hülfreiche Hand geleistet haben ! Unmöglich ! Eine unaussprechliche Bitterkeit ergriff die Gequälte . Kann eine Frau einen Mann fordern ? Was rann eine Frau , und wenn sie den Muth einer Judith und Herodias besaß , in dieser Welt der Konventionen ! Ihr Haß mag glühen wie der Aetna , den Athem muß sie in sich zurück pressen , sonst verwundet sie sich selbst . Die Macht des Lächerlichen umstarrt sie wie himmelhohe Eisfirnen , die auf ihrem Spiegel nur die verzerrten Züge ihrer Wuth als Karikaturen wiedergeben . Giebt es denn keine Mittel für ein Weib , der Welt den Krieg zu erklären ? Nur das kleine Spiel der Ränke , um hie und da mit giftigen Nadeln zu stechen , ihnen vergönnt ! Einen Verhassten - mag eine Frau , die einen Mächtigen beherrscht , verfolgen , vernichten ; wenn nun aber ihr Haß nicht an Einzelnen sich genügen lässt , wenn die Vernichtungslust ihre Adern wie ein wildes Feuer durchglüht , wenn sie die Armseligen , Gemeinen , Undankbaren von der Erde wegspülen möchte , wie Pharaonis Schaaren das rothe Meer - wenn sie fühlt , mit diesem Rachekitzel der Menschheit selbst einen Dienst zu leisten ! - Sie kann nur morden im Traum ! Sie presste ihre Hände an die heiße Stirn , als sie wieder ein Geräusch hörte . - Das war Adelheids Stimme , hell - wie ein Aufschrei . Es kam von weitem her , aber nicht weit genug , daß es von ihrem Zimmer sein konnte . Da kam ihr das Mädchen wieder in den Sinn . Sie hatte gar nicht an sie gedacht . Was war aus ihr geworden ? Sie sann nach . Eine dunkle Vorstellung , daß man Hülfe ! Sie brennt ! gerufen . Sie durfte sich versengt haben . Von ihren Feinden war ja alles geschehen , der Sache einen Eklat zu geben . Aber der Ton kam wieder ; nicht mehr ein Schrei , aber der bange tönende Schall , den die Menschenstimme annimmt , wenn etwas Ungewöhnliches uns überkommt . Sie hörte noch eine andere Stimme . Auch ein Schrei , wie wenn man Geister erblickt . Das war keiner von der Dienerschaft , auch nicht ihr Mann . Wie ein tiefes Schluchzen ! Eine heftige Bewegung . Sie hörte Männertritte . An Muth fehlte es der Geheimräthin nicht . Sie ergriff den Leuchter und trat hinaus . Die Kerze warf nur ein schwaches Licht in den verwüsteten Saal . Ihr : » Wer ist da ? « hallte ohne Antwort durch die Räume , aber aus dem Kabinet daneben war eine Gestalt bei ihrem Eintritt fortgeeilt . Sie schlüpfte durch die Thüre nach dem Entree . Sehen konnte sie nur einen Schatten , sie hörte das leise Klinken der Thüre draußen , sie hörte deutlichere Tritte , die auf der Treppe allmälig verhallten . Im Kabinet stand Adelheid , die zugedrückten Hände an der Stirn . Sie athmete schwer ; ein intensives Zittern schüttelte ihre Glieder . Sie erschrak aber nicht , als sie die Hände allmälig vom Gesicht fortzog , nicht vor dem Glanz des Lichtes , und nicht vor dem Anblick und dem forschenden Auge der Geheimräthin . » Was war das , Adelheid ? Wer war hier ? « » Fragen Sie mich nicht , « antwortete das Mädchen . » Es war alles wie ein Traum . « » In dem noch ein Anderer mit träumte ! « Das Mädchen schöpfte nach Luft . Aber ihr Blick hatte doch eine Sicherheit , welche die Geheimräthin frappirte . Adelheid sank auf einen Stuhl und stützte den Kopf im Arme : » Es war fast zu viel ! « schuchzte sie , » zu viel für mich . Und , mein Gott , warum komme ich dazu . Warum ich dazu ausersehen ! « Die Geheimräthin setzte sich neben sie ; » Hat Dich Jemand gekränkt , beleidigt ? - « » Ich weiß es nicht . « » Ein Mensch entschlüpfte durch jene Thür , er war bei Dir - « » O mein Gott , er war bei mir , und nun ist er fort - « » Und wer war es ? « » Das ist ein Geheimniß , lassen Sie es mir . Es sprengt mir die Brust , aber ich werde schon stark werden ! Er ist fort , er wird nicht wiederkommen . « » Ein Geheimniß vor Der , die Mutterstelle an Dir vertritt ! - Bedenke , liebes Mädchen , es darf kein Geheimniß zwischen Der sein , für deren Ehre ich durch Deine Aufnahme in meinem Hause Bürgschaft vor der Welt leistete - « » Die Sie - von da aufhoben , « fiel Adelheid schaudernd ein . » Und der geringste Verdacht , ein Geheimniß , was ich verdecken , ein Fleck , den ich beschönigen hülfe - « » Wäre mein Verderben ! « rief Adelheid aufspringend . » Ich weiß es , ich weiß Alles - o Gott , ich bin unglücklich , aber es ist nicht mein Geheimniß . « » Wessen denn ? « » Dem ich auf seinen Knieen versprach , es zu bewahren . « » Auf seinen Knieen ! « Hätte die Lupinus der Beruhigung über einen Punkt bedurft , so war sie jetzt durch Adelheids Exaltation und durch die Sicherheit ihrer Sprache beruhigt . Aber dieser bedurfte sie nicht . » Verstoßen Sie mich , gütige Frau ! Ich weiß ja , welchen Undank ich auf mich lade . Stoßen Sie mich aus Ihrem Hause , zurück in meine ungewisse Lage , - nein mehr als das , es kostet Ihnen nur ein Wort , wenn Sie mich aufgeben , so fällt der ganze Fluch wieder auf mich , alle die bösen Erinnerungen , das Gerede erhält neue Kraft , dann bin ich vor der Welt verloren . « » Exaltire Dich nicht , « sagte die Geheimräthin , » mich kümmert das