Anwesende zwingen , es ihr nachzutun und regungslos zu bleiben ? - Freilich kann man wohl auch eine von einer allgemeinen Katalepsie befallene Cour sich als die feierlichste und erhabenste denken , die es in der Welt nur geben mag , da die leiseste Verletzung der nötigen Würde auch dem Leichtsinnigsten unmöglich . Doch ein Gefühl , das mich eben in solchen hausväterlichen Augenblicken , wie die jetzigen hier beim Spiel , befällt , läßt es mich bemerken , daß ein solcher Zustand der Braut dem fürstlichen Bräutigam einiges fröstelndes Grauen erregen kann , und darum - Benzon ! Sie sind eine liebenswürdige , verständige Frau , fänden Sie vielleicht eine Möglichkeit , die Sache mit dem Prinzen zu redressieren , irgendein Mittel - « » Es bedarf , « unterbrach die Benzon lebhaft den Fürsten , » es bedarf dessen gar nicht , gnädigster Herr ! Nicht der Prinzessin Krankheit trieb den Prinzen so schnell fort , ein anderes Geheimnis ist hier im Spiele , und in dieses Geheimnis ist der Kapellmeister Kreisler verflochten . « » Wie , « rief der Fürst voll Erstaunen , » wie , was sagen Sie , Benzon ? der Kapellmeister Kreisler ? So sollte es doch wahr sein , daß er - « » Ja , « sprach die Rätin weiter , » ja , gnädigster Herr , ein Zwiespalt zwischen ihm und dem Prinzen Hektor , der vielleicht geschlichtet werden sollte auf zu heroische Weise , war es , der den Prinzen entfernte . « - » Zwiespalt , « unterbrach der Fürst die Benzon , » Zwiespalt - geschlichtet - heroische Weise ! - Der Schuß im Park - der blutige Hut ! - Benzon ! es ist ja unmöglich - der Prinz - der Kapellmeister ! - ein Duell - ein Renkontre , beides ist ja undenkbar ! « - » So viel , « fuhr die Benzon fort , » so viel , gnädigster Herr , ist gewiß , daß Kreisler auf der Prinzessin Gemüt nur zu mächtig einwirkte , daß jene seltsame Angst , ja , jenes Entsetzen , das sie erst empfand in Kreislers Gegenwart , sich gestalten wollte zur verderblichen Leidenschaft . Möglich , daß der Prinz scharf genug sah , dies zu gewahren , daß er in Kreisler , der ihm von Anfang an entgegentrat mit feindlicher verhöhnender Ironie , einen Widersacher fand , den er sich vom Halse schaffen zu müssen glaubte , und daß hieraus sich eine Tat erzeugte , die freilich nur dem blutigen Haß des gekränkten Ehrgefühls , der Eifersucht verziehen werden darf , und die , Dank sei der ewigen Macht , nicht gelang . Ich gestehe , daß dies alles die schnelle Abreise des Prinzen nicht erklärt , und daß , wie gesagt , noch ein dunkles Geheimnis waltet . Der Prinz floh , wie mir Julia erzählt , entsetzt vor einem Bilde , das Kreisler bei sich trug und ihm vorzeigte . - Nun , mag dem sein , wie ihm wolle , Kreisler ist fort , und der Prinzessin Krisis ist vorüber ! - Glauben Sie mir , gnädigster Herr , blieb Kreisler , so flammte die heftigste Leidenschaft für ihn auf in der Prinzessin Brust , und sie wäre lieber gestorben , als daß sie dem Prinzen ihre Hand gegeben hätte . Alles hat sich jetzt anders gestaltet , bald kehrt Prinz Hektor zurück , und die Vermählung mit der Prinzessin endigt alle Besorgnisse . « » Sehn Sie , « rief der Fürst zornig , » sehn Sie , Benzon , die Insolenz des schnöden Musikanten ! - In ihn will die Prinzessin sich verlieben , seinetwegen die Hand des liebenswürdigsten Prinzen ausschlagen ! - Ah le coquin ! - Nun verstehe ich Euch , Meister Abraham , erst ganz ! - Ihr sollt mir den fatalen Menschen vom Halse schaffen , daß er niemals wiederkehrt . « - » Jede , « sprach die Rätin , » jede Maßregel , die der weise Meister Abraham deshalb etwa vorschlagen dürfte , würde überflüssig sein , da das Erforderliche deshalb schon geschehen ist . Kreisler befindet sich in der Abtei Kanzheim , und wie mir der Abt Chrysostomus schreibt , wird er wahrscheinlich sich entschließen , der Welt zu entsagen und in den Orden zu treten . Die Prinzessin hat dies schon erfahren von mir zur günstigen Stunde , und daß ich dabei keine sonderliche Gemütsbewegung der Prinzessin gewahrte , bürgt mir dafür , daß die bedrohliche Krisis , wie gesagt , schon vorüber . « » Herrliche , « nahm der Fürst das Wort , » herrliche , liebenswürdige Frau ! welches Attachement beweisen Sie mir und meinen Kindern ! Wie sorgen Sie für das Wohl , für das Beste meines Hauses ! « » Wirklich , « sprach die Benzon mit bittrem Ton , » wirklich ? - tue ich das ? Konnte , durfte ich immer für das Wohl Ihrer Kinder sorgen ? « Die Benzon legte auf die letzten Worte einen besonderen Nachdruck , der Fürst sah schweigend vor sich nieder und spielte mit den Daumen der zusammengefalteten Hände . Endlich murmelte er leise : » Angela ! - noch immer keine Spur ? - ganz verschwunden ? « » So ist es , « erwiderte die Benzon , » und ich fürchte , daß das unglückliche Kind das Opfer irgendeiner Schändlichkeit geworden ist . Man wollte sie in Venedig gesehen haben , aber gewiß war dies ein Irrtum . - Gestehen Sie es , gnädigster Herr , es war grausam - entsetzlich , daß Sie Ihr Kind von der Brust der Mutter reißen ließen , es in ein trostloses Exil verbannten ! - Diese Wunde , die mir Ihre Strenge schlug , werde ich niemals verschmerzen ! « » Benzon , « sprach der Fürst , » habe ich Ihnen , dem Kinde nicht ein ansehnliches Jahrgehalt ausgesetzt ? - konnte ich mehr tun ? Mußte ich nicht , blieb