. So dachten sie aber , die Armen , da man ihnen so vieles von ihrem früheren Recht genommen hatte , sie müßten sich krümmen und bücken , und wenn sie unter sich wären , grob und ungeschliffen sein . Darein setzten sie dann ihre Freiheit . Sind erst viele so , wie Sie , Mann - und gewiß gibt es schon viele , und sie werden noch wachsen : so darf das Volk auch wieder mitreden . Überhaupt , Herr Leonhard , es müssen andere Zeiten kommen ; die Welt hat sich abgenutzt ; sind Sie nicht auch der Meinung ? Der Malvolio wird gehänselt und abgesetzt ; aber der Narr , so viel hübsche Einfälle er auch hat , wird doch hoffentlich auch nicht zur Regierung kommen ? « Mit diesen Worten entfernte sich der redselige Alte . Sechster Abschnitt Frühmorgens fuhr Leonhard mit Elsheim vom Schlosse ab . Alles schien noch im Hause zu schlafen ; nur Joseph begleitete die beiden Freunde bis an den Wagen . » So wäre denn « , fing Leonhard an , » diese sonderbare Lebensepoche für mich beschlossen . Wie hat sich alles so anders gestaltet , als wir es uns beim Ausreisen vorbildeten ! Wann sehe ich dich wieder ? « » Ich hoffe « , antwortete der Freund » - ich möchte sagen , ich weiß es gewiß - im Winter . Dein Leben hier , sagst du , sei beschlossen ; das meinige freilich noch nicht . « Sie sahen jetzt in der Ferne , rechts vom Wege , jene Waldhütte liegen , die ihnen beiden so merkwürdig war . » Ich verstehe deine Blicke , Freund , rief der Baron aus , und ich erkenne die Größe deiner Freundschaft auch darin , daß sie mir dies Opfer hat bringen können . « » Nenne es nicht so « , sagte Leonhard ernst ; » in gewissem Sinn ist unser ganzes Leben eine Aufopferung . Wie wenige unserer wahren Wünsche können sich erfüllen ! und diejenigen Träume , welche eintreffen , sind , in Wirklichkeit verwandelt , oft sich unähnlich , nicht wiederzuerkennen . Und so tragen , dulden , zweifeln und genießen wir im wechselnden Taumel und trauriger Nüchternheit . Die Jugend fällt von uns ab ; selbst das Heiterste dünkt uns töricht ; man setzt sich an die Tafel , um zu schwelgen , und steht darbend und ernüchtert auf , weil uns die früheren Gelüste anwidern ! « » Sei nicht so melancholisch « , rief Elsheim , » sonst verdirbst du mir meine eigene Lust . « Der Wald empfing sie , und der Anblick des Schlosses entschwand ihnen . » Ja wohl « , sagte Elsheim , » entschwindet uns die heitere Unbefangenheit der Jugend ; auch mich drückt dieses Gefühl . Man wird nicht klüger , sondern nur zweifelnder und träger . Aber eben darum wollen wir die Neige dieses Götterweins behaglich und schlürfend genießen . - Sieh « , sagte er mit erhöhter Stimme , » jetzt sind wir schon in Franken . « Leonhard sah um sich , und Elsheim fuhr fort : » Da du es mir gestanden hast , daß du dein teures Nürnberg in heiliger Andacht , wie ein Wallfahrer besuchen willst , so bist du auch wohl so gefällig , diesen Brief dort abzugeben . Er eilt gerade nicht , darum kannst du ihn nach deiner Bequemlichkeit bestellen ; aber vergessen wirst du ihn nicht . « » Gewiß nicht « , sagte Leonhard , und legte das Blatt sorgfältig in seine Brieftasche . Im nächsten Städtchen machten sie halt , erquickten sich und nahmen Abschied . Leonhard war ganz träumerisch , und hörte nur wenig von dem , was ihm der Freund noch sagte . So schieden sie , und auch Elsheim war zerstreut , weil seine Phantasie schon in jenem Waldhäuschen war , wo er jetzt , nach wenigen Stunden , die reizende Charlotte zu finden hoffte . Im Städtchen nahm Leonhard einen andern Wagen , um eine Seitenstraße einzuschlagen , welche ihn in wenigen Tagen nach seinem geliebten Nürnberg bringen sollte . Während er so einsam weiterfuhr , spürte er seiner Verstimmung nach , und suchte die Ursache dieses quälenden Mißgefühls zu entdecken . Er mußte es sich gestehen , daß er seinem Freunde mit einem gewissen Neide nachgeblickt hatte , indem ihm in frischem Glanz die Schönheit seiner lieblichen Feindin vorschwebte . Auch die sichtbare Eile und Zerstreuung Elsheims beim Abschiede hatten ihn verletzt . Aber noch eine Empfindung traf er an , die er sich erst ableugnen wollte , und die dennoch immer wieder emportauchte . Er hatte seinem Freunde und dessen Liebhaberei , sosehr er selbst dabei ergötzt war , doch eine bedeutende Zeit geopfert ; er war selber oft sehr tätig gewesen , und hatte bis zur Ermattung gearbeitet . Alles dies wußte Elsheim , und war selbst oftmals Zeuge davon gewesen . Er hatte also erwartet , daß ihm der Freund beim Abschiede irgendeine Summe würde aufdringen wollen , die er abzulehnen und nicht anzunehmen fest beschlossen hatte . Noch in der Nacht hatte er sich die Reden und Gründe wiederholt , die er dem Baron entgegenhalten wollte , um sein Verweigern auf jede Weise zu rechtfertigen . Dieser Wettstreit der Freundschaft und Großmut war nun nicht eingetreten ; und - sagte Leonhard zu sich selbst - sollte mir das nicht erwünscht sein , statt mich zu kränken und zu betrüben ? Ich war so fest entschlossen , seine großen Ausgaben , die sein Leichtsinn wohl bis zum Unverhältnis steigern mag , nicht zu vermehren - aber unser törichtes Herz ist aus so seltsamen und feinen Fasern gewebt , die uns oft lange verborgen bleiben , wie es eben jetzt meiner Eitelkeit wehe tut , daß meine beabsichtigte Aufopferung und freundschaftliche Großmut gar nicht zu seiner Kenntnis gelangt ist . Es fiel ihm bei , daß er dennoch nicht mit leeren Händen nach Hause zurückkomme . Es war