des Lügengeistes , der im Paradiese sein heillos Amt begann . Es war lange über Mittag , als sie zum Wirtshaus kamen ; heiß war es zum Ersticken , kein Lüftlein regte sich , zum Himmel heraus hingen schwarze Wolken , Trauerfahnen , welche Gottes Hand heraushängt , wenn er seine Gerichte bereitet . Uli begab sich ins große Gastzimmer ; in die innere Stube , wohin die Agenten gingen , wo auch die Richter er , wartet werden , gehören die Laien nicht . Er ließ sich etwas zu Mittag geben , er meinte , er sei sehr hungrig , aber der Appetit fehlte ihm , als er begann zu essen . Der Wirt munterte ihn zum Essen auf : » Es ist alles frisch und sauber , « sagte er , » und lange her , seit du etwas im Magen gehabt haben wirst . « Eben das mache es , sagte Uli , daß er nicht essen möge ; wenn es über die gewohnte Zeit gehe , so vergehe der Hunger . Dem war aber nicht so , das Wort des armen Mannli hatte Uli ins Gemüt geschlagen , gärte dort , verdarb ihm den Appetit . Was er auch anderes denken wollte , es stund ihm immer vor der Seele , und wie er auch zum Zorn sich stacheln wollte gegen das Lumpenmannli , welches solche Reden führe , die Rede löschte immer den Zorn , und Bangen war da . Bah , sagte er , solchen Worten müsse man sich nicht achten ; Recht sei Recht , und wer recht habe , hätten die Richter gesagt , die sollten es wissen ! So tröstete sich Uli , und der Trost hielt doch nicht . Solche Worte sollte man verbieten beim Hängen , zu bedeuten hätten sie nichts , das wisse ja jedes Kind , aber man höre sie doch nicht gerne ; alles Fluchen sei ja schon von Gott verboten , und wenn er das daheim forttreibe , vielleicht noch mit seinen Kindern , so könnte ihnen allen das an der Seele schaden , und es wäre doch schrecklich , wenn sich die Kinder dessen entgelten müßten . Man sieht , Uli hatte bereits viel von den Agenten gelernt . Der Wirt fragte : » Du wirst doch gewonnen haben ? Was hast für einen Handel gehabt ? « Uli erzählte . » Da hast gewinnen müssen , « sagte der Wirt , » jedes Kind auf der Gasse kanns ja begreifen ; aber ich kenne das Mannli , das ist nicht das richtigste , ein böses Tüfelsmannli ist das , es hat auch den Ruhm dafür . Es ist gut , daß der einmal an den Rechten gekommen ist ; gerade recht hast du es ihm gemacht , er besinnt sich dann ein andermal , ob er die Leute plagen soll . Brandschatzen hat er dich wollen , und gerade so sollte es allen gehen . « Aber die Worte , welche er ihm hätte drin zugemessen , hätte er doch ungern ; er möchte nicht , daß jemand meine , er hätte sie verdient , entgegnete Uli . » Dessen mußt du dich gar nichts achten , « sagte der Wirt , » solche Worte haben gar nichts zu bedeuten ; Worte sind Worte und sonst nichts , um einen guten Schoppen will ich dir abnehmen alles , was dir dein Lebtag angewünscht wird . Was meinst , wie bös wäre ein Wirt daran , wenn solche Worte was zu achten wären ? Jedes Hagels Bäuerlein , wenn es meint , ich habe an einem Kalb zu viel Profit gehabt oder an einem Leichenmahl zu viel Wein angerechnet , wo es doch gewiß nicht ist , sagt gleich , der Tüfel solle den Wirt holen , und ich habe ihn noch nie gesehen . « So tröstete der Wirt , und der Trost eines Wirts ist auch gut , warum nicht ? Er währt wenigstens so lange als seine Schoppen , und dies ist auch schon was . Durch die ins andere Zimmer einbrechenden Gerichtsmänner wurde der Wirt in seinem Troste unterbrochen , denn wenn Priester und Krieger der Gerechtigkeit einem Wirte zuhanden kommen , gilt so ein Uli nichts mehr , und wenn er Trost noch so nötig hätte . Es war bereits über vier Uhr , als Uli sich auf den Heimweg machte , er förderte rasch seinen Schritt . Der Wein , des Wirts Worte , das Gefühl , gewonnen zu haben , drängten den empfangenen Eindruck in den Hintergrund , machten ihn guten Muts . Es sei schon viel geschwatzt worden in der Welt , dachte er , und habe nicht viel zu bedeuten gehabt . Schwarz stund im Westen ein Wetter , aber es bewegte sich nicht ; in kurzen Flügen flatterten die Schwalben um Bäume und Häuser , still und matt hingen die Blätter an den Zweigen . In den Wiesen sah man in breiten schwarzen Hüten und hohen Holzschuhen die eingefleischten Wässerbauern stehen und den zu erwartenden Wassern die Wege bereiten , denn das Wasser bei Gewitterregen , welches die Straßen fegt und die nicht wohlbewahrten Düngerhaufen umspült , ist für einen rechten Wässerbauer oder vielmehr seine Wiesen das beste Labsal . Wer bei solchen Umständen den Andern am besten um dieses köstliche Labsal betrügen kann , der geht mit den erhabensten Gefühlen , mit dem gehobensten Selbstbewußtsein heim . Das hat wohl auch zu der Sage Anlaß gegeben , daß wer ein Fronfastenkind sei , vor dem Ausbruch der heftigsten Gewitter alte , längst verstorbene Wässerbauern , welche sich gegenseitig ums Wasser betrogen , in den Wiesen wässern sehe , Graben auftun , Bretter einschlagen , dann stehen hinter diesem oder jenem Strauch oder Baume , Feuer schlagend und ihr Pfeifchen rauchend . Man denkt dabei nicht an die Sitte der rechten Wässerbauern , die alten , hundertjährigen , währschaften Röcke ihrer Großväter anzuziehen und uralte Hüte aufzusetzen , da modernes Zeug ins Wasser hinaus