Vertrauen an keine Unwürdige verschwendet , und vielleicht zugleich einen tieferen Blick in mein Herz gethan als - erröthend stockte sie , umarmte ihre neue Freundin , und eilte davon , von weit schwereren Vorgefühlen gedrückt , als sie es sich selbst gestehen mochte . Längst schon war Helena , ungeachtet ihrer großen Jugend , in die Geheimnisse ihres Vaters eingeweiht gewesen ; beide wußten nicht genau , wann oder wie sie dazu gelangte : es war eben ganz allmälig , gleichsam von selbst dazu gekommen . Fürst Andreas war von seinen patriotischen Ideen für die Verbesserung der allgemeinen Wohlfahrt zu erfüllt , um im engeren Kreise seiner Familie und vertrauten Freunde sie nicht vorzugsweise zum Gegenstande der Unterhaltung zu wählen ; und die warme Theilnahme , mit welcher seine jüngste Tochter ihm ihre Aufmerksamkeit zuwandte , während er oft den Anflug von Langerweile sich nicht ganz verbergen konnte , welcher bei seinem etwas breit gedehnten Vortrage des oftmals Gehörten den übrigen Theil seiner Zuhörer zuweilen überkam , erhob die Kleine gar bald zum Hauptgegenstande seiner väterlichen Liebe und Sorgfalt . Mit Entzücken sah er die junge Pflanze unter seinem Schutze an ihm emporranken , immer herrlicher sich entfalten , immer inniger mit seinem eigentlichsten Wesen sich verzweigen . Von ihm geleitet , entwickelte Helena nicht nur die edelsten und liebenswürdigsten Eigenschaften ihres eignen Geschlechts , sondern auch solche , die von demselben , in diesem hohen Grade kaum erwartet werden : Muth und Geistesgegenwart in dringender Gefahr , unbestechliche Urtheilskraft unverbrüchliche Verschwiegenheit , und jenes tiefe ritterliche Gefühl für Ehre , das den Mann zum Helden erhebt . Helena , durch Lehre und Beispiel ihrer Mutter darin bestärkt , sah ihrerseits von ihrer frühesten Kindheit an in ihrem Vater das Bild der segnenden Gottheit auf Erden . Mit jener kindlichen Pietät , die einen Grundzug im Charakter ihres Volks ausmacht , hing sie an ihren beiden Eltern , in inniger Verehrung und Liebe , und hätte den kleinsten Zweifel an das Urtheil , an den edlen hohen Sinn ihres Vaters , sich nie und nimmermehr verziehen . Nie kam es ihr in den Sinn mehr erfahren zu wollen , als er ihr mitzutheilen für gut fand ; daher kannte sie von den Geheimnissen des Bundes nur die glänzende Seite , die mit des Fürsten Plänen und Unternehmungen in Zusammenhang stand , und mochte nicht mehr davon wissen , wenn gleich mancher Argwohn der Kehrseite desselben sich zuweilen ihr aufdrängen wollte . Sie bauete mit Zuversicht auf ihren Vater , der wohl wisse was recht und erlaubt sei ; er aber trug eine Art religiöser Scheu davor , ihre reine Phantasie mit Bildern von Greuelthaten zu beflecken , deren Ausführung abzuwenden , stets in seiner Macht stehen würde , wie er wähnte . Im festen Vertrauen auf die unbegrenzte Liebe , den unbedingten Gehorsam seiner Kinder , auf die treue Anhänglichkeit seiner Gemahlin , war Fürst Andreas wenig daran gewöhnt , in ihrer Gegenwart sich den mindesten Zwang in der Unterhaltung anzuthun , oder seine Worte abzuwägen ; und so hatte denn die Fürstin ihrerseits aus halbverstandnen Äußerungen sich manches zusammengesetzt . Das Einzige , worüber sie zu einer Art von Gewißheit gelangte , war das Dasein eines geheimen großen Vereins , an dessen Spitze ihr Gemahl mit allen seinen wohlthätigen Plänen und Projecten sich gestellt hatte . Sie sah voll inneren Jubels dem Tage sehnsüchtig entgegen , an welchem der geliebte Mann wie ein gottbegabter Wunderthäter auftreten und die Schaaren seiner Widersacher , an welchen es ihm , wie sie wußte , nicht fehlte , vor sich niederschlagen würde . Die vor einigen Tagen in Mitchells Begleitung angetretene Reise schien ihr gleichsam nur eine letzte Vorrichtung , eine Art Vorspiel zu der großen Haupt- und Staatsaction zu sein , deren Entwicklung sie bei des Fürsten Heimkehr , in den nächsten Tagen , stolz und erwartungsvoll entgegen sah . Die Sonne stand schon ziemlich hoch , als Eudoxia eines Morgens , zwischen Schlaf und Wachen , den ihrem Gemahl bevorstehenden Triumph auf das glänzendste sich ausmalte , bis eine Schreckensgestalt plötzlich ihre beglückenden Träume verscheuchte . Die noch immer halbkranke Amme war es , die gefolgt von dem Heere von Kammerfrauen zu ihr eindrang ; mit verzerrtem Antlitz , zitternd , bis zum Unkenntlichen entstellt , trug sie ihr in heulendem Tone die wunderlichsten Gerüchte vor , die bis in ihr abgelegnes Zimmer so eben gedrungen waren . Von Verhaftungen , von ausgebrochnen Unruhen in der Stadt , von revolutionairen Bewegungen war die Rede . Die Namen des Fürsten , vieler Großen , und auch Richard Wood wurden bei dem Allen genannt . Einzelne Unbekannte , in Hut und Mantel tief Verhüllte , sollten beim Portier eifrig und ängstlich nach des Fürsten Heimkehr sich erkundigt haben . Die Fürstin starrte die Unglücksverkünderin an , begriff aus ihren verworrenen und verwirrenden Reden nur , daß etwas höchst Unglückliches sich zugetragen habe , und sank vom Schrecken übermannt in Ohnmacht hin . Die Kammerfrauen , die sich der Amme nach , hinter den Vorhängen des Alkovens zusammengedrängt hatten , brachen in überlautes Wehklagen aus . Die Verwirrung wurde groß , sie wäre noch größer geworden ; doch Zoë , die von jugendlicher Neugier getrieben , überall , wo etwas Ungewöhnliches vorging , zugegen war , hatte glücklicher Weise Besinnung genug , ihre Gebieterin herbeizurufen . Helena erschien ; und obgleich selbst innerlich beunruhigt , behielt sie doch Fassung genug dieses zu verbergen , und dem unnöthigen Gelärme zu steuern . Die Fürstin erholte sich aus ihrer tiefen Ohnmacht und gelangte , unter dem tröstlichen Zureden ihrer Tochter , bald wieder zu einer Art von Beruhigung , die nicht wieder unterbrochen wurde , weil Helena Sorge trug , alles was diese stören konnte , von ihr fern zu halten . Es fehlte nicht daran ; die Nachricht von dem plötzlichen Erkranken der Fürstin hatte unter ihren näheren Bekannten sich schnell verbreitet . Ein eben nicht gefahrdrohendes Krankenbett ist in der höheren Societät ,