wohl statt , das waren aber schon Solche , die mehrmals vortheilhaft beschäftigt waren , oder sehr ältliche Damen , in deren Herzen aber jener angedeutete Wunsch zu Gunsten ihrer verschiedenen Töchter laut wurde . Da Arthur bei mehreren Tableaux schon bewiesen hatte , daß er nicht zu bestimmen war , von seiner Liste abzugehen , so wandten sich mehrere vorsorgliche Mütter an die Kommerzienräthin , um eine Einsprache zu Gunsten ihrer Angehörigen zu erwirken , wodurch die alte Dame in augenscheinliche Verlegenheit kam , denn es waren zu wenig Figuren in dem Bilde , um allen diesen Privateinsprüchen genügen zu können . Sogar der Obertribunal-Präsident ließ sich herbei , eine Figur als äußerst passend für seine Emilie zu bezeichnen . Der junge Jagdhund verwandte sich auf ' s Lebhafteste für seine Schwestern , so daß am Ende die Kommerzienräthin in Folge aller dieser Bestürmungen ihren Sohn auf die Seite nahm und ihn in ernsten und dürren Worten anwies , den billigen Wünschen einiger der vornehmsten Damen , die sie ihm namentlich bezeichnete , nachzukommen und das Decamerone , welches Tableaux den Glanzpunkt des Abends bilden sollte , nach ihrer Angabe zu besetzen . Vergebens waren die Einwendungen Arthur ' s : Mama hob ihre Nase so hoch als möglich in die Höhe und sagte kurz und bestimmt , sie habe schon während der früheren Bilder sich manche Abänderungen seitens ihres Sohnes gefallen lassen , dießmal aber beharre sie auf ihrem Wunsche , nöthigenfalls Befehle , und wolle von keiner Widerrede etwas wissen . Arthur dachte einen Augenblick nach , dann flog ein eigenthümliches Lächeln über seine Züge ; er nahm seine Liste , änderte Einiges darin ab und bat die zusammengedrängte Schaar der Damen und Herren um etwas Platz , damit er im Stande sei , das Bild stellen zu können . Erwartungsvoll wich Alles aus einander , der junge Maler arrangirte die Sitze auf der kleinen Estrade im Hintergrunde des Saales und sagte dann , nachdem er einige Worte mit der Kommerzienräthin gesprochen , mit lauter Stimme : » Das Decamerone ist ein Lieblingsbild von Mama , und hat sie die meisten Damen und Herren , die darin vorkommen , selbst bezeichnet . « » Vortrefflich ! - Sehr schön ! - Ah ! das muß ein superbes Bild werden ! « murmelte es vergnüglich durch einander , wobei namentlich die Bittsteller und Bittstellerinnen , die vorhin mit der alten Dame unterhandelt , heitere Gesichter zeigten . Andere aber , die dies wohl bemerkt , stießen sich leicht an , schüttelten die Köpfe und man konnte verschiedene Reden hören : wie man wohl denken könne , was dabei beschäftigt sei , daß man sich an dergleichen Zurücksetzungen gewöhnen müsse , daß bei der Aufführung das Publikum wohl ein richtiges Urtheil haben werde , und dergleichen mehr . Arthur fing an , die Namen der Damen und Herren abzulesen , und der geneigte Leser wird unserer Versicherung glauben , daß das Decamerone in dieser Zusammenstellung wenn auch kein reizendes Bild doch ein vornehmes wurde . Was die Männer anbetraf , so konnte man schon zufrieden sein und wurden dabei auch wenig Bemerkungen laut , obgleich sich der junge Jagdhund eine Rolle herausgeschlagen hatte und sich hinstellte wie ein unglücklich ausgestopfter Storch , der durch Selbstmord in ' s Jenseits gewandert und deßhalb ein melancholisches Air behalten . - Die Damen aber , die nun erschienen und meistens stolz und sicher ihre Plätze einnahmen , mußten schon ein gelindes Spießruthenlaufen aushalten . » Zwei Töchter des Herrn Oberregierungsraths von D. - « » Gott ! « sagte eine dicke Kanlzeirathstochter , » die Emilie und Auguste ! da wird viel weiße Schminke verbraucht werden . « » Es ist nur ein Glück , « setzte eine ziemlich junge Kaufmannsfrau hinzu , » daß die Emilie sitzt und man ihren Rücken nicht sehen wird . « » Sie ist wirklich ein bischen ausgewachsen , « meinte eine Andere . » Das nennst du ein bischen ? « sprach eine Vierte . » Mich hat die Corsettmacherin versichert , sie sei ganz in Eisen eingeschnürt , und wenn das nicht der Fall wäre , so müßte sie zusammenknicken wie ein Taschenmesser . « » Fräulein Pauline von W. , « sagte Arthur . » Ah ! die häßliche Nichte des Ministers ! « » Und in dem schönen Decamerone ! « » Florenz hatte damals eine betrübte Zeit , « sagte boshaft eine andere Stimme ; - » Hungersnoth und Krankheit - Pauline wird das recht natürlich darstellen . « » Aber nehme mir kein Mensch übel , das wird ja ein schreckliches Bild ! « bemerkte entrüstet die Kanzleirathstochter . » Ich mache ja durchaus keine Ansprüche , da mitzustehen - denn ich weiß , daß ich nicht schön bin , « setzte sie kokett hinzu ; » aber wenn ich so aussähe , wie Pauline , so würde ich mich bedanken , wenn man mich so zur Schau stellte . « Pauline hatte nun auch wirklich nicht die entfernteste Aehnlichkeit mit einer dieser hübschen Gestalten Winterhaler ' s , aber sie war die Nichte des Finanzministers , und ihre Mutter die stolz und breit vor dem Bilde saß und wohlgefällig auf ihre Tochter blickte , hatte Connexionen bei Hofe . Eine Vierte , die der Maler nun aufrief , gefiel eben so wenig als die vorbenannten Drei , und die Vier bildeten auch , um die Wahrheit zu sagen , einen gar betrübten Anblick , der durchaus nicht vermindert wurde , als nun Arthur die beiden schönen Töchter des Steuerdirektors dazu plazirte , die in Jugendfrische und Schönheit strahlten . Der Platz der Königin war allein noch unbesetzt . Arthur hatte sich schon mehrmal im Saale umgesehen und endlich gefunden , was er suchte . Es war das eine junge schöne Blondine , ein herrliches , prachtvolles Weib , die bescheiden zurückgezogen neben ihrem Manne , dem Doktor F. , stand , der mit dem Steuerdirektor im eifrigen Gespräch an