nur den freundlichen Gruß eines so eben über die Schwelle Schreitenden . Der Schultheiß , ein Mann von Sitte und Geschmeidigkeit , zögerte nicht , der sichtbaren Verlegenheit Margarethens hülfreich entgegen zu kommen , und fragte bescheiden und angelegentlich nach dem Schöffen . Margarethe berichtete ihm , ihr Gatte sey nach dem Garten gewandelt , um über die Anpflanzung desselben Befehle zu ertheilen . Der Schultheiß lächelte fein . » Freund Diether , « sprach er , » scheint Blümlein und Früchte zu lieben ; er ist eifersüchtig , auf sein Eigenthum , und entzieht aller Welt dessen Genuß . Die schönste Blume seiner Gärten läßt er in Einsamkeit vertrauern , statt dann und wann die Zahl anderer Verehrer durch ihren Anblick zu erfreuen . « - Margarethe , deren Scharfsinn gar leicht die Bedeutung der sinnbildlichen Rede errieth , antwortete durch das Roth auf ihren Wangen , und duldete es , daß der Schultheiß betonender fortfuhr : » Wir haben Euch so lange nicht in unsrer Mitte gesehen , ehrsame Frau . Die weitberühmte und herrliche Gesellschaft auf Limpurg1 hat ihren Reiz und Glanz verloren , seitdem sie Euch nicht mehr zu ihren Gästen zählt . Wahrlich , ich werde am Ende von meinem Stubenmeisterrecht Gebrauch machen müssen , um den säumigen Gesellen Diether Frosch zur Ordnung und zur Pflicht anzuhalten . Nicht umsonst heißt Limpurgs Banner- und Wahlspruch : Zucht und Ehren soll man mehren , und Freud nicht wehren . Aber Euer Eheherr wehrt unsrer Freude , indem er uns Eure Holdseligkeit versagt . « - Margarethe erwiederte hierauf besonnen und milde , daß der Schultheiß zu strenge ihrem Herrn zur Last lege , was am Ende sie nur allein verschuldet ; daß die Einsamkeit des Hauses ihr besser zusage , als die Festlichkeiten Limpurgs ; daß sie deßhalb freiwillig in denselben verbleibe , besonders seit ihr Söhnlein wiederum gesundet nach der Stadt gekehrt . - Der Schultheiß schüttelte am Schlusse dieser Entschuldigung leicht , aber dennoch bedeutend mit dem Haupte . » Es mag seyn , « sprach er , » daß die Liebe zu dem Kinde eines geliebten Mannes in einer Frauenseele alles Übrige verdrängt . Ich , der Hagestolz , habe nie Gelegenheit gehabt , mich davon genau zu unterrichten . Aber all ' Eure geschickten Ausflüchte , reichen nicht hin , um mich von deren Wahrhaftigkeit zu überzeugen . Wo Eifersucht ist , ehrsame Frau , da ist auch Zwang ; und eifersüchtig ist Diether im höchsten Grade , so sehr Ihr Euch bemüht , ihn zu entschuldigen . Wer weiß , ob ich ' s nicht auch an seiner Stelle wäre . Je strahlender der Edelstein , je näher der Dieb . Dem sey nun aber , wie es wolle , « fügte er mit zierlicher Verbeugung hinzu : » Der Glücklichste auf Erden würde ich seyn , wolltet ihr mir vergönnen , Euch in Eurer Einsamkeit die Huldigung darzubringen , die Ihr von der Menge verschmäht ; wolltet ihr diese goldne Rose gütig empfangen , die ich Euch an dem Tage überreiche , der Euch gebar . Sie sollte von Juwelen gebildet seyn , wäre ich ein Fürst ; - ein einfach Maienröslein , wär ich noch ein Jüngling , dessen Rosenwangen seiner schlichten Gabe das Wort reden könnten . « - - Er hielt der staunenden Altburgerin die kostbar gearbeitete Goldblume mit süßem Lächeln und hofmännischer Geberde hin , und stutzte über die Maßen , als Margarethe das Geschenk mit zierlichen , aber klaren und bestimmten Worten zurückwies . - » Seyd nicht ob meinem Thun beleidigt , Herr Ritter ; « endigte sie : » Wie dürfte ich von Eurer Hand ein Geschenk empfangen , das ich nimmer erwiedern könnte . Die Sitte , und meine Pflicht gegen Diether verbinden mich , diese Rose auszuschlagen , welches auch ihre Deutung sey , und welche , ohne Zweifel untadelhafte , Absicht Ihr bei ihrer Überreichung haben mögt . « » Das ist eine harte Weigerung ; « antwortete der Schultheiß , mit dem Ausdruck gekränkter Eitelkeit : » es kann Euch ja schon längst kein Geheimniß mehr seyn , schöne Frau , welche Gefühle ich für Euch hege . Schon längst sehnte ich mich nach einem Anlaß , ihnen Worte zu leihen . Heute , an dem schönsten Feiertage , der für mich vorhanden , finde ich diese Gelegenheit , und Grausamkeit wird der Lohn meiner redlichen Empfindung ? Bedenkt , holdeste der Frauen , daß Ihr durch Eure Weigerung die Rose nicht allein verwerft . « » Bedenkt , edler Herr , « erwiederte Margarethe , gereizt durch den drohenden Ernst , der in des Schultheißen letzten Worten zu liegen schien , - » bedenkt , daß ich ein verehlicht Weib bin , das solcher Zweisprache füglich entbehren kann ; kann und muß . « » Ihr verbergt Euch hinter dem Bollwerke der Pflicht ; « redete der Schultheiß bitter : » eine bessre Burg gibt es nicht für spröde Frauen . Wären aber vielleicht nur meine Jahre der Feind , dessen Sturm Ihr so muthvoll abschlagt ? Ihr müßt mir schon vergeben , ehrsame Frau , wenn ich in Eurem Hause umsonst nach dem Talisman forsche , der Euch unverletzbar macht . « - » Seht ihn hier ; « rief Margarethe , da gerade der kleine Hans in die Stube sprang , und in ihre Arme eilte : » seht ihn hier , und zürnt meiner nicht , gestrenger Herr ! « - Der Schultheiß verbarg seinen Unmuth über die zur Unzeit eingetretne Störung hinter der Maske wehmuthsvoller Freundlichkeit . Er verbeugte sich mit einem vielsagenden Blick , und streichelte , der Mutter zu gefallen , des Knaben blühende Wange . » Du liebst wohl Deine Mutter sehr ? « fragte er den Kleinen . » Über Alles lieb ' ich sie ! « versicherte der Letztere mit strahlendem Auge . - » Du Glücklicher ! « seufzte der Ritter , verstohlen Margarethens Antlitz hütend : »