was ihm bekanntlich nicht gelungen war . Aber dieser Staat benahm sich in einer wahrhaft himmelschreienden Weise gegen seinen treuesten Diener . Er schien gar kein Verständnis für die Aufopferung und Hingebung desselben zu besitzen , sich vielmehr der Auffassung Franks anzuschließen , der in seiner derben Weise behauptete , der Assessor mache jetzt » eine Dummheit nach der andern « und werde sich damit noch für den ganzen Staatsdienst unmöglich machen . In der That wurde Hubert bei jeder Beförderung in einer so absichtsvollen Weise übergangen , daß die Kollegen zu sticheln anfingen ; da reifte ein finsterer Entschluß in der Seele des Tiefbeleidigten . Die Schwarzsche Erbschaft machte ihn ja völlig unabhängig – weshalb sollte er noch länger Verkennung und Zurücksetzung ertragen , weshalb noch länger dieser undankbaren Regierung dienen , die seine glänzenden Fähigkeiten so beharrlich verkannte , während sie unbedeutende Menschen , wie den Doktor Fabian , zu den ehrenvollsten Stellungen berief und mit Auszeichnungen überhäufte ? Hubert sprach davon , seine Entlassung zu nehmen ; er wiederholte das sogar in Gegenwart des Präsidenten und mußte die Kränkung erleben , daß dieser ihm mit vernichtender Freundlichkeit beistimmte . Seine Excellenz meinten , der Herr Assessor habe bei seinem Vermögen eine Anstellung ja gar nicht nötig und thue ganz recht , sich der anstrengenden Thätigkeit zu entziehen ; er sei ohnehin etwas zu » nervös « für einen Beamten , von dem man doch in erster Linie Besonnenheit verlange . Der Wink war deutlich genug , Hubert fühlte etwas von dem Menschenhaß und der Weltverachtung seines berühmten Verwandten in sich , als er stehenden Fußes nach dieser Unterredung nach Hause ging , um sein Entlassungsgesuch aufzusetzen . Es wurde abgeschickt und auch wirklich angenommen . Noch waren der Staat und das Polizeidepartement von L. darüber nicht aus den Fugen gegangen , aber es geschah vielleicht noch nachträglich , wenn die Entlassung eine Thatsache wurde , was im nächsten Monat bevorstand . Der Assessor war viel zu sehr der Neffe seines Onkels , dessen verunglücktes Manöver er nachgeahmt hatte , um nicht auf den Eintritt eines solchen Ereignisses zu warten . – Im Hofe von Rakowicz stand das Pferd des jungen Gutsherrn von Wilicza . Es geschah nur äußerst selten , daß er herübergeritten kam , und auch dann dauerten seine Besuche stets nur kurze Zeit . Die Kluft , welche ihn von seinen nächsten Verwandten trennte , wollte sich noch immer nicht schließen , die letzten Ereignisse schienen sie nur noch weiter aufgerissen zu haben . Im Zimmer der Gräfin Morynska befand sich diese allein mit Waldemar . Wanda hatte sich sehr verändert ; sie war wohl immer bleich gewesen , aber die Blässe hatte nichts gemein mit jener totenhaften Farbe , die jetzt ihr Antlitz deckte . Man sah es , was sie gelitten hatte in der Zeit , wo sie den so leidenschaftlich geliebten Vater im Kerker wußte , krank , dem Tode nahe , ohne ihn auch nur auf einen Augenblick sehen zu dürfen , als der Freiheitstraum , für den er sein Leben so begeistert in die Schanze geschlagen , den auch seine Tochter mit voller Seele umfaßte , für immer zu Ende ging . Die Todesangst bis zur Entscheidung dieses Doppelschicksals , das fortwährende Schwanken zwischen Furcht und Hoffnung , die Aufregung bei den immer wiederholten Befreiungsversuchen , das alles hatte seine deutlichen Spuren hinterlassen . Wanda war eine jener Naturen , die mit verzweiflungsvoller Energie auch dem schwersten Unglücke standhalten , solange noch ein Schimmer von Hoffnung vorhanden ist , die aber , wenn dieser Schimmer erlischt , machtlos zusammenbrechen , und sie schien jetzt nahe bis an diesen Punkt gelangt zu sein . Für den Augenblick lag freilich noch eine fieberhafte Ueberreizung in ihrem Wesen , ein Zusammenraffen der letzten Kräfte , aber es waren eben auch die letzten . Waldemar stand vor ihr , unverändert in seiner trotzigen Erscheinung , aber er schien wenig von der Schonung zu üben , die das Aussehen der jungen Gräfin so dringend forderte . Seine Haltung war eine beinahe drohende , und in seiner Stimme lag ein Gemisch von Zorn und Schmerz , als er zu ihr sprach : » Ich bitte dich zum letztenmal : gib den Gedanken auf ! Du gibst dir den Tod damit , ohne deinem Vater helfen zu können . Es ist nur eine Qual mehr für ihn , wenn er dich vor seinen Augen hinsterben sieht . Du willst ihm folgen in jene furchtbare Einöde , in jenes mörderische Klima , dem die Stärksten erliegen , du , die du von Jugend auf verwöhnt , mit allem umgeben worden bist , was das Leben nur Angenehmes zu bieten vermag , willst dich jetzt den schlimmsten Entbehrungen aussetzen . Was die stählerne Natur des Grafen vielleicht noch aushält , dem erliegst du in den ersten Monaten . Frage den Arzt , frage dein eigenes Aussehen , und sie werden dir sagen , daß du nicht das nächste Jahr dort erlebst ! « » Glaubst du , daß mein Vater es erlebt ? « entgegnete Wanda mit bebender Stimme . » Wir hoffen und verlangen ja auch nichts mehr vom Leben , aber wir wollen wenigstens zusammen sterben . « » Und ich ? « fragte Waldemar mit bitterem Vorwurf . Sie wandte sich ab , ohne zu antworten . » Und ich ? « wiederholte er heftiger . » Was wird aus mir ? « » Du bist wenigstens frei . Du hast das Leben noch vor dir . Trage es ! Ich habe noch schwerer zu tragen . « Waldemar wollte auffahren ; ein Blick auf das bleiche , schmerzdurchwühlte Antlitz verbot ihm das . Er zwang sich zur Ruhe . » Wanda , als wir uns vor einem Jahre endlich fanden , da stand das Wort zwischen uns , das du meinem Bruder gegeben hattest . Ich hätte dich ihm abgerungen um jeden Preis , aber es kam nicht dazu . Sein Tod hat die Schranke