mich überall ; ich war in meinem Bett versteckt , und der Franz war bös , aber um ihn wieder gut zu machen , hab ich mir eine besondre List ersonnen , ich fand in der Tonie ihrem Küchenrevier einen großen Korb mit weißen Rüben , den hab ich vorgenommen mit den Leuten , sie ganz dünn abgeschält und ausgehöhlt inwendig , in jede ein Wachslicht gesteckt und so die ganze Treppe illuminiert und den Vorplatz - ich hab bis nach Mitternacht mit zu tun gehabt , es war recht dumm , es wär besser gewesen , ich wär mitgangen ; denn der Primas ließ mir sagen , weil ich nicht mitgekommen wär , so soll ich am Freitag mit ihm und dem Weihbischof zu Mittag speisen und Fasttag halten . Ja , ich geh fort , ich bin in Gedanken schon unterwegs , die Meline hat auch schon alle Vorkehrung getroffen , ja , ich geh ! - Es tut mir nichts leid , als daß ich geh , eh Du wieder kommst , daß ich geh , und daß Du hier bleibst , aber ich tu es , weil Du es sagst , weil ich Dich als meinen Genius anerkenne - nein , nicht Du - aber er nimmt Deine Stimme an , ich freu mich , wenn meine Empfindungen diesen Winter ein bißchen hart frieren - ich freu mich auf alles . - Dem Arenswald hab ich , ohne mich im geringsten arm zu machen , Geld geschickt , ich hab beim Durchsuchen meiner Papiere allerlei verloren Geld zusammengefunden , von dem ich gar nicht wußt , daß es da war , ich hab alles in einem kleinen Beutel ihm geschickt und dem Gärtner den Kanarienvogel . Eh wir abreisen , geh ich noch mit der Meline hinaus zur Großmama , dann will ich sie bitten , daß ich , wie Du meinst , Briefe mit ihr wechsle . Adieu , vielleicht schreib ich Dir nicht mehr von hier . - Ich bin so lustig , daß ich fortgeh , ich freu mich so drauf , auf die schöne Winterlandschaft , die Du mir beschrieben hast , die mir ins Fenster hereinsehen wird - ich weiß es schon , ich werd selig sein . - Ich hab keine Ruh zum Schreiben , das Reisen steckt mir in den Gliedern , ich spring treppauf , treppab , die arme Claudine , wer wird sie pflegen ? Sie hat mir aber versprochen , sie wollt , solang ich fort bin , nicht krank werden ; denn ich bin eifersüchtig drauf , wie manche Nacht hab ich da gewacht und simuliert und hübsche Bücher gelesen , aber wenn sie krank wird , so gehst Du wohl als zu ihr . - Drauß auf dem Wall war ich auch , um noch von unserm Lieblingsspaziergang Abschied zu nehmen , die meisten Blätter sind schon gefallen , ich ging in einem Rauschen durch , alle Bäum regneten noch Blätter auf mich . - Der Moritz bleibt also mit seiner » Delphine « hier sitzen , das macht mich auch ganz vergnügt , daß ich das auch nicht mehr anzuhören brauch . Bettine Marburg Weißt Du denn , wer meine erste Bekanntschaft ist , die ich hier gemacht hab ? - Ein Jud ! - aber was für einer ? - Der schönste Mann ! - Ein weißer Bart von einer halben Elle , große braune Augen , so schöne einfache Gestalt , die ruhigste Stirn , prächtige , majestätische Nase , Rednerlippen , aber von denen die Weisheit süß hervortönen muß . Unser Hauswirt , der Professor Weiß , rief mich und sagte : » Wollen Sie einen schönen Juden sehen , so kommen Sie in meiner Frau ihr Zimmer , sie verhandelt ihm eben ihr Hochzeitkleid . « Die Meline wollte nicht mitgehen und war verwundert , daß Weiß uns einlud , einem Handelsjud die Aufwartung zu machen , ich hab ' s aber nicht bereut , es war ein Bild zum Malen , er saß in einem sehr reinen Rabbiner- oder Gelehrtengewand am Tisch , seine Hand guckte aus dem schwarzen weiten Ärmel , und das Abendrot leuchtete durch die Scheiben ; die Frau Professorin stand vor ihm und hielt ihren Hochzeitkontusch oder war ' s der von ihrer Mutter , denn es schien sehr altertümlicher Stoff , an beiden Ärmeln ausgebreitet , ihre Kinder standen zu beiden Seiten und hielten die Schleppe auseinander , es war ein orangenfarbner Stoff mit silbernen Sträußen und granatfarbnen Blumen durchwirkt , was sehr schön mit dem starken Abendrot kontrastierte , es war das schönste Bild , und gern hätt ich die Meline gerufen , es mit anzusehen , wenn nicht eine Scheu , um nicht zu sagen Ehrfurcht , mich auf dem Platz gehalten hätt , ich hätte diesen Mann nicht mögen als Gegenstand der Neugierde behandeln . - Es hatte mir auch was ganz Rätselhaftes , die Leute mit so großer Ehrfurcht vor ihm stehen zu sehen und ruhig seinen Ausspruch bei einem Handel abzuwarten . - Sie sprachen über eine Summe , wozu noch mehrere andre altertümliche Stoffe gehörten , die auf dem Tisch lagen . - Ich tat , als sei ich begierig , sie zu sehen , bloß um mit Anstand noch bleiben zu können ; denn je länger ich ihn ansah , je mehr fühlte ich mich angezogen und doch schüchtern , und der Weiß hätt mich gewiß nicht der Tür hinausgebracht , solang er da war , der Jude ließ mir von seinem Enkelsohn , der hinter ihm stand , die Stoffe ausbreiten , ich tat , als wär ich höchlich erfreut über das Vert de pomme-Kleid mit Apfelblüte , und mein Alter sah mich unterdes von der Seite an , das merkt ich , das machte mir heimlich Freud . - Der Professor Weiß sagte : » Nun , Ephraim , müssen wir erst ein Glas Wein zusammen trinken , und Sie trinken auch mit ,