Melancholie verscheucht , und die unselige Heftigkeit ungehöriger Liebe sich in Beiden zu ruhig entsagender Freundschaft umgewandelt hätte ? Würde es Ihnen genügen ? würde es Ihnen den Trost geben , den es doch geben sollte , daß ein heftiger Stoß Alle wieder ins Gleichgewicht brachte ? Und in Wahrheit , liebe Freundin ! es kann so sein , es sieht fast darnach aus . Wenigstens verhält es sich mit Hugo ' s äußerm Thun , wie ich Ihnen sagte . Er baut , pflanzt , verschönt auf seinen Gütern , was diese verbessern , und den Ansprüchen an Veredlung Genüge thun kann . Er entfernt sich nur auf kurze Zeit von der Burg , spielt Abends Schach mit dem Oheim , besucht die Nachbarn , und hat sonst mit Niemanden Verkehr . Elise ist bei ihrer Tante . Man weiß nichts von ihr zu sagen . Ganz kürzlich erzählte man , für sie sei der Bau in Wehrheim , sie werde dort einziehen . Auch das hat sich nicht bestätigt ; ob man gleich Tag und Stunde ihrer Ankunft bestimmte , sind Wochen vergangen , ohne daß sie kam , und das Gerücht schweigt allmählig . Selbst ich hatte lange keine Nachricht von ihr . Es scheint , sie beschränke sich ganz auf die einförmige Thätigkeit häuslichen Stilllebens , und zeige , daß sie kann , was sie will . Wie geringe Ausbeute wird mein Bericht Ihren Nachforschungen geben , liebe Freundin ! Werden Sie es nicht bereuen , sich deshalb an mich gewendet zu haben ? Eins , gleichwohl muß ich hier noch erwähnen , das in seiner lustigen Naivetät weit eher geeignet ist , Ihren Witz als Ihre Galle zu reizen . Die bewegliche Gräfin Ulmenstein ist jetzt unsere eifrigste Anhängerin geworden . Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht , dem armen , guten Comthur in seiner tödtenden Einsamkeit Gesellschaft zu leisten , ihn aufzuheitern , sein Vertrauen mit allen Waffen liebkosender Schmeichelei zu erobern , Hugo zu interessiren und mich zu überraschen . Der Eifer , mit dem sie dies Vorhaben ins Werk richtet , läßt sie vergessen , daß man sie kommen hört , und Niemand getäuscht wird . Ich mußte lachen , als sie , gleich nach ihrer verspäteten Ankunft auf dem Lande , zu mir eilte , fragte und weinte , tröstete und sich hoch und theuer vermaß , die unerhörte Bosheit der Welt durch die allerlebhafteste Darstellung der Wahrheit zu Schanden zu machen . Sie entwickelte dabei so viel zärtliches Mitgefühl , so scharfsinnige Billigkeit , sie steigerte sich in den vertrauenden Herzensergießungen von Moment zu Moment mehr , und verließ die Scene mit so viel Wärme , daß sie , über sich selbst getäuscht , auch mich getäuscht zu haben glaubte . Leichter , gesellig anziehender , hat sie es auf der Burg getrieben , wo sie als gute , alte Nachbarin , als Frau von gar keinem Gewicht , und hinaus über alle Rücksichten , ohne alle Umstände einen Ueberfall wagen durfte , sich fest sprach , Niemand los ließ , und damit endete , sich die Erlaubniß zu nehmen , Nächstens , und nach diesem Nächstens , öfter und immer wiederkommen zu dürfen . Sie war auch in Wehrheim . Sie spricht mit Extase von dem neuen Schlosse . Ein junger Architekt , der sie umherführte , ward andern Tages ihr Gast zu Mittage . Sie ging in jede Einzelnheit mit lebhafter Aufmerksamkeit ein . Nichts schien ihr zu gering , um es nicht herauszuheben . Auf der andern Seite wollte sie es indeß auch nicht mit dem Präsidenten , mit dem Hofe , und ganz besonders mit der Fürstin Mutter verderben , deshalb versäumte sie nicht , den kleinen Georg bei seiner Pflegerin aufzusuchen . Die Art , wie sie sich über das liebe Kind erweichte , es einen Engel nannte , dabei bald weinte , bald lachte , muß etwas Theatralisches gehabt haben , denn die Kinder des Amtmanns spielen seitdem immer Gräfin Ulmenstein , putzen sich auf das Tollste heraus , und verdrehen zum Hauptspaß der Erwachsenen , Mienen und Geberden unter dem Sprechen . Was Kinder nicht alles herausfühlen ! denn geradezu zur Schau hat sich die Gräfin bei dem Allen nicht gestellt . Dazu ist sie in der Welt zu gut zu Hause . Es muß daher in der Unwahrheit liegen , die immer ihre Widersacher in dem natürlichen Menschen findet . Weiter reicht mein Neuigkeitsvorrath nicht . Wenn ich vielleicht ungeschickt im Beobachten und Combiniren bin , so lassen Sie mich ' s nicht entgelten . Entziehen Sie mir nicht ganz Ihr Vertrauen . Hugo an Elise Ist es möglich ? - O es ist mehr als das , es ist wirklich ! Sie waren schon völlig entschlossen , meine Hoffnungen zu zerstören , als ich deren Erfüllung in der Unschuld des Herzens ganz gewiß zu sein glaubte ? Nein , das ist wahr , daran hatte ich nicht gedacht , daß Sie der Meinung , diesem Vexirspiegel der Vernunft , so große Rücksichten schuldig wären . Verzeihen Sie mir dies ; sehen Sie , es liegt wohl daran , daß ich keine Tante zur Seite habe , die solche Feenkünste mit mir treibt . Es ist zu bewundern , wie diese Frau ihre Gaben versteckt hält ! Wahrhaftig , sie hat Sie ganz bezaubert . Nur schade , daß außerhalb dem geweihten Kreise solche Beschwörungsformeln leicht etwas Albernes und Triviales bekommen . Ich erschrack fast , da ich sie las , doch mehr über mich , als über die Worte , denn ich konnte keinen Sinn darin finden . Sie hätten mich vorbereiten sollen . In meiner Unbefangenheit war ich nicht zu bestechen ! O Elise ! auch Sie , auch Sie ! - Welch ' unseliger Hang zur Sklaverei liegt denn im Menschen , daß die erste , die beste geläufige Weiberzunge Sie aus Ihrer Ueberzeugung hinausschwatzen , und Ihre klare Festigkeit , Ihre Erkenntniß , kleinlichen , krausen Irrthümern