hat . “ „ Meinetwegen ! “ sagte der College trocken . „ Er kann sich jetzt immerhin einigen Luxus darin erlauben . Uebrigens ist es tröstlich zu sehen , daß man unter Umständen auch mit der Philanthropie glänzende Geschäfte macht , wie unsere Jahresabschlüsse beweisen . Sie sind weitaus bedeutender als unter dem früheren Regimente , dem man eine besondere Menschenliebe nun gerade nicht zum Vorwurf machen konnte , und doch wurde da herausgepreßt , was nur aus den Werken herauszupressen war . “ „ Sie sind ein unverbesserlicher Spötter ! “ zürnte der Director . „ Sie wissen doch am besten , daß sich Herr Berkow nicht von solchen Rücksichten leiten läßt . “ „ Nein , dazu ist er doch noch zu sehr Idealist ! “ meinte der Oberingenieur , den Vorwurf sehr gleichmüthig hinnehmend . „ Glücklicher Weise ist er es nicht mehr , als sich mit der Praxis verträgt , und er hat eine zu bittere Schule durchgemacht , um nicht zu wissen , daß die Praxis doch am Ende Grundlage und Hauptbedingung all ’ solcher Bestrebungen bleiben muß . Ich meinestheils bin gar nicht für den Idealismus , das wissen Sie ja . “ Der Andere lächelte ein wenig boshaft . „ Ja , das wissen wir Alle , aber sollte es sich nicht einigermaßen ändern , wenn ein so durchaus idealistisches Element wie unser Herr Wilberg in Ihre Familie eintritt ? Das steht ja wohl nächstens bevor , Herr College ? “ Der Director schien mit dieser Hindeutung dem Herrn Collegen einen kleinen Hieb versetzt zu haben , denn Jener verzog das Gesicht und fuhr ärgerlich auf . „ Reden Sie mir nicht auch noch davon ! Ich höre es schon zu Hause genug . Das muß mir passiren , mir , der ich nichts so sehr verabscheue als Sentimentalität und Ueberspanntheit ! Gerade mir hat das Schicksal einen Schwiegersohn aufgehoben , der Gedichte macht und Guitarre spielt ! Der Mensch ist nicht wegzubringen mit seiner Bewerbung und seinem Geseufze , und Melanie will keine Vernunft annehmen . Aber ich habe noch nicht Ja gesagt , und es ist noch sehr die Frage , ob ich es thue . “ [ 374 ] „ Nun , dafür wollen wir Fräulein Melanie sorgen lassen ! “ lachte der Director . „ Sie hat in manchen Dingen den Kopf ihres Vaters und versteht ihren Willen durchzusetzen . Ich kann Ihnen versichern , daß Wilberg bereits mit sehr siegesgewisser Miene umher geht und alle etwaigen Gratulationen mit einem vielsagenden ‚ Noch nicht ! ‘ ablehnt . Die beiden jungen Leute werden ihrer Sache wohl bereits sicher sein . Adieu , lieber College ! Sie melden mir doch zuerst das frohe Familienereigniß ? “ Diesmal war die Malice auf Seiten des Herrn Directors , und sie schien zu wirken , denn der Oberingenieur stieg mit sehr verstimmter Miene die Treppe zu seiner Wohnung hinauf , wo seine Tochter ihm bereits entgegenkam . Fräulein Melanie war heute von einer außerordentlichen Zärtlichkeit gegen den Vater ; sie begrüßte ihn , nahm ihm Hut und Handschuhe ab , schmeichelte ein wenig und hielt es nach diesen Präliminarien an der Zeit , mit einer Bitte hervorzukommen . „ Papa , es ist Jemand da , der Dich zu sprechen wünscht , sogleich und dringend zu sprechen . Er ist drinnen bei der Mama . Darf ich ihn herführen ? “ „ Ich bin nicht zu sprechen ! “ grollte der Gefragte , der bereits ahnte , was ihm bevorstand , die junge Dame nahm aber nicht die geringste Notiz von der Weigerung . Sie verschwand im Nebenzimmer , um in der nächsten Minute den „ Jemand “ hereinzuschieben , nachdem sie ihm noch schnell einige ermuthigende Worte in ’ s Ohr geflüstert . Letztere schienen auch nothwendig zu sein , denn Herr Wilberg , der sich , das blonde Haar sorgfältig gescheitelt , im Frack und überhaupt in der ganzen Erscheinung eines officiellen Freiers präsentirte , stand da , als sei er unversehens in eine Löwengrube geworfen . Er hatte sich jedenfalls für diese wichtige Stunde eine zierliche , wohlgesetzte Rede ausgearbeitet , aber die grimmige Miene seines Vorgesetzten , der in durchaus nicht ermuthigendem Tone fragte , was er denn eigentlich wolle , brachte ihn gänzlich aus dem Concept . „ Meine Wünsche und Hoffnungen – “ stotterte er . „ Ermuthigt durch die Neigung von Fräulein Melanie – das höchste Glück , sie die Meine nennen zu dürfen – “ „ Dachte ich ’ s doch ! Nicht einmal einen vernünftigen Antrag kann der Mensch machen , “ brummte der Oberingenieur , ohne daran zu denken , daß sein Empfang ganz danach war , jeden Bewerber aus der Fassung zu bringen ; als aber der junge Mann in immer größere Verlegenheit gerieth und sich in seiner Rede immer mehr verwickelte , schnitt er ihm kurz das Wort ab . „ Nun , schweigen Sie nur ! Es ist mir gerade kein Geheimniß mehr , was Sie wünschen und hoffen . Sie wollen mich zum Schwiegervater ? “ Wilberg sah aus , als ob diese letztere allerdings unvermeidliche Zugabe zu seiner künftigen Ehe ihm gerade kein besonderes Entzücken einflöße . „ Ich bitte um Entschuldigung ; ich wünschte zuvörderst Fräulein Melanie zur Frau , “ bemerkte er schüchtern . „ So ? Und mich nehmen Sie wohl sehr ungern mit in den Kauf ? “ fragte der gereizte Schwiegervater in spe . „ Ich begreife übrigens gar nicht , wie Sie mir mit einem solchen Antrage zu kommen wagen . Haben Sie nicht die gnädige Frau geliebt ? Haben Sie nicht Gedichte an sie gemacht , bogenlang ? Warum schwärmen Sie da nicht platonisch weiter ? “ „ Mein Gott , das war vor Jahren , “ vertheidigte sich der junge Beamte . „ Melanie weiß das längst , und gerade das war es , was uns zuerst zusammenführte . Es giebt zwei Arten von Liebe , Herr Oberingenieur ,