weil seine Füße geschwollen waren . Sein Gesicht war bleich und entstellt , er athmete schwer aus beklemmter Brust und konnte , auf den Arm des Sohnes gestützt , durch heftiges Husten gehindert , nicht so schnell die Treppe ersteigen , wie seine zitternde Eile es verlangte ; er sah mit scharfen Blicken abwechselnd in die verweinten Augen der Mutter und des Sohnes , die ihm schlimme Vorzeichen zu sein schienen . Der alte Lorenz blickte mit lauerndem Lächeln von dem jungen Grafen auf seinen Sohn , und dieser erwiederte den Blick des Vaters durch ein spöttisches Zucken des Mundes . Alles dieß entging dem alten kranken Grafen nicht , der sich um so mehr beeilte , sein Zimmer am Arme des Sohnes zu erreichen , dessen Zorn beim Anblicke des beinah vernichteten Vaters schwand . Sie hatten endlich die Treppe erstiegen , und der Vater zog den Sohn in sein Kabinet und sagte , indem er noch dessen Arm umschlossen hielt , in heftigster Angst : Sprich es nur aus , zögre nur nicht , Du bringst nichts , wir sind verloren . Könnte doch dadurch Alles gut werden , sagte der Sohn , indem er beide Hände des Vaters faßte , daß ich Ihnen vollständige Hülfe bringe . Wie war das , sagte der Vater , indem er , durch den freudigen Schreck ermattet , sich in einen Lehnstuhl senkte , hast Du die nöthigen Summen ? Ich habe alles erhalten , was wir brauchen , erwiederte der Sohn , und zwar ohne Anstrengung , ohne Künste . O mein Vater , wie sehr haben wir den besten der Menschen verkannt . Laß das jetzt , rief der Vater , indem ein Strahl der Freude in seinen erlöschenden Augen aufblitzte , wir wollen uns schnell die beiden Schurken vom Halse schaffen , die mich ganz wie ihres Gleichen behandelt haben . Ach , mein Vater ! seufzte der Sohn . Laß alle Erklärungen , rief der Vater , wenn die Beiden aus dem Hause sind , dann wollen wir über Alles sprechen . Er wollte sich schnell erheben , um dieß sogleich auszuführen , aber der Husten , der ihn von Neuem überfiel , verhinderte ihn an der Ausführung seines Vorsatzes . Es währte eine halbe Stunde , ehe der Kranke sich von der Anstrengung des heftigen Hustens erholen konnte . Ich habe mich um der Schurken Willen heute noch erkältet , sagte er endlich , und dieß wird mir um so nachtheiliger , da ich schon krank war , ehe wir in den Wagen stiegen ; aber komm nur , wir wollen sie nun gleich abfertigen . Er erreichte , auf den Arm des Sohnes gelehnt , den Saal , in dem die Mutter mit dem alten Lorenz und dessen Sohne ein gleichgültiges Gespräch zu führen suchte . So krank der alte Graf sich auch fühlte , so richtete er sich doch stolz empor und sagte mit vornehmer Höflichkeit zu den Beiden : Es thut mir leid , meine Herren , daß Sie sich so lange vergeblich bei mir aufgehalten haben , da aus unsern früheren Plänen nichts werden kann , weil ich gesonnen bin , meinem Sohn die Güter zu übergeben , und ich beklage nur , fügte er spöttisch lächelnd hinzu , daß Sie sich heute die unnütze Mühe gemacht haben , Alles in meiner Wirthschaft zu betrachten , die Sie niemals führen werden . Der alte Lorenz so wohl , als sein Sohn waren nach dieser Erklärung sichtlich bestürzt , aber da sie fühlten , daß alle ferneren Versuche vergeblich sein würden , ging der Sohn hinweg , um seinem Bedienten zu befehlen , die Pferde anspannen zu lassen . Nicht eine Sylbe wurde gesprochen , um diesen Vorsatz zu verhindern , obgleich die Abenddämmerung schon eintrat , und beide unwürdige Gäste mußten sich von dem Schlosse entfernen , das sie schon wie ihr Eigenthum betrachtet hatten . Gottlob ! rief der alte Graf , als sie das Haus verlassen hatten , nun ist die Luft wieder rein , aber ich fühle mich krank und ermattet , ich will mich zur Ruhe begeben und Thee im Bette trinken , das wird mir wohl thun , und dann sollst Du , mein Sohn , mir Alles erzählen . Der junge Graf zog die Klingel , um einen Bedienten herbei zu rufen , aber wie heftig er dieß auch in kurzen Zwischenräumen wiederholte , so zeigte sich doch Niemand , um den Kranken zu entkleiden . Der Sohn ging endlich selbst , um einen Diener aufzusuchen , aber seine Mühe war vergeblich . Von der zahlreichen Dienerschaft war Niemand zu finden . Es hatte sich in diesem Hause ein Jeder nach und nach so viele Freiheiten genommen , und so viele Dienstleistungen von sich abzulehnen gewußt , daß zwar viele Menschen darin waren , die ernährt werden mußten , aber niemand , der wahrhaft nützlich gewesen wäre . Da man ihnen allen den Lohn schuldig bleiben mußte , so fanden sie Mittel , sich auf andere Weise bezahlt zu machen , und indem ihre Forderung jeden Monat anwuchs , konnten sie um so trotziger bei jedem Tadel , den die Herrschaft auszusprechen wagte , erwiedern : Zahlen Sie mir meinen Lohn aus , so verlasse ich Ihren Dienst sogleich . Der junge Graf seufzte bei dieser fühlbaren Zerrüttung des ganzen Hauswesens , und dachte an die edle Einfachheit und Ordnung in dem Hause seines Oheims . Da er seinen Zweck gänzlich verfehlte und keinen Diener fand , so kehrte er zu seinem Vater zurück , den er im heftigen Fieberfrost zitternd fand ; die Mutter war hinunter gegangen , um Thee zu besorgen , denn auch dieß machte Schwierigkeit , da es etwas früher als gewöhnlich geschehen sollte . Der Zustand des alten Grafen erregte das innigste Mitleid des Sohnes , er führte den alten Mann nach dem Schlafzimmer und leistete ihm selbst die nöthige Hülfe , um ihn zur Ruhe zu bringen . Indeß hatte