, erschien die entsetzte Gestalt Eugeniens in Reisekleidung . Die Liebe siegte über Schreck und Schaam . Sie warf sich über Johannes mit aller Gluth und Seelenwärme eines Herzens , dem man sein Theuerstes rauben , das man vielleicht entehren und tödten will . Ihr grausamer Bruder ließ die reizende Gestalt durch die Knechte den umschlingenden Armen des Geliebten entreißen . Selbst ihr lauter Verzweiflungsruf : Ich bin sein Weib ! Vor Gott gehöre ich ihm an ! konnte den blind Wüthenden nicht erweichen . Sie wurden getrennt , Eugenie , um in ihre Zimmer zurückgebracht zu werden , Johannes , um am nächsten Morgen , wie ihm Erasmus ankündigte , seine Strafe zu empfangen . « » Dieser Morgen kam . Johannes ward gebunden in die Schloßhalle geführt . Dort waren bereits der Graf und seine ganze Dienerschaft nebst zahlreichen Knechten versammelt . Eugenie wurde mit Gewalt auf die Gallerie geschleppt und dort festgehalten . Hierauf verurtheilte Erasmus den ehemaligen Hofmeister seines Sohnes zu der für einen Freien entehrenden Strafe des Blockes , die er sogleich erlitt . Während derselben ward Eugenie als todt fortgetragen . Nachdem Johannes in ohnmächtiger Wuth diese Strafe überstanden hatte , befahl der Graf - « » Sie stocken ? O ich bitte Sie , « rief Herta , » beendigen Sie diese fürchterliche Geschichte ! « » Verzeihen Sie meine Schwäche , « nahm der Fremde nach kurzer Pause abermals das Wort . » Es gibt Erlebnisse , die schon in der Erinnerung auf einen Mann wie tödtendes Gift wirken . - Nun , « sagte er , » der Graf befahl , den Geliebten seiner Schwester draußen im Schloßhofe an den Pfahl zu binden , der für die Leibeigenen als Pranger dient , ihm den Rücken zu entblößen und für seine Frevelthat mit Ruthen zu hauen . Er nannte das , den Lohn für die im Dienste seines Hauses geopferten Nächte auszahlen ! « Dem Fremden versagte die Sprache . Er hatte diese letzten Eröffnungen kaum verständlich geflüstert . » Und Graf Erasmus , « fiel Herta ein , » nicht wahr , er ließ es bei der schrecklichen Drohung bewenden ? « » Nein , « versetzte mit eisiger Kälte und furchtbarem Aufflammen seiner tief liegenden Augen der Fremde , er sah der Vollziehung der grausamen Strafe mit Wohlgefallen zu ! Als der Unglückliche sie überstanden hatte , ohne vor Schaam zu sterben oder vor Wuth den Verstand zu verlieren , sagte er zu Johannes : » Jetzt hab ' ich Ihn ganz in Gold fassen lassen . Er kann nun gehen , wohin Er will , und von der Münze des Grafen Boberstein leben oder damit Handel treiben . Jagt den Schurken hinaus , und wenn er sich noch einmal im Bereich meines Schlosses blicken läßt , so erhält er dieselbe Belohnung wie heut ! « Johannes ward losgebunden . Mit todtenbleichem Gesicht und fast brechendem Auge kehrte er sich zu seinem Henker und sprach : » Ich werde Ihr Gold auf Zinsen legen , Herr Graf , und Ihre Güter damit aufkaufen ! « » Am Ufer des See ' s in der Haide setzte man den todtwunden Mann nieder . Mühselig schleppte er sich fort bis in eine Köhlerhütte . Dort fand er Hilfe und den Trost guter Menschen , denn sie waren arm und hatten noch ein Herz . Acht Tage raste Johannes im Fieber . Als er wieder zur Besinnung kam und langsam genas , war sein pechschwarzes Haupthaar grau geworden . Kummer und Schande hatten einen Greis aus ihm gemacht . Aber die Rache erhielt ihn jung , stärkte seine Muskeln , stählte seine Nerven wieder und ließ ihn der Geliebten gedenken - « » Es vergingen Wochen , ehe Johannes von Eugenien hörte . Das arme Mädchen hatte die gewaltige Seelenerschütterung überstanden . Sie war gesund geblieben , vielleicht nur , weil sie ein Pfand der Liebe mit ihrem Herzblut nährte . Erasmus ließ die Unglückliche in ein entferntes Haidedorf schaffen . Dort entdeckten sie Johannes ' Pfleger , die Köhler , und brachten ihm Nachricht . Er sah sie wieder , als sie eben eines zarten Mädchens , ihres schönsten Ebenbildes , genesen war . Sie nannte das Kind Herta und starb am Tauftage desselben . Von neuem Schmerz ergriffen rannte Johannes in den dichtesten Wald . Als er zurückkam , war Herta verschwunden . Er sah sie nie wieder , obwohl er ahnen konnte , daß Graf Erasmus die Neugeborene entführt haben würde - « Herta drückte schluchzend ihr Gesicht in die Sammetkissen der Ottomane . Der Fremdling betrachtete mitleidig die Weinende . Als sie ruhiger ward , rief er sie bei Namen ; sie richtete sich wieder auf und sah ihn groß und theilnehmend mit ihren glänzenden Rehaugen an . » Johannes begrub Eugenien , « fuhr er fort , » und nichts blieb ihm übrig von der Unvergeßlichen , als ihr Bild , das sie ihm in der ersten glücklichen Nacht geschenkt hatte . « » Mein armer , armer unglücklicher Vater ! « rief Herta . » O sagen Sie , bester Mann , sagen Sie , wenn Sie ' s wissen : welch Schicksal ist ihm gefallen nach so viel Schmerz und Erdenjammer ? « » Er verscholl in dem Andenken der Menschen , « sagte der Fremde mit feierlichem Ernst , » und hat dem Grafen Wort gehalten ! « Wieder blickte das Mädchen verwundert zu ihm auf . » Er hielt Wort ! « wiederholte sie . » Und kennen Sie ihn ? Hat er Sie gekannt ? « » In seinem Namen bin ich hier . « » Gott , Gott , mein Vater lebt ! « rief Herta und erhob mit entzücktem Blick die Hände zum Himmel . » Durch mich läßt er seine Tochter grüßen , « fuhr der Fremde fort , immer feierlicher sprechend , » und ihr sagen , daß die Stunde gekommen sei , wo der Schutzengel von dem Hause