, er mag mit Heilmitteln oder mit der Hand zu Werke gehen , ist nichts ohne die genauste Kenntnis der äußern und innern Glieder des Menschen , und es reicht keineswegs hin , auf Schulen flüchtige Kenntnis hievon genommen , sich von Gestalt , Lage , Zusammenhang der mannigfaltigsten Teile des unerforschlichen Organismus einen oberflächlichen Begriff gemacht zu haben . Täglich soll der Arzt , dem es Ernst ist , in der Wiederholung dieses Wissens , dieses Anschauens sich zu üben , sich den Zusammenhang dieses lebendigen Wunders immer vor Geist und Auge zu erneuern alle Gelegenheit suchen . Kennte er seinen Vorteil , er würde , da ihm die Zeit zu solchen Arbeiten ermangelt , einen Anatomen in Sold nehmen , der , nach seiner Anleitung , für ihn im stillen beschäftigt , gleichsam in Gegenwart aller Verwicklungen des verflochtensten Lebens , auf die schwierigsten Fragen sogleich zu antworten verstände . Je mehr man dies einsehen wird , je lebhafter , heftiger , leidenschaftlicher wird das Studium der Zergliederung getrieben werden . Aber in eben dem Maße werden sich die Mittel vermindern ; die Gegenstände , die Körper , auf die solche Studien zu gründen sind , sie werden fehlen , seltener , teurer werden , und ein wahrhafter Konflikt zwischen Lebendigen und Toten wird entstehen . In der alten Welt ist alles Schlendrian , wo man das Neue immer auf die alte , das Wachsende nach starrer Weise behandeln will . Dieser Konflikt , den ich ankündige zwischen Toten und Lebendigen , er wird auf Leben und Tod gehen , man wird erschrecken , man wird untersuchen , Gesetze geben und nichts ausrichten . Vorsicht und Verbot helfen in solchen Fällen nichts ; man muß von vorn anfangen . Und das ist ' s , was mein Meister und ich in den neuen Zuständen zu leisten hoffen , und zwar nichts Neues , es ist schon da ; aber das , was jetzo Kunst ist , muß Handwerk werden , was im Besondern geschieht , muß im Allgemeinen möglich werden , und nichts kann sich verbreiten , als was anerkannt ist . Unser Tun und Leisten muß anerkannt werden als das einzige Mittel in einer entschiedenen Bedrängnis , welche besonders große Städte bedroht . Ich will die Worte meines Meisters anführen , aber merkt auf ! Er sprach eines Tages im größten Vertrauen : Der Zeitungsleser findet Artikel interessant und lustig beinah , wenn er von Auferstehungsmännern erzählen hört . Erst stahlen sie die Körper in tiefem Geheimnis ; dagegen stellt man Wächter auf : sie kommen mit gewaffneter Schar , um sich ihrer Beute gewaltsam zu bemächtigen . Und das Schlimmste zum Schlimmen wird sich ereignen , ich darf es nicht laut sagen , denn ich würde , zwar nicht als Mitschuldiger , aber doch als zufälliger Mitwisser , in die gefährlichste Untersuchung verwickelt werden , wo man mich in jedem Fall bestrafen müßte , weil ich die Untat , sobald ich sie entdeckt hatte , den Gerichten nicht anzeigte . Ihnen gesteh ' ich ' s , mein Freund , in dieser Stadt hat man gemordet , um den dringenden , gut bezahlenden Anatomen einen Gegenstand zu verschaffen . Der entseelte Körper lag vor uns . Ich darf die Szene nicht ausmalen . Er entdeckte die Untat , ich aber auch , wir sahen einander an und schwiegen beide ; wir sahen vor uns hin und schwiegen und gingen ans Geschäft . - Und dies ist ' s , mein Freund , was mich zwischen Wachs und Gips gebannt hat ; dies ist ' s , was gewiß auch Sie bei der Kunst festhalten wird , welche früher oder später vor allen übrigen wird gepriesen werden . « Friedrich sprang auf , schlug in die Hände und wollte des Bravorufens kein Ende machen , so daß Wilhelm zuletzt im Ernst böse wurde . » Bravo ! « rief jener aus , » nun erkenne ich dich wieder ! Das erstemal seit langer Zeit hast du wieder gesprochen wie einer , dem etwas wahrhaft am Herzen liegt ; zum erstenmal hat der Fluß der Rede dich wieder fortgerissen , du hast dich als einen solchen erwiesen , der etwas zu tun und es anzupreisen imstande ist . « Lenardo nahm hierauf das Wort und vermittelte diese kleine Mißhelligkeit vollkommen . » Ich schien abwesend « , sprach er , » aber nur deshalb , weil ich mehr als gegenwärtig war . Ich erinnerte mich nämlich des großen Kabinetts dieser Art , das ich auf meinen Reisen gesehen und welches mich dergestalt interessierte , daß der Kustode , der , um nach Gewohnheit fertig zu werden , die auswendig gelernte Schnurre herzubeten anfing , gar bald , da er der Künstler selber war , aus der Rolle fiel und sich als einen kenntnisreichen Demonstrator bewies . Der merkwürdige Gegensatz , im hohen Sommer in kühlen Zimmern , bei schwüler Wärme draußen , diejenigen Gegenstände vor mir zu sehen , denen man im strengsten Winter sich kaum zu nähern getraut . Hier diente bequem alles der Wißbegierde . In größter Gelassenheit und schönster Ordnung zeigte er mir die Wunder des menschlichen Baues und freute sich , mich überzeugen zu können , daß zum ersten Anfang und zu später Erinnerung eine solche Anstalt vollkommen hinreichend sei ; wobei denn einem jeden frei bleibe , in der mittlern Zeit sich an die Natur zu wenden und bei schicklicher Gelegenheit sich um diesen oder jenen besondern Teil zu erkundigen . Er bat mich , ihn zu empfehlen . Denn nur einem einzigen , großen , auswärtigen Museum habe er eine solche Sammlung gearbeitet , die Universitäten aber widerstünden durchaus dem Unternehmen , weil die Meister der Kunst wohl Prosektoren , aber keine Proplastiker zu bilden wüßten . Hiernach hielt ich denn diesen geschickten Mann für den einzigen in der Welt , und nun hören wir , daß ein anderer auf dieselbe Weise bemüht ist ; wer weiß , wo noch ein Dritter