daß der Seele dieses Mannes augenblicklich nichts ferner lag als die Eitelkeit – ein so furchtbarer Ernst , eine so finstere Entschlossenheit lag auf der düstergefalteten Stirn . Er nahm mit raschen Händen ein schwarzes , mit Juwelen beladenes Samtpolster um das andere aus dem Koffer und legte es achtlos auf die Seite . Neben ihm stand die Baronin Fleury mit halbgeöffneten Lippen und vorgebeugtem Oberkörper . Allmählich begann ein leiser Triumph in ihren Augen zu funkeln . Sie sah allerdings glitzernde Wunderdinge aus dem Koffer emporsteigen , die ihr unerstättliches Herz klopfen machten , allein es waren lauter antike Schmuckstücke , die » der Sammler « da angehäuft hatte – nicht ein einziges erinnerte an ihren » hübschen Gedanken « ... Hatte sich der Portugiese hinsichtlich des » Corpus delicti « doch getäuscht ? Da hob er , bedeutend langsamer als zuvor , ein großes Etui hervor und schlug fast zögernd den Deckel zurück . Ein Ausruf der Überraschung ertönte von allen Lippen , und die schöne Exzellenz wich bestürzt zurück . Bis auf das kleinste in ihren Locken glitzernde Staubfädchen getreu kopiert , lag der Fuchsienkranz auf dem Samtpolster – aber er hatte einen Vorzug : die » gräflich Völdernschen Familienbrillanten « erloschen neben dieser funkelnden Steinpracht . Und der Kranz lag nicht allein – ihn umkreiste dasselbe Halsband , das dort auf dem weißen , stürmisch atmenden Busen Titanias blitzte , und die Agraffe , die den silberdurchwobenen Schleier auf ihrer Schulter festhielt , leuchtete auch hier mit ihren großen bläulichen Brillanten . » Welch ein schändlicher Betrug ! « stieß die junge Frau zornbebend hervor . » Siehst du , Fleury « – wandte sie sich an ihren Gemahl ; er befand sich nicht mehr an ihrer Seite – Seine Exzellenz stand an einem entfernten Büfett und stürzte ein Glas Wein hinunter . Er wurde alt und stumpf , der Mann , er zeigte für nichts mehr das wahre , feurige Interesse wie ehedem – war es ihm doch sogar unangenehm geworden , seine schöne Frau diamantengeschmückt zu sehen ... Sie stand allein unter all den schadenfrohen Gesichtern . Die ganze furienhafte Leidenschaft dieser Frauenseele , die bis dahin nur Seine Exzellenz und die engen Wände Ihres Zimmers kennen gelernt hatten , war nahe daran , angesichts des Hofes hervorzubrechen . » Fleury , Fleury ! « rief sie mit unbeschreiblichem Ärger hinüber . » Ich bitte dich , komme hierher und überzeuge dich , wie recht ich hatte , gegen das völlig überflüssige Putzen und Reinigen der Steine in Paris zu protestieren ! ... Du hast es durchgesetzt , und diese treulosen Franzosen haben die Gelegenheit benutzt , die köstlichen Formen zu stehlen ... Oh , hätte ich sie doch nicht aus den Händen gegeben ! « Jedes dieser schneidend scharf betonten Worte sollte den Besitzer der Brillanten beleidigen . War er in der Tat vollkommen unempfindlich gegen die anmaßende Art und Weise der gereizten Dame ? Kein Zug seines Gesichts bewegte sich , und auf die Frage des Fürsten , wo er diesen Schmuck erworben habe , versetzte er lakonisch : » In Paris . « Der Minister kam langsam über den Platz . Welch ein Gegensatz zwischen diesem steinernen Gesicht und den fieberhaft erregten Zügen der schönen Titania ! ... Es gehörte ein sehr scharfer Blick dazu , das leichte nervöse Zucken an den schlaffen Augenlidern zu entdecken ... » Ich kann dir nicht helfen , liebes Kind , das Unglück ist nun einmal geschehen , und du wirst dich trösten müssen « , sagte er in seiner ganzen kaltlächelnden Ruhe und Diplomatengleichgültigkeit . Er warf auch nicht einen Blick auf das Etui , das die Gräfin Schliersen in den Händen hielt , während der Fürst die Pracht der Steine bewunderte . » Übrigens können dir diese Nebenbuhler weiter nicht gefährlich werden « , fuhr er mit einem leichten Achselzucken fort , » Herr von Oliveira verwahrt sie , wie es scheint , als Kuriosum , und da er sie selbst nicht tragen kann , so werden sie schwerlich deinen Weg wieder kreuzen . « Sie wandte ihm zornig den Rücken . So wie sie ihn kannte , war er trotz seiner ausgezeichneten Maske in diesem Augenblick furchtbar erregt . Weshalb zeigte er seine gerechte Empörung nicht und behandelte im Gegenteil den abscheulichen Betrug wie eine Kinderei ? ... Bei den letzten Worten Seiner Exzellenz sahen sämtliche junge Damen sofort nach dem Portugiesen , der , die lodernden Augen starr und unverwandt auf das Gesicht des Sprechenden gerichtet , wie eine erzene Bildsäule dastand ... Was fiel dem Minister ein , zu behaupten , weil dieser majestätische Fremde die Steine nicht selbst tragen konnte , sie würden nun auch für immer in der Gefangenschaft des Kastens bleiben müssen ? War es nicht ein naheliegender Gedanke , daß er über kurz oder lang ein beglückendes junges Wesen an seine Seite ziehen und als » sein besseres Ich « mit all diesen wundervollen Schätzen überschütten würde ? ... Vielleicht kreiste diese Betrachtung auch hinter der Stirn der Gräfin Schliersen . Sie nahm lächelnd den Kranz vom Polster , und ehe Gisela sich dessen versah , fühlte sie die schweren , kalten Steine auf der Stirn ... Sie ahnte nicht , daß ihr in diesem Augenblick der Preis der Schönheit und des höchsten Liebreizes von allen stillschweigend zuerkannt wurde ; sie sah auch nicht , wie ein unbezähmbarer Ausbruch leidenschaftlicher Zärtlichkeit sekundenlang die düsteren Züge Oliveiras durchstrahlte – unfern stand die schöne Hofdame , sie schüttelte unwillig die braunen Locken , der tiefe Verdruß spiegelte sich in ihren Augen und schmollte in den herabgesenkten Mundwinkeln ; sie hatte bereits Rechte an das Eigentum des Mannes dort , aber sie waren noch nicht öffentlich anerkannt ; und nun mußte sie es stillschweigend leiden , daß eine fremde Stirn mit dem Diadem geschmückt wurde ! Bei diesem Gedanken griff Gisela hastig nach den tödlich-kalten Steinen und legte sie mit zitternden Händen auf das Polster zurück – in Gesicht