Frau von Scheurl gehören , der gewiß sehr viel daran gelegen sei , ihn wieder zu erhalten , und daß er somit eigentlich in dessen Auftrag zu ihr komme . Elisabeth erschrak und erröthete nacheinander . Was hatte dieser Ulrich , der christliche Baubruder , mit dem verstoßenen Juden zu thun ? was ging es Ulrich an , ob sie ein Interesse an dem Ringe habe oder nicht ? Sie mochte sich in kein Gespräch mit dem Juden einlassen - sie fragte ihn nur , wie viel er für den Ring fordere ? Ezechiel nannte eine hohe Summe , und Elisabeth ging in ein Nebengemach , um aus einer Schatulle das gewünschte Geld zu holen . Der Jude ward dreister , schilderte , welche Unannehmlichkeiten er haben werde , wenn Streitberg sein Pfand nicht wieder erhalten könne , und wie er nur Ulrich ' s Vorstellungen nachgegeben , und ob die edle Frau nicht dafür an diesen einen Dank zu bestellen habe . Elisabeth sah zürnend auf , dann wandte sie dem Juden den Rücken , hieß ihn sich augenblicklich entfernen , und verschwand in das Nebengemach . Einen Augenblick stand Ezechiel bestürzt - dann sah er sich überall um , und schnell seinen Vortheil wahrnehmend , nahm er ein gedrucktes Buch und riß aus demselben die Titelseite , auf welcher Elisabeth ' s Name stand , und sagte bei sich : Das bring ' ich ihm als von ihr - er wird schon in die Falle gehen , wenn er nicht schon darin sein sollte , und vielleicht wählt er mich zu seinem Liebesboten . Halb und halb hab ' ich ihn ja schon in der Hand , denn die Sachen , die er mir im Kloster abverlangte , hat er zu keinem rechtlichen Zweck gebraucht . Das ist ein Geheimniß , daß ich mich stellen werde zu wissen und auszuplaudern drohen , wenn ich ihn einmal wohin haben will , wo er nicht mag . So bekommt man die Leute an ' s Fädchen . Dritter Band Erstes Capitel Ein Seefahrer Von herrlichem Frühlingswetter begleitet war das Osterfest herangekommen . Die Lerchen wirbelten im Sonnenschein triumphirende Auferstehungslieder , die Zugvögel kehrten zurück und suchten die alten Nester , oder bauten sich neue . Sie fanden an den Giebeln von Nürnberg , wie in den Bäumen seiner Gärten , manch ' ein trauliches Plätzchen , darin sie nisten konnten , wo sie sich zwitschernd als gern gesehene Gäste niederließen . Sie flatterten um die hohen Zinnen der Burg und wiegten sich auf den Zweigen der Linde , welche die Kaiserin Kunigunde im Schloßhof gepflanzt . Auf einem Spaziergange mit ihrem Gemahl hatte Elisabeth diesem Spiele zugesehen , und obwohl dabei heiter lächelnd , doch im Innern schmerzlich bewegt sich gefragt : ob und wann je einmal die Zugvögel wiederkehren würden , die im Winter nur kurze Zeit unter ihrem Dache geweilt : König Max und Kunz von der Rosen , oder Konrad Celtes ? Sie suchte jede heftige Regung in sich zu unterdrücken ; aber sie fühlte sich seitdem wieder so allein und unverstanden an der Seite des ungeliebten und ungebildeten Gatten , der für alle höheren Interessen des Lebens kein Verständniß hatte , und nur aus Eitelkeit den Schein um sich zu verbreiten suchte , als ob Kunst und Wissenschaft in ihm einen Verehrer hätten , während er innerlich ihnen doch ganz fremd blieb . Aber indem Elisabeth so auch wieder heimgekehrt an die Zugvögel unter den Menschen dachte und selbst Leid empfand , nicht zu ihnen zu gehören - kam plötzlich einer von denselben zurück , den sie am wenigsten erwartet hatte . Ihr Bruder Georg trat bei ihr ein , und mit ihm ein älterer Mann in portugiesischer Tracht von schwarzem Sammet , mit gelben Puffen von Atlas in den Aermeln seines Wammses , einen runden Hut mit langer schwarzer Feder , auf seiner Brust ein schimmerndes Ritterkreuz . Er mochte etwa sechzig Jahre zählen und war von mittlerer Größe , aber die Straffheit seiner Haltung war die eines Jünglings . Sein braunes Haar , das die breitgewölbte vorspringende Stirn umspielte , war nur mit wenigen Silberfäden untermischt , ebenso der Bart , der Oberlippe und Kinn bedeckte . Die Stirn zeigte einige Runzeln , aber vorherrschend in der Mitte über der Nase die tiefe Furche des rastlosen Denkens . Seine Gesichtsfarbe schien von einer tropischen Sonne gefärbt zu sein und erhöhte den blitzenden Glanz seiner Augen , die feingebildeten Hände zeigten sich wettergebräunt und hart . Georg begrüßte die Schwester und sagte : » Ich bringe Dir einen Gast , Elisabeth . « Sie verneigte sich mit edlem Anstand , aber einem fragenden Blick auf den Bruder , von dem sie zu erwarten schien , daß er den Fremden ihr vorstelle , und sagte : » Waret Ihr schon bei meinem Gemahl , oder hab ' t Ihr ihn nicht daheim gefunden ? « » Dieser Besuch gilt vor allem Dir und dann erst ihm , « sagte Georg . » So ist es ! « sagte der Fremde , und ließ seine Augen so durchdringend und prüfend auf Elisabeth ' s Antlitz und Gestalt ruhen , daß sie , unwillig diesen Blicken ausweichend , fragend zu Georg sah , als fordere sie von ihm eine Erklärung oder Schutz gegen einen Fremden . Dieser aber ergriff ihre Hand und rief : » Erkennt mich Elisabeth wirklich nicht ? « Da stieß sie einen Schrei aus und mit dem Jubelrufe : » Martin , Du bist ' s ! « sank sie in seine Arme . Er drückte sie fest an seine Brust und sagte : » Ich hätte Dich gleich wieder erkannt , wärest Du mir auch noch so unerwartet begegnet , und bist Du auch in den zwölf Jahren meiner Abwesenheit aus einer zarten Jungfrau ein blühendes Weib geworden ; Deine Augen und Dein Mund sind geblieben , wie sie waren - und die giebt es nicht weiter so auf der Welt . «