nähme sie eine Maske vom Gesichte . » Graf , « sagte sie , ohne ihren hochfahrenden Ausdruck - » ich weiß , was man mit uns will ; lassen Sie uns redlich bleiben ! « In demselben Augenblicke trat sie unter die Menge . Auch Fenelon war von Leonin ' s Seite verschwunden . Er stand in tiefen Gedanken . Ahnete er , was sie - was die Königin angedeutet ? Oder begriff er es wirklich nicht ? Der Herzog von Lesdiguères hatte sein neu eingerichtetes Palais eröffnet , und man war einig , daß bei ihm und bei der Marschallin von Crecy sich die beste Gesellschaft in den schönsten Räumen unter den glänzendsten Zurüstungen einstellte . Mademoiselle de Lesdiguères erschien jeden Tag in dem Salon ihrer Eltern , während der Zeit , welche Maria Theresia bei ihrer Schwiegermutter zubrachte . Außerdem verließ sie die Königin nie . Leonin besuchte täglich um dieselbe Stunde mit dem Marquis de Souvré das Hotel de Lesdiguères . Er würde sehr erstaunt gewesen sein , wenn man ihm gesagt hätte , daß er damit alle die Gerüchte bestätigte , die sich über seine beabsichtigte Vermählung mit Mademoiselle de Lesdiguères immer bestimmter verbreiteten . Nur dem Augenblicke lebend , stimmte er ganz der listigen Aeußerung des Marquis bei , welcher , stets das Ansehn der Langenweile zeigend , ihm versicherte , man könne es ohne Mademoiselle Viktorinens Gegenwart doch gar nicht aushalten . - Mit der größten Absichtlichkeit zog er Leonin an allen Anderen vorüber zu Viktorinen hin , und kaum hatte er die Unterredung Beider eingeleitet , so entfernte er sich , wodurch diese Annäherung noch auffallender ward ; denn Beide , in Berührung gesetzt , gefielen sich zu sehr in ihren Mittheilungen , um sie freiwillig aufzugeben und bemerkten es nicht , wie anerkannt ihr Verhältniß gerade dadurch ward , daß sie Niemand störte , was keinen andern Grund hatte , als daß man sie für Verlobte hielt . - Leonin fühlte sich jeden Tag lebhafter durch Viktorine beschäftigt . Sie schmeichelte vollkommen seinen Schwächen durch ihre Eigenthümlichkeit ; denn sie war Alles , was er nicht war . Er fühlte sich beständig ergänzt , gestützt und erklärt durch ihren festen und edeln Karakter , ihren scharfen , unbestechlichen Verstand . Dagegen fiel dies edle Wesen in den oft sich wiederholenden Fehler ihres Geschlechtes , die Schwächen des Mannes zu erkennen ; aber in dem Gefühl eigner reicher Kräfte sich der Hoffnung und dem Streben zu überlassen , ihm diese Umänderung oder diese Festigkeit geben zu können . Sie übersah aber , daß ihre Phantasie ihn nach und nach wirklich zu dem machte , was sie wünschte , daß er es sein möchte ; sie verkannte , daß sie in dem Besitz dieser Eigenschaften war , die bloß darum bei ihren Ansichten und Meinungen in ihren Unterredungen nicht fehlten , weil sie dieselben hervortreten ließ , und Leonin bloß die leichte , liebenswürdige Gabe besaß , sogleich in solche Anregungen verstehend einzugehn . Er hatte dabei die Milde , die vorherrschende Weichheit , die ihr fehlte , die sie zu erringen wünschte , gehindert von dem kräftigen Aufwuchse ihres befähigten Naturells . Deshalb glaubte sie ihn so viel besser , als sich ; ihr schien errungen - Weisheit , Reife der Entwicklung bei ihm , was bloß eine Art Indolenz war , veredelt durch ein gutes , fein fühlendes Herz , welches in früherer Zeit vielleicht zu einer kräftigeren Gestaltung hätte geführt werden können - damals aber , wie wir zum Oefteren schon erwähnt haben , von der eigennützigen Liebe seiner Mutter bloß zu ihren Zwecken gebildet ward . Doch ward Leonin noch durch Nichts aus dem einwiegenden Zustande dieser täglichen geselligen Betäubungen gerissen , die ihm an Wichtigkeit stiegen in dem Maaße , wie auch für ihn die tausendfältigen kleinen Interessen und Eitelkeiten zu verfolgen waren , welche , um ihn her getrieben , Jeden verwickelten , der sich ihnen nicht mit Bewußtsein entgegenstellte . Sein Vater erwartete mit Sicherheit , daß Anna von Oesterreich seinem Sohne die Braut erwählen werde , und fühlte sogar eine kleine Schadenfreude , diese Angelegenheit , wie er wähnte , seiner Gemahlin aus den Händen genommen zu haben . Der König und die Königin besonders , behandelten Leonin mit Auszeichnung . Man sprach ihm so oft davon , daß ein hohes Hofamt ihm nicht entgehen könne , daß er daran glaubte , zuletzt es als eine Ehrensache ansah , daß ihm das allgemein Zuerkannte nicht vorenthalten bliebe . - Und aus diesen Anregungen schossen Ehrgeiz und Eitelkeit auf , die ihn Vortheile suchen und verfolgen ließen und ihn an die Stelle , die ihm Erfüllung verhieß , fesselten , als müsse er sie bewachen . Die Freundschaft , der Vorzug , - da er es nicht anders nennen wollte - mit welchem Mademoiselle de Lesdiguères ihn beehrte , mußten ihm daher , bei der Gunst , die sie bei den Majestäten genoß , behülflich und vortheilhaft sein . Er war unwillkürlich auffallender mit ihr beschäftigt in Gegenwart der hohen Herrschaften , und immer schien es ihm , als ob die Königin ihn wohlwollend beobachte und ihn nach solchen Tagen selbst in ihre kleineren Zirkel bescheiden ließ , wo Leonin , belebt von seinen geheimen Wünschen , eine größere Liebenswürdigkeit und Anmuth zeigte , als seine gewöhnliche Indolenz sonst zuließ . - Vielleicht erfuhr Leonin nicht mehr und nichts Anderes , als die meisten jungen Leute , welche ohne Lebensplan und Karakterstärke in die betäubende Atmosphäre eines solchen Schauplatzes versetzt werden . Fast Jeder , der dieser Jugendperiode gedenkt , wie anders auch der Standpunkt ward , den er sich später wieder gewann , muß sich den chamäleonischen Farbenwechsel seiner Gesinnungen eingestehen , der ihn damals fortriß , ein Spielzeug der herrschenden Menge zu werden , ihren Gesetzen entgegen zu kommen gegen frühere Ueberzeugung . Aber nicht Jeder entfernt sich damit , so wie Leonin , von bindenden , heiligen Verpflichtungen ; - und was dort