Benno sprach vor sich hin : Er schläft wol schon ! Nach einer Weile des Schweigens hörte Benno seinen Nachbar laut aufseufzen ... Was seufzen Sie denn , Hedemann ? fragte Benno , den inzwischen selbst der Schlaf überkam . Als Hedemann nicht antwortete , sagte er gähnend : Sie waren - damals in England - Amerika ! verbesserte Hedemann . Amerika ! antwortete Benno und legte sich , um nun wirklich fest einzuschlafen . Doch sprach er noch vor sich hin , aber in einzelnen , unterbrochenen Worten : Sie sind im Stande - und heirathen ... als Müller Hedemann ... die weiße Gipsitalienerin ... natürliche Ideenassociation ... Müllerin Biancchi ... Hedemann ... nicht wahr ? ... Ja , gute Nacht ! erwiderte Hedemann , der ihn nicht mehr verstanden ... Benno ' s Empfindungen mußten noch eine lange Zeit gegen den Schlummer kämpfen . Seine Phantasie verweilte auf den lachenden Bildern seiner Jugend , auf dem grünen Wolfshügel , unter dem Ebereschenbaum und bei dem Rundblick in der Ebene von Witoborn . Sie hielt dann Stand bei Paula und bei Armgart . Armgart von Hülleshoven hatte er damals vor sieben Jahren zum ersten mal gesehen . Sie war die Tochter des kürzlich aus England als pensionirter englischer Oberst zurückgekehrten Herrn Ulrich von Hülleshoven . Ihre Mutter war jene Monika von Ubbelohde , die die erste gewesen , die einst dem Kammerherrn Jérôme von Wittekind-Neuhof einen Korb gegeben . Die hatte keines Hundes , des Calfacters Türck , bedurft , der ihr erst ein seidenes Kleid verderben mußte , wie Portiuncula von Tüngel-Appelhülsen , um von den Wünschen der Familie sich zu befreien . Aber da man es ihr , einer armen und völlig güterlosen Adeligen , mit den Anträgen und Vorschlägen und Zwangsmaßregeln zu bunt und zu gefährlich gemacht hatte , nahm sie gleichsam » aus Desperation « , wie damals die Leute sagten , die die Rache des Kronsyndikus und seinen Einfluß auf zehn Meilen in der Runde und , wenn er wollte , noch etwas weiter hinaus , kannten , den jungen Offizier Ulrich von Hülleshoven , der gerade in der Stadt , wo Bonaventura ' s Aeltern lebten , in Garnison stand und ihr den Hof machte , wie ihre Schönheit und ihr Geist verdienten . Diese Naturen erkannten sich aber erst nach geschlossener Ehe . Sie stießen sich unheilvoll ab und als Monika eines Kindes , jener Armgart , genesen und Ulrich gerade versetzt worden war , erklärte die Gattin , ihm nicht folgen zu wollen . Sie selbst hatte eine Schwester , ihr Gatte einen Bruder . Jene hieß Benigna , dieser Levinus . Auch diese gaben ein Paar , eines vielleicht mit klügerm Instincte . Sie liebten sich schon lange , schon zehn Jahre vor dem Zeitpunkt , wo sie Schwäger wurden durch die Verheirathung Monika ' s mit Ulrich , heiratheten sich aber nicht . Levinus , ohne Vermögen , verwaltete die großen Güter des Grafen Joseph , des letzten der Dorste-Camphausen , während Benigna , die Schwester Monika ' s , die intimste Freundin der verstorbenen Gräfin und Mutter Paula ' s , der Schwester des Kronsyndikus , und die zehnjährige Verlobte des Onkel Levinus in dem Stift Heiligenkreuz , dicht bei Westerhof und Witoborn , lebte . Beide Schwäger , empört über das Benehmen des jungen Ehepaars , rissen wie nach einem Spruch des Femgerichts der rothen Erde das Kind desselben , ihre Nichte , an sich und straften mit der Vorenthaltung desselben den » unwürdigen « Vater wie die » unwürdige « Mutter . Sie versteckten die kleine Armgart in Wälder und Schluchten , in Keller und auf Heuböden und vorenthielten sie den beiden Ehegatten , denen sie es nur zurückzugeben erklärten , wenn sie beide kämen Arm in Arm , in Liebe und Treue und Einigkeit , frei von der Schmach einer ganzen Familie , frei von der Verletzung der Sitte des ehrbarsten Landes und tugendhaftesten Volksstammes . Diese standesmäßige , gleichsam altsächsische Bedingung erfüllten die Ehegatten nicht . Beseelt von gleichem Trotze , suchten sie einer dem andern Armgart abzugewinnen , offen zu erobern , geheim zu stehlen sogar ... vergebens , Onkel Levinus und Tante Benigna hatten das ganze Furioso , den ganzen Sturm , der über diese sonst so stillen , ruhigen , maßvollen Menschen kommen kann , wenn eine Ueberzeugung sie ergreift . Ihre Maßregeln waren so sicher , daß sie in der Jagd auf Armgart Sieger blieben und der Mutter , die nicht zu ihrem Manne wollte , dem Vater , der sich der Gattin verschloß , ein Kind vorenthielten , mit dem sie » nicht in die weite Welt gehen sollten « . Levinus und Benigna gedachten sich jetzt noch weniger zu verheirathen . In der Liebe zu dem Geschwisterkinde , das sie erzogen , waren sie bereits wie ehelich verbunden . Ulrich und Monika gingen verdüstert und verbittert ohne das ihnen vorenthaltene Kind wirklich in die weite Welt . Zwölf Jahre war Ulrich von Hülleshoven theils in England , theils in Britisch-Canada Soldat gewesen , ihm zur Seite Remigius Hedemann , einst in dem Regiment , in dem Ulrich exerciren gelernt , sein Unteroffizier , dann ein tüchtiger Landwirth , der einen Versuch machte , die letzten Besitzthümer der verarmten Familie derer von Asselyn , die sich vor mehr als hundert Jahren aus dem Friesischen ins Land geheirathet , zu heben und dem dritten von drei Brüdern ( die ältern waren Franz von Asselyn , der Dechant , Friedrich von Asselyn , der Vater Bonaventura ' s ) , Max von Asselyn , Benno ' s Adoptivvater , in der Bewirthschaftung derselben beizustehen . Letzter Versuch war nicht geglückt . Max von Asselyn starb bald nach dem unglücklichen Ende , das Friedrich von Asselyn auf einer Schweizerreise in den Alpen fand . Hedemann , geschätzt in allen diesen so eng verbündeten Familien , folgte seinem militärischen Zögling , Ulrich von Hülleshoven , der als Premierlieutenant seinen Abschied nahm , trug