daß Sie es in diesem Augenblick wünschen , daran zweifle ich nicht , aber Sie kommen nicht los . Der Freiherr ist ein Mann von Wort , das muß man ihm lassen , und wie er selbst sein Wort hält , so besteht er darauf ,