mir brennt , ersäufen . Mich jammerte des unglücklichen Mannes , denn jetzt erst fühlte ich , wie sehr ich ihn liebte . Ich sagte ihm Alles , was ich von der Flucht Mariens wußte . Gegen mein Erwarten blieb er ruhig : Es kommt auf eins heraus , sagte er , ob sie gestorben ist , oder nicht ; für mich ist sie doch todt ; sie konnte nicht anders , als mich verlassen ; sie war zu stolz , um sich wie einen Hund behandeln zu lassen . Ich habe sie behandelt wie einen Hund , schlimmer wie einen Hund , ich Elender ! Er schlug sich mit der geballten Faust vor die Stirn ; dann warf er sich in einen Lehnsessel , legte den Kopf in die Hände und schluchzte : Und doch habe ich sie geliebt ! und doch liebe ich sie ! o , mein Gott , mein Gott ! Es war schrecklich , den wilden Harald weinen zu sehen . Ich hob seinen Kopf in die Höhe , er legte ihn an meine Brust und weinte , wie er oft als Knabe in meinen Armen geweint hatte . Ich bat ihn , sich zu beruhigen , ich sagte ihm , daß Mariens letzte Worte gewesen seien : ich vergebe ihm Alles . Und wenn sie mir auch vergeben hat , ich werde mir nie vergeben , rief er . Geh ' zu Bett , Alte . Wir wollen morgen weiter darüber sprechen . Aber als der alte Jochen am nächsten Morgen zu ihm kam , lag Harald in hitzigem Fieber . Das währte neun Tage , neun fürchterliche Tage und Nächte . Da war es aus mit Harald von Grenwitz . Die alte Frau schwieg ; strich den Strumpf , an dem sie gestrickt hatte , über den Knieen glatt , legte ihn zusammen und sagte : So , Junker , nun mach ' , daß Du nach Hause kommst . Ich muß nach den Kindern sehen , die drüben auf dem Jochen seinem Bette schlafen . Es hat eben aufgehört zu regnen , aber es wird bald stärker anfangen . Deshalb halte Dich nicht auf unterwegs . Adjies . Kommen Sie ; sagte Oswald zu Albert , der sich so eben , gähnend und sich reckend , von seinem harten Lager erhoben hatte . Es ist die höchste Zeit , wenn wir noch zum Abendessen auf dem Schlosse sein wollen . Adieu , Mutter Clausen . Adjies , adjies , Junker ! sagte die Alte , schon in der Thür . Als die beiden jungen Männer auf der schmutzigen Dorfgasse standen , deutete Albert mit dem Daumen über die Schulter nach dem Häuschen , das sie soeben verlassen und sagte : Schnurrige alte Dame das ! War die Geschichte nicht famos , Dottore ? Haben Sie denn nicht geschlafen ? Nicht die Spur . Ich wollte anfänglich , aber Ihr ließt einen ja nicht dazu kommen , und hernach , als die Geschichte von Baron Harald anfing , war so an Schlafen nicht mehr zu denken . Aber ich blieb ruhig liegen , und schnarchte von Zeit zu Zeit , um die Alte sicher zu machen , die die Geschichte jedenfalls nur ihrem » Junker « erzählen wollte . Weshalb nennt die alte Dame Sie Junker , Dottore , und Du ? Ich weiß es nicht ; sagte Oswald . Oder wollen es nicht wissen ; erwiederte Albert ; na , schadet nicht . Man darf auch nicht Alles wissen wollen . Warum wollte Baron Harald wissen , wo das hübsche Ding , die Marie geblieben war ? Ohne diese überflüssige Neugierde könnte er noch heute seinen Burgunder trinken . Merkwürdig , daß ein so vernünftiger Mann solche verrückte romantische Grillen im Kopf haben konnte ! Können Sie das begreifen , Dottore ? So ziemlich , sagte Oswald ; aber sprechen wir von etwas Anderem . Wie Sie wollen , Theuerster . Was halten Sie zum Beispiel von der Unsterblichkeit ! Zweiunddreißigstes Capitel Am nächsten Tage hatte sich der Himmel wieder aufgeklärt . Die Morgensonne war in dichten Nebel verhüllt gewesen , aber einige Stunden später zerriß sie den grauen Schleier und goß ihr goldenes Licht verschwenderisch auf die regengetränkte Erde . In dem Schloßgarten war es so paradiesisch frisch und duftig , wie am ersten Schöpfungstage . Die Blumen hoben die Köpfe wieder und wenn noch hier und da Tropfen an den bunten Kelchen hingen , so glichen sie jetzt in dem funkelnden Sonnenschein hellen Freudenthränen ; die Vögel jubilirten in den dichten Laubkronen der Bäume , und das kleine Gewürm , das so ruhig in den Ritzen , unter den Blättern , unter den Steinen auf Sonnenschein gewartet hatte , regte sich wieder in seiner ganzen geschäftigen Emsigkeit . Und um die grauen Mauern des Schlosses , die jetzt im rosigen Licht gebadet waren , schossen eilige Schwalben , und auf den Dächern , in den Dachrinnen , in den Stuckornamenten setzten die zanksüchtigen Spatzen die ununterbrochenen Streitigkeiten wieder fort . In dem großen Saal , wo an den Wänden die Porträts der Grenwitzer Barone und Baronessen hingen in langer Reihe von dem halb fabelhaften Sven von Grenwitz bis hinab auf die Bilder der Großtante Grenwitz , » wie sie als achtzehnjähriges Mädchen gewesen war , « und Oskar ' s , » der mit dem Wodan stürzte , « und Harald ' s , » dem es besser gewesen wäre , er hätte sich am Sarge seines Vaters todt geweint « - tanzten die Staubatome , welche aus den alten Prunkmeubeln mit den verblichenen Damastüberzügen aufstiegen in den schrägen Lichtsäulen , die durch die drei hohen Bogenfenster fielen . Unten im Wohnzimmer nahmen der Baron und die Baronin ein frugales Frühstück ein . Sie sahen reisefertig aus und Anna-Maria hatte sogar schon einen Hut mit weit vorspringenden Flügeln , wie sie in den zwanziger Jahren Mode gewesen waren , auf dem Kopfe . Denn der große Reisewagen hielt schon vor